Eine Predigtkirche in Schwabing

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Blickpunkt der Leopoldstraße: die evangelisch-lutherische Erlöserkirche in München, umgeben von Frühlingsbäumen. ms

Unsere Schönsten Kirchen . An der Nordseite der Münchner Freiheit erhebt sich die evangelisch-lutherische Erlöserkirche.

Sie ist als Blickpunkt der Leopoldstraße konzipiert, die am Siegestor als Verlängerung der Ludwigstraße beginnt und als Boulevard Schwabings schnurgerade zur Münchner Freiheit führt. Das Gotteshaus ist die älteste evangelische Pfarrkirche Schwabings und die sechste evangelische Kirche Münchens.

Jahrhundertelang durfte im streng katholischen München kein evangelischer Gottesdienst gefeiert werden. Als der nachmalige König Max I. Joseph 1799 die lutherische Prinzessin Karoline von Baden heiratete, sicherte er ihr die Ausübung ihres Glaubens zu. Ihr Hofprediger Ludwig Friedrich Schmidt wurde der erste in Altbayern zugelassene evangelische Geistliche. Durch die Gebietserweiterungen in der napoleonischen Ära kamen zahlreiche Protestanten zum Königreich Bayern. 1833 erfolgte die Einweihung der ersten neu erbauten protestantischen Kirche in München, St. Matthäus. Architekt der 1900/01 erbauten Erlöserkirche ist der Schweinfurter Theodor Fischer.

Er entwarf auch die Ausstattung, die vom Jugendstil geprägt ist. In ihren verhältnismäßig bescheidenen Dimensionen wirkt die malerische, asymmetrische Baugruppe mit ihrem 35 Meter hohen Sattelturm wie eine in Jahrhunderten gewachsene Dorfkirche. Die Gemeinde wollte mit dem Bauwerk nicht auftrumpfen, sondern ihre Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat kund tun. Fischer sagte, die Erlöserkirche möchte „ein Stück Heimatkunst, eine echt bayerische Kirche“ sein, die zeigt, dass „unser evangelischer Glaube in diesem Lande Boden gefasst und Wurzeln geschlagen hat“. 1910 gab es im Pfarrbezirk 6766 Protestanten (das waren 18,5 Prozent der Schwabinger Gesamtbevölkerung).

Das als Predigtkirche konzipierte, weite, behäbig wirkende Innere wird von einer flachen Holzdecke mit Jugendstilornamenten gedeckt. Das Mittelschiff umschließen an drei Seiten zweigeschossige Rundpfeilerarkaden mit Emporen. Im Zentrum der Kirche steht der schlichte Altartisch aus Veroneser Marmor. An der kaum erhöhten Kanzel ist als Christussymbol ein Pelikan dargestellt, der seine Jungen mit seinem Blut nährt.

Das von Prinzregent Luitpold gestiftete, farbenprächtige Jugendstilgemälde in der Apsis stammt von Linda Kögel, sicher eine der ersten Malerinnen, die zur Ausstattung einer bayerischen Kirche beitrug. Es zeigt Christus im Kreise von Engeln, der seine Arme segnend über seine Gemeinde breitet. In der figurenreichen unteren Zone sieht man Stationen eines Christenlebens, darunter Taufe, Konfirmation, Trauung, Dienst am Nächsten, beschaulichen Lebensabend und Tod. Dabei portraitierte die Malerin damalige Gemeindemitglieder und sich selbst. Wilfried Rogasch

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