Einbrecher werden immer dreister

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Heimlich, still und leise? Von wegen. Einbrecher wenden immer dreistere Methoden an, um an ihre Beute zu kommen. Manche warten nicht mal mehr, bis die Opfer ihre Wohnungen verlassen haben. Ein Lage- bericht.

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Heimlich, still und leise? Von wegen. Einbrecher wenden immer dreistere Methoden an, um an ihre Beute zu kommen. Manche warten nicht mal mehr, bis die Opfer ihre Wohnungen verlassen haben. Ein Lage- bericht.

von marcus mäckler

München – Sie öffnet die Terrassentüre, um ihre Katze aus der Wohnung zu lassen; lässt sie dann offen, schließlich ist es erst 13.30 Uhr. Kurz darauf stehen drei Frauen vor ihr, einfach so. Eine hält die Rentnerin in Schach, versucht dabei, ihr einen Ring vom Finger zu ziehen. Die anderen beiden durchsuchen die Wohnung der 84-Jährigen. Alles geht schnell, zu schnell. Kurz darauf sind die Frauen verschwunden. Die Beute ist gering, ein bisschen Schmuck – der Schock der Rentnerin umso größer.

Es ist fast beispielhaft, was sich am vergangenen Dienstag in einem Reihenhaus in Altötting zugetragen hat. Zumindest was das Vorgehen der Einbrecher betrifft: Ein Einbruch vor den Augen des Opfers. „Die Täter sind dreister geworden“, sagt Andreas Guske, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Viele nehmen ein höheres Risiko in Kauf, erwischt zu werden.“ Was zählt, ist die schnelle Beute.

Die Beispiele häufen sich. Auch der jüngste Fall aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Kreis München zählt dazu, bei dem die Täter am Montag bei einem Ehepaar klingelten, sich als Polizisten ausgaben, das Paar fesselten und erpressten (wir berichteten). In anderen Fällen ertappten die Bewohner Einbrecher auf frischer Tat, verjagten sie – trotzdem setzten die Täter ihren Beutezug andernorts unbeeindruckt fort.

Die meisten Einbrüche, sagt Guske, passierten zwar noch immer in der Dämmerung und in Abwesenheit der Bewohner – Klassiker. Zunehmend seien aber dreiste „Halbprofis“ am Werk, die sich teils sogar „recht dumm verhalten“. Ein Sonderfall ist das Beispiel Rottach-Egern (Kreis Miesbach). Beim Raubüberfall auf ein Rentner-Ehepaar Anfang Januar geht die Polizei von echten Profis aus. Dass sie das Paar stundenlang gefesselt hielten und schlugen, passt aber ins Muster von Risikobereitschaft und Hemmungslosigkeit.

So oder so – die Einbruchszahlen steigen. Das Polizeipräsidium Süd zählte bis Oktober 2013 genau 380 – 21,4 Prozent mehr als im Vorjahres-Zeitraum. Mancherorts ist die Zahl noch größer. In Grünwald und Pullach (beide Kreis München) etwa hat sie sich 2013 mit knapp 70 Fällen verdoppelt. Im Kreis Ebersberg sind die Polizeiberichte seit Monaten mit Einbruchsfällen gespickt: Diese Woche sind es schon zwei, darunter einer der Fälle, die die Polizei vor Ort seit Oktober beobachtet: In der Nacht zum Dienstag stiehlt ein Unbekannter Schmuck und Geld aus einer Villa in Staudham – und zwar während die Bewohner schlafen.

Den Tätern auf die Schliche zu kommen, ist schwer – zumal vermehrt Banden aus Osteuropa unterwegs sind, die über die Grenze kommen, auf Raubzug gehen und wieder verschwinden. Die Aufklärungsquote ist entsprechend miserabel. „Da können wir froh sein, wenn wir in bestimmten Bereichen auf zehn Prozent kommen“, sagt Guskes Kollege Hans-Peter Kammerer aus dem Präsidium Oberbayern Nord.

Wachsamkeit ist das oberste Gebot: In Poing (Kreis Ebersberg) etwa haben Passanten Unbekannte angesprochen, die fremde Häuser fotografierten. Möglicherweise Kundschafter, die wegen der aufmerksamen Passanten türmten. „Wir brauchen die Hilfe der Bevölkerung“, sagt Guske. Nur von einem rät er ab: sich selbst in Gefahr zu bringen. Wer einem Einbrecher gegenüber stehe, solle sich Details einprägen und die 110 wählen. Verfolgen ist die schlechteste Option.

Die Frauen, die die Rentnerin in Altötting überraschten, konnten übrigens geschnappt werden. Per Großfahndung stieß die Polizei auf die 19, 22 und 39 Jahre alten Rumäninnen und ihre beiden männlichen Komplizen (28 und 45). Das Diebesgut befand sich im Auto. In diesem Fall hat sich die Dreistigkeit dann doch nicht ausgezahlt.

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