RUND UMS GRÜNWALDER STADION HERRSCHT AUSNAHMEZUSTAND NACH DEM AUFSTIEG VON 1860 – UND DIE FANGEMEINDE IST ERSTAUNLICH JUNG

Ekstase in Giesing!

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Jubelstürme auf Giesings Höhen: Die Fans feiern auch in den Kneipen rund ums Stadion den Aufstieg. Die drei Freundinnen (oben, v.li.) Theresa, Karin und Nadine sind dabei. Genauso wie die Brüder Xaver, Carlo und Ferry (re.). fotos: Schmidhuber

Man muss sich ja immer Sorgen machen um die Löwen.

Um diesen Verein, bei dem das Leid die Anzahl der Triumphe weit überragt. Vor allem könnte man meinen, dass dem TSV 1860 nach so vielen Jahren der Tristesse und dem Zwangsabstieg in die Regionalliga irgendwann die Fanbasis wegbricht.

Doch ganz im Gegenteil: Spätestens seit der Rückkehr ins Grünwalder Stadion ist Sechzig wieder Kult. Der Verein lebt mehr denn je – und die Euphorie auf Giesings Höhen ist am Sonntag nach dem Aufstieg in die Dritte Liga grenzenlos. In den Kneipen rund ums Stadion – dieses ist ausverkauft und man hätte es wohl drei- bis viermal füllen können – tummeln sich Tausende Anhänger. Das Auffällige: Nicht nur ergraute Fan-Eminenzen, sondern viele junge Menschen.

Der Saal des „Giesinger Bräu“ ist schon lange vor Spielbeginn so voll, dass Hunderte vor dem Lokal sitzen und auf ihren Smartphones das Spiel verfolgen müssen. Kurz herrscht Schockstarre, als Saarbrücken mit 2:0 in Führung geht. Doch nach dem Ausgleich zum 2:2 und nach Spielende tobt die Menge. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Tränen fließen – als wäre Sechzig Deutscher Meister geworden. Dabei ist es „nur“ die Rückkehr in die Dritte Liga. Aber in Giesing herrschen Maßstäbe, die Fans des Stadtrivalen FC Bayern eher fremd sind. Die Löwen-Anhänger intonieren: „Die Nummer eins der Stadt sind wir.“

Die drei Freundinnen Theresa, Nadine (beide 30) und Karin (31) sind schon immer 1860-Fans. „Zwischenzeitlich waren wir völlig fertig mit den Nerven“, sagen sie. Das Trio hat viele Heimspiele in dieser Saison besucht. Zum Höhepunkt haben sie keine Karten bekommen. Nadine und Karin kommen aus Giesing. „1860 ist ein Traditionsverein. Dass man Löwenfan ist, wird einem in die Wiege gelegt“, erklärt Karin und stimmt wieder mit ihren Freundinnen in die Fangesänge mit ein – Ekstase pur.

Auch die Familie Ewert aus Haidhausen ist mit ihren drei Söhnen ins Giesinger Bräu gekommen. Warum er denn Löwe sei? „Weil es ein geiler Verein ist“, sagt der zehnjährige Xaver. Seine beiden kleinen Brüder Carlo (8) und Ferry (5) jubeln mit. Noch Stunden nach dem Spiel wird auf den Straßen rund ums Stadion gefeiert – und die Mannschaft im Doppeldecker-Bus zum Trainingsgelände gefahren. Sechzig lebt! klaus vick

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