Schwarzfahrer oder nicht? Bahn zeigt sich gegenüber Schwindegger nun doch kulant

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Geschenkt:Ein Tagesfahrschein, weil er so ein guter Kunde ist. Trotzdem wurde Turgay Karademir zum Schwarzfahrer, den am Bahnhof die Polizei erwartete. Honervogt
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Einem EDV-Fachmann aus Schwindegg wird eine fehlende Unterschrift zum Verhängnis, als er mit dem Zug nach Hause fährt. Jetzt soll er 75,60 Euro Strafe zahlen. Deshalb hat er sich an die Bahn gewandt. Die blieb erst hart und lenkte dann doch noch ein.

Update vom 17. Januar: Bahn doch kulant

"Ihre Fahrkarte war für diese Fahrt doch gültig." Diese Mitteilung bekam Turgay Karademir dieser Tage von der Bahn mit einer Bitte um Entschuldigung. Zuerst war das Unternehmen gegenüber dem Stamm-Fahrgast hart geblieben und hatte aufgrund einer fehlenden Unterschrift auf einem Ticket darauf gepocht, dass Karademir schwarz gefahren sei. Nun kam doch die Kehrtwende.

Der ursprüngliche Artikel zum Fall

Mühldorf/Schwindegg – Diese Bahnfahrt hatte sich Turgay Karademir ganz anders vorgestellt, als er am 1. Dezember den Zug in Freilassing besteigt, um nach Hause zu fahren. Ausgestattet ist er mit einer Tageskarte, die ihm die Südostbayernbahn geschenkt hatte. Am Ende landet er bei der Polizei.

Ein Dauerkartenbesitzer als Schwarzfahrer

Karademir fährt sehr häufig mit der Bahn. Fast täglich bringt sie ihn mit seiner Jahreskarte von Schwindegg nach München, wo er als EDV-Fachmann bei der Stadtverwaltung arbeitet. Auch als Basketballschiedsrichter nutzt er meist den Zug, so auch an jenem 1. Dezember, als er ein Spiel in Freilassing gepfiffen hat. Die Fahrkarte ist ein Ticket, das ihm die Südostbayernbahn kurz vorher geschenkt hat. Als Dank an einen langjährigen Kunden.

Nach kurzer Fahrtstrecke kontrolliert die Zugbegleiterin der SOB die Fahrkarte und identifiziert ihn als Schwarzfahrer. Denn Karadmir hat vergessen, seinen Namen auf dem Fahrschein einzutragen.

Beim Streit wird es im Wagen ganz still.

Es kommt zum Streit. Die Zugbegleiterin akzeptiert die nachträgliche Unterschrift nicht, will Karademirs Ausweis sehen. Er weigert sich und will stattdessen wissen, wie die Zugbegleiterin heißt. Diese Frage beantwortet sie nicht, sondern droht mit der Polizei. „Dann war der Zug ganz still“, beschreibt Karademir die angespannte Situation im Waggon.

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Als Turgay in Mühldorf aussteigt, erwartet ihn die Polizei. Zwei Beamten nehmen die Personalien des Schwindeggers auf und fotografieren die Fahrkarte. Die Zubegleiterin stellt die Fahrpreisnacherhebung mit der Nummer 4019553516744 aus, sie beläuft sich auf 75,60 Euro. Denn der Fahrschein, das steht auf dem Ticket, ist nur mit Unterschrift und der Angabe des Nutzungstages gültig. Das betont die Bahn auch in einer offiziellen Stellungnahme.

Die Bahn schreibt: „Ohne Herrn Karademir eine Missbrauchsabsicht unterstellen zu wollen, bestände sonst die Möglichkeit, bei einer Nichtkontrolle durch einen Zugbegleiter ein Südostbayern-Ticket für mehrere Fahrten zu benutzen.“ Das bedeutet: Am 1. Dezember war Turgay Karademir nicht im Besitz eines gültigen Fahrscheins. „Unsere Zugbegleiterin stellte zu Recht eine Fahrpreisnacherhebung aus“, schreibt der Bahnsprecher.

Bahn droht schärfere Kontrollen an

Karademirs Hoffnung, mit einer Beschwerde bei der Südostbayernbahn die Strafe erlassen zu bekommen, scheitert: „Im Sinne einer Gleichbehandlung aller Kunden kann die SOB dem Wunsch von Herrn Karademir nicht entsprechen, die Fahrpreisnacherhebung zurückzuziehen“, schreibt der Bahnsprecher.

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Und genau da liegt das Problem, denn eine Gleichbehandlung gibt es nicht, sagt nicht nur Karademir. Immer wieder kommt es in Zügen vor, dass Fahrgäste versäumen, ihre Fahrscheine zu unterschreiben. Meist bieten Zugbegleiter einen Kugelschreiber an, damit ist das Problem gelöst.

Karademir berichtet auch von einem Fall der vergangenen Tage, in denen ein Fahrgast seine Dauerkarte vergessen habe und mit einer freundlich, witzigen Ermahnung durch den Zugbegleiter davon gekommen sei.

Zugbegleiter ohne Fingerspitzengefühl

Für alle Fahrgäste, die wie Karademir auf solches Verhalten der Bahnkontrolleure hoffen, hat der Bahnsprecher eine ganz klare Botschaft: Im Oktober habe es verstärkt Kontrollen in allen bayerischen Bahnen gegeben, bei denen es vor allem um das Ausfüllen von Bayern-Tickets und anderen Regio-Tickets mit Geltungstag und den Namen aller Mitreisenden gegangen sei. „Denn bewusster und unbewusster Missbrauch von Pauschalpreistickets führen zu Einnahmeverlusten bei den Bahnen und gehen zu Lasten der ehrlichen Fahrgäste“, schreibt der Bahnsprecher.

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Damit will sich Karademir nicht abfinden. „In Zukunft wünsche ich mir von Ihren Zugbegleitern ein besseres Benehmen und bessere Menschenkenntnisse.“ Bezahlt hat er noch nicht. Er hat sich zunächst einmal an die nächst höhere Instanz der Bahn gewandt.

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