„Eine völlig überzogene Sexismus-Debatte“: Kreisvorsitzende von JU und FU über Plakat-Shitstorm

Sexistisch oder nicht sexistisch – das ist hier die Frage. Nicht aber bei JU und Frauenunion. JU-Vorsitzende auf Kreis- und Bezirksebene hätten die Plakate sogar hängen gelassen. privat
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Sexismus-Keule, Sittenpolizei und schlechte Umgangsformen in den sozialen Netzwerken: Die Plakatierungs-Affäre in Mettenheim zieht weite Kreise, die JU-Kreis- und Bezirksvorsitzenden stützen dabei den Ortsverband. Und der FU-Kreisvorsitzenden Ilse Preisinger-Sontag wäre ein Männer-Hintern lieber gewesen.

Mettenheim – Kontrovers wird die Plakatierungsaktion des Ortsverbandes der Jungen Union in den sozialen Netzwerken diskutiert. Sexismus-Vorwürfe auf der einen Seite, Verharmlosung auf der anderen. Klare Worte findet Ilse Preisinger-Sontag, Kreisvorsitzende der Frauen-Union im Landkreis Mühldorf: „Mir wäre ein knackiger Männerhintern lieber gewesen“, kommentiert sie die Plakatierungs-Affäre in Mettenheim. Sie könne nur für sich sprechen, wenn sie sagt, dass sie die Sexismus-Debatte, die durch die Aktion aufgekommen ist, für „völlig überzogen“ hält. Dieses Meinungsbild spiegle sich auch in ihren Chatgruppen, denen Mitglieder der Frauen-Union angehörten. „Dort wird dieses Plakat für überhaupt nicht schlimm oder gar sexistisch gehalten!“

Preisinger-Sontag: Text nicht so ideal

Dass die Nachwuchs-CSU in Mettenheim die Plakate nun beseitigt habe, sei dennoch eine nachvollziehbare Reaktion, wenn denn die Angriffe tatsächlich zuviel geworden sein sollten. Dabei sei es im Wahlkampf durchaus üblich, auch mit provokanten Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. „Das Bild an sich ist okay“, findet Preisinger-Sontag, die nichts Anstößiges erkenne. Lediglich den Begleittext „Jetzt pack ma‘s an!“ bezeichnet sie als „nicht so ideal“.

Klar hinter den JU-Ortsverband stellt sich auch dessen Kreisvorsitzender Thomas Perzl: „Als JU-Kreisvorsitzender stehe ich zu 100 Prozent hinter der JU Mettenheim!“

Kreisvorsitzender zu 100 Prozent hinter JU

Das Plakat mag nicht jedem gefallen, „aber diese aktiven Jungpolitiker gleich mit der Sexismuskeule niederzuknüppeln ist falsch und Blödsinn!“, stellt der junge Politiker fest. Die Diskussionen darüber hält er für weit überzogen. „Ehrlich gesagt bin ich in Sorge, dass wir uns mittlerweile in einer Zeit befinden, in der gleich mit Worten auf die Leute eingeprügelt wird, wie es in diesem Fall nun passiert ist!“ Keiner der JU-Mitglieder sei ein Sexist, stellt sich Perzl hinter die Mettenheimer, die diese Aktion initiiert hätten, weil sie eine witzige Botschaft senden wollten. „Es sind ja auch keine Politik-Profis“, verteidigt Perzl die zugegeben provokante Aktion. „Wenn wir keine anderen Probleme haben, dann geht es uns tierisch gut!“

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Wenn nun aber eine ernsthafte Sexismus-Debatte geführt werden sollte, so Perzl weiter, dann doch bitteschön an der Stelle, wo sie nötig ist, etwa bei sexuellen Übergriffen. Vor allem regt es Perzl auf, wenn in diesem Fall unreflektierte und undifferenzierte Meinungsäußerungen die Runde machen. Beispiel gefällig? Etwa der Vorwurf, dass die JU grundsätzlich ein Problem mit Frauen habe, weil nur eine Kandidatin auf der Liste der Mettenheimer JUkandidiere: „Ich war selbst auf der Veranstaltung, die auch viele Frauen besucht hatten. Diese wurden auch angesprochen zu kandidieren, sie hatten nur schlichtweg keine Lust dazu.“

Die Aktion in ein negatives Licht zu rücken, als Ergebnis eines reinen Schwarz-Weiß-Denkens, das bedauernswerter Weise in der Gesellschaft immer mehr verankert sei, verbunden mit schlechten Umgangsformen, hält Perzl für bedenklich. Er jedenfalls hätte die Plakate hängen lassen, betont der JU-Kreisvorsitzende.

Das hätte auch Daniel Artmann, Bezirksvorsitzender der Jungen Union aus Rosenheim. Grundsätzlich rät er, in der heutigen Zeit mit solchen Themen sensibler umzugehen. Doch hält er es für übertrieben, „jetzt die Moralkeule zu schwingen und sich als Sittenpolizei aufzuspielen“. Auf dem Bild seien es die Hände der Person selbst, die sich an den Hintern fasse. Wenn man sich über dieses Bild aufrege und dies mit Sexismus begründe, „dann müsste man so manche Werbung im Fernsehen ebenfalls verbieten“.

Spruch „politisch nicht ganz korrekt“

Sicherlich sei der Begleitspruch heutzutage „nicht ganz politisch korrekt“, den Sexismus-Vorwurf hingegen hält Artmann für „verwerflich und unhaltbar“. Die JU dürfe auch mal provozieren, das gestehe auch er jungen an Politik Interessierten durchaus zu. Zumal es in der Vergangenheit auch andere Parteien gegeben habe, ausgerechnet die Grünen, so Artmann, die mit ähnlichen Bildern provoziert hätten. Man hätte die Plakate durchaus hängen lassen können. „Ich hätte keinen Rückzieher gemacht. Wenn, dann muss man dazu stehen, da sollte man dann schon auch ehrlich bleiben!“

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Letztendlich hätten die Medien das Thema hochstilisiert, ist Artmann überzeugt. Dass die JU mit dem Plakat nicht Anrüchiges oder Schlimmes verbrochen habe, macht Artmann übrigens an den Reaktionen im Internet fest: „85 Prozent der Kommentare sind für die Junge Union!“

Eine Aussage, die auch das Abstimmungsverhältnis auf unserem Internetportal ovb-online.de widerspiegelt. Von knapp 300 abgegebenen Stimmen waren rund 13 Prozent der Leser der Meinung, dass es sich um Sexismus handele. Etwa 80 Prozent fanden das Plakat jedoch nicht schlimm. Und cirka 7 Prozent war es schlichtweg egal (Stand: Freitag, 13 Uhr).

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