Eine Kündigung mit Folgen

Beim Bayerischen Roten Kreuz gibt es bislang zwei Geschäftsführer. Einer wirft jetzt hin – und der Präsident denkt darüber nach, die Doppelspitze abzuschaffen.

BRK

Beim Bayerischen Roten Kreuz gibt es bislang zwei Geschäftsführer. Einer wirft jetzt hin – und der Präsident denkt darüber nach, die Doppelspitze abzuschaffen.

Von Carina Lechner

München – Als die Nachricht raus ist, wirkt Dieter Deinert erleichtert: „Wissen Sie, ich habe elf Jahre Rettungsdienst auf dem Buckel“, ruft er ins Telefon. „Das ist sehr anstrengend.“ Dann lacht er. Dieter Deinert, 50, arbeitet seit 2003 für das Bayerische Rote Kreuz (BRK), seit fast vier Jahren als einer von zwei Landesgeschäftsführern. Jetzt hat er seine Kündigung eingereicht – damit löst er wohl eine Umstrukturierung aus, die der Spitze ganz recht ist.

Der Zeitpunkt der Kündigung ist überraschend: Erst vor kurzem hat Noch-Sparkassen-Chef Theo Zellner das Ehrenamt des Präsidenten übernommen. Schon jetzt die erste große Personalie – oder gar das erste Zerwürfnis an der Spitze des riesigen Verbands? Nein, an Zellner liegt es nicht. Beobachter beschreiben das Verhältnis zwischen ihm und Deinert als gut. Geknirscht hat es aber doch ab und zu in der Landesgeschäftsstelle, und manchmal krachte es auch gescheit – und zwar zwischen Deinert und dem anderen gleichberechtigten Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk, der für Pflege zuständig ist. Zwei Häuptlinge, zwei Aufgabenfelder – am Ende ein Konsens? Nicht immer einfach.

Zudem stehen die beiden jeweils für einen unterschiedlichen Führungsstil: Stärk, Ex-Telekom-Manager, sucht die Nähe zur Basis und zu den Ehrenamtlichen, ist viel unterwegs. Deinert, der als Kaufmann und Controller für die Schörghuber-Gruppe und Paulaner gearbeitet hatte, drängte in Richtung Professionalisierung. Die im Verband oft komplizierte, weil basisdemokratische Entscheidungsfindung war ihm zu zäh. Das gibt er im Gespräch mit unserer Zeitung zu: „Ich bin über die Jahre deutlich diskussionsfähiger geworden“, sagt er, der Ton ist leicht ironisch. Über das Klima zwischen ihm und Stärk sagt er: „Das war wie in einer guten Ehe: Wir hatten Höhen und Tiefen.“ Auch Stärk gibt die eine oder andere Auseinandersetzung zu, sagt aber auch: „Das haben wir ausgeräumt.“

Was das Aufgabengebiet angeht, hatte es Deinert, der in Olching wohnt, nicht gerade leicht. Rettungsdienst und Finanzen: „Ein undankbarer Job“, heißt es. Verhandlungen mit den Kassen über Kostenerstattung sind langwierig, fast jeder Abschluss landet vor Gericht – solange fehlt den Kreisverbänden draußen das Geld. Auch die Einführung des Digitalfunks zehrte an Deinerts Nerven: Das BRK musste eine Ausschreibung starten, obwohl es nur zwei geeignete Anbieter gibt. Dann zog der, der den Zuschlag nicht bekam, vor Gericht – und alles stockt. Das nervt Deinert: „Solche Dinge werden einem aus der Hand genommen und man kann nichts dagegen tun“, klagt er.

Jetzt also sein Abschied zum 1. Juli. Deinert will sich beruflich verändern: „Ich gehe als Geschäftsführer zu einem klassischen Mittelständler“, sagt er. Er habe Theo Zellner im Februar in einem persönlichen Gespräch eingeweiht. Der sagt auf Anfrage, er habe versucht, Deinert etwas länger zu halten, bis Zellner sich eingearbeitet hat. Vergebens. Das Präsidium wurde am Donnerstag offiziell auf einer Sitzung informiert, der Landesvorstand am Freitag per Mail.

Offiziell verlässt Deinert das BRK in allen Ehren: Dieser habe den Rettungsdienst „nachhaltig und erfolgreich geprägt“, teilt Zellner gestern mit, man sei ihm zu großem Dank verpflichtet. Doch der Abschied wird genutzt für eine strukturelle Verschlankung. Zellner kündigte im Gespräch mit unserer Zeitung an, er wolle dem Landesvorstand vorschlagen, künftig nicht mehr mit einer Doppelspitze zu arbeiten. Zellner: „Einer muss das letzte Wort haben.“ Das hat künftig wohl Leonhard Stärk.

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