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Sauerlacher Sanitäterin Laura Fischer erlebt auch Gewalt

Einsätze wegen Erkältungen oder Prellungen: Unnötige Notrufe bringen Retter ans Limit

Notfallsanitäterin Laura Fischer sitzt im BRK-Rettungswagen
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Im Rettungswagen sitzt Laura Fischer seit elf Jahren. Immer häufiger wird die Notfallsanitäterin zu Einsätzen gerufen, die keine Notfälle sind.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Laura Fischer ist Notfallsanitäterin. Sie hat es geschafft, die Liebe zu ihrem Beruf nicht zu verlieren – trotz der harten Pandemiejahre und Angriffen auf sie und ihre Kollegen. Sie wünscht sich aber mehr Aufklärung. Denn immer häufiger werden die Retter wegen Erkältungen oder Prellungen gerufen.

München - Laura Fischer weiß nie so ganz, was sie erwartet, wenn sie auf dem Weg zu jemandem ist, der den Notruf gewählt hatte. Ihre Aufgabe ist es, in Notfällen zu helfen und Patienten in Krankenhäuser zu bringen. Doch was als Notfall angekündigt war, stellt sich häufig als Bagatelle heraus. Die 31-Jährige ist in den vergangenen Monaten wegen Bauchschmerzen gerufen worden, wegen Erkältungen, wegen chronischen Rückenschmerzen, Prellungen oder kleinen Schnittwunden. Viele denken auch, sie würden im Krankenhaus schneller behandelt werden, wenn sie mit dem Rettungswagen eingeliefert werden, sagt Fischer. „Das stimmt natürlich nicht, im Krankenhaus wird nach Dringlichkeit entschieden.“

Zu mehr als zwei Millionen Einsätzen ist der Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes vergangenes Jahr ausgerückt – so oft wie nie zuvor. Rund 62 Millionen Kilometer haben die Retter zurückgelegt. Umgerechnet hätten sie damit 1550 Mal die Erde umrundet. Ein beachtlicher Teil dieser Kilometer wären nicht nötig gewesen, wie die Statistik des BRK aufzeigt. Die Zahl der Einsätze, bei denen es sich nicht um Notfälle handelte, ist um 25 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet ein Plus von 35.440 Einsätzen, die nicht nötig gewesen wären.

Häufig kommen Patienten nirgendwo anders durch

Die Notfallsanitäterin Laura Fischer hat dafür mehrere Erklärungen. Viele Hausarztpraxen waren während der Pandemie extrem überlastet und schwer erreichbar. Auch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst, der unter der Hotline 116 117 erreichbar ist, landeten viele Patienten in der Warteschleife. „Einige entschuldigen sich tatsächlich, wenn wir eintreffen und sagen, dass sie den Notruf aus Verzweiflung gewählt haben, weil sie nirgendwo anders durchgekommen sind.“ Andere wüssten schlichtweg nicht, dass die 112 nur bei wirklichen Notfällen gewählt werden soll, glaubt Fischer.

Der Rettungsdienst ist kein Taxi mit Blaulicht.

BRK-Präsidentin Angelika Schorer

Und sie hat auch das Gefühl, dass gerade Jüngere kaum noch Grundkenntnisse haben, wie sie sich selbst helfen können – zum Beispiel bei einem Magen-Darm-Infekt. Auch deswegen mussten Fischer und ihr Team im vergangenen Jahr ausrücken. „In solchen Fällen können wir nicht mehr tun als beraten“, sagt sie. Und aufklären, welche Telefonnummer wann die richtige ist.

„Der Rettungswagen ist kein Taxi mit Blaulicht“, betont die BRK-Präsidentin Angelika Schorer. Sie fordert, ambulante Versorgungsstrukturen weiter auszubauen und verfügbarer zu machen. „Vor allem aber braucht es mehr Aufklärung, wofür der Rettungsdienst da ist.“ Denn wenn die Rettungswagen zu Bagatell-Einsätzen fahren müssen, fallen sie in dieser Zeit für wirkliche Notfälle aus. Das heißt, dass andere Teams einspringen müssen. Oft verlängert sich die Anfahrtszeit dadurch erheblich.

Rettungssanitäterin berichtet von Gewalt gegen Helfer

Auch davon kann Laura Fischer aus ihrem Alltag berichten. Mittlerweile ist sie Wachleiterin in Sauerlach im Kreis München. Schon häufig wurde sie von dort aus in die Münchner Innenstadt gerufen, weil alle Münchner Rettungswagen nicht verfügbar waren. Und nicht selten passiert es dann, dass die Fahrt doch vergebens war – weil doch wieder ein näheres Sanitäterteam einspringen kann. Manchmal kommen Fischer und ihre Kollegen auch an einem Einsatzort an und es ist kein Patient mehr auffindbar. Auch der Anteil dieser beiden Fälle ist um 13 Prozent gestiegen.

Laura Fischer bekommt für ihre Arbeit nicht nur Dankbarkeit. Gewalt gegen Rettungskräfte habe sie oft erlebt, erzählt sie. Beleidigung, tätliche Angriffe – einmal wurde sie angespuckt. „Alkoholkonsum spielt dabei eine viel größere Rolle als der Geburtsort“, betont sie. Die 31-Jährige versucht, solche Vorfälle nicht an sich heranzulassen. „Sonst könnte ich meinen Beruf nicht machen“, sagt sie. Und den liebt sie nach wie vor. Obwohl sie und ihre Kollegen zwei besonders harte Pandemiejahre hinter sich haben. „Wir brauchen keinen Beifall“, sagt sie. „Dadurch verändern sich unsere Arbeitsbedingungen nicht. Viel wichtiger wäre mehr Aufklärung, was ein Notfall ist und was nicht.“

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