Im Einsatz für die Demokratie VON CHRISTIAN MASENGARB

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Im Einsatz für die Demokratie. VON CHRISTIAN MASENGARB.

Erding – Walter Schachtner ist immer wieder überrascht, welche Kunstwerke ihn bei der Auswertung der Wahlzettel erwarten. „Einmal hatte jemand statt eines Kreuzes ein Herz in das Feld des Kandidaten seiner Wahl gemalt. Auch ,die Deppen‘ stand schon einmal neben dem Namen einer Partei. Einmal war dort auch ein Baum gezeichnet.“ In solchen Fällen muss der 70-jährige Wahlleiter aus Erding entscheiden, ob er den Wählerwillen klar erkennen und die Stimme zählen kann. „Die Herzchen habe ich durchgehen lassen.“

Wahlhelfer wie Schachtner können zwar lustige Anekdoten erzählen – aber sie erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie bereiten Wahlen vor, überwachen die Stimmabgabe und zählen die Ergebnisse aus. Damit garantieren sie allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen, wie der Gesetzgeber sie fordert. Eine wichtige Aufgabe, findet Schachtner: „Wir ermöglichen es Menschen, sich an der politischen Diskussion zu beteiligen. Dadurch leisten wir unseren Beitrag zur Demokratie.“

Dafür steht Schachtner an Wahlsonntagen schon um 6 Uhr auf. Gegen 7 Uhr bringt er die Wahlunterlagen ins Wahllokal, mahnt noch einmal alle Helfer zu Neutralität und Verschwiegenheit und überprüft letzte Details wie die Farbe der Kugelschreiber. „Setzen manche Wähler ihr Kreuz in Rot, andere in Blau, könnten Stimmen den Personen zugeordnet werden“, erklärt er. Das ist verboten. Daher müssen alle Kugelschreiber mit der gleichen Farbe schreiben.

Schachtners Detailgenauigkeit verdankt er seiner Erfahrung. Die reicht schon so weit zurück, dass er sich an sein erstes Jahr als Wahlhelfer kaum noch erinnert. „40 bis 50 Jahre muss das her sein“, sagt er und lacht. „Ich glaube, es war eine Bundestagswahl.“ Seitdem war er bei jeder Abstimmung im Einsatz, seit 15 Jahre ist er jetzt Wahlleiter.

Schachtner unterstehen sechs Wahlhelfer. Die können sich freiwillig melden, werden von den Parteien vorgeschlagen oder von den Kommunen aus den Reihen ihrer Angestellten zwangsrekrutiert. Ablehnen darf man das Amt nur aus zwingenden Gründen. Wegen Krankheit oder beruflicher Verpflichtungen zum Beispiel. Zwang macht jedoch wenig Sinn, findet Schachtner: „Man sollte niemanden zur Jagd tragen. Wer keine Lust hat, macht schlechte Arbeit.“ Deswegen suchen die Kommunen vor jeder Wahl Freiwillige. Die Stadt München wirbt auf Plakaten in öffentlichen Einrichtungen und mit Videos in S-Bahn und U-Bahn. Andere Kommunen in Bayern setzen auf ähnliche Strategien.

Eva Spornraft wäre allerdings auch ohne Werbung Wahlhelfer geworden. Die langen Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl entfachten das politische Interesse der 25-jährigen Münchnerin. Durch ihre Arbeit bei der Landeshauptstadt merkte sie, wie wichtig es ist, sich politisch zu engagieren. An Wahlsonntagen wollte sie deswegen mehr tun, als nur ein Kreuz setzen. „Ich will mit den Bürgern in Kontakt kommen, sie bei der Wahl unterstützen“, erklärt sie. Vergangenen Donnerstag nahm sie an einem Vorbereitungsseminar teil, spielte mit anderen Helfern eine Wahl durch. „Jetzt bin ich für die nächsten Jahre gut gewappnet.“ Spornraft will sich nicht nur bei der Landtagswahl in zwei Wochen für die Demokratie einsetzen.

Damit ist sie in ihrem Freundeskreis nicht allein. „Vor einigen Jahren dachten die meisten, sie könnten politisch ohnehin nichts verändern“, sagt Spornraft. „Aber inzwischen engagieren sich viele in Parteien oder ehrenamtlich.“ Bei der Stadt München sind deswegen schon alle Wahlhelferposten besetzt. Auch in Erding macht sich Schachtner keine Sorgen um die Zukunft: „Bei uns arbeiten Menschen aller Altersklassen und kulturellen Hintergründe gemeinsam für die Demokratie. Das macht Mut.“

Für die bevorstehenden Wahlen hat er vor allem einen Appell: „Geht wählen.“ Es sei ein großes Glück, politisch mitreden zu dürfen. „Das sollte man nutzen, statt nur zu meckern.“

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