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Mysteriöser Fund in dreieinhalb Metern Tiefe

Ein Wrack mit „dunkler Geschichte“? Das Rätsel um den Audi aus dem Stausee

Audi 100 Coupé S Baujahr 1973 Vohenstraußer Polizei
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Verschlammt und verrostet: So sieht der Audi 100 Coupé S Baujahr 1973 jetzt aus. Er steht im Innenhof der Vohenstraußer Polizei.
  • Carina Zimniok
    VonCarina Zimniok
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Die Polizei in Vohenstrauß steht vor einem Rätsel: In einem Stausee wurde in dreieinhalb Metern Tiefe ein Audi Coupé aus dem Baujahr 1973 entdeckt. Ermittler untersuchen nun, ob das Auto in Verbindung mit einem Kapitalverbrechen stehen könnte.

Vohenstrauß – Tobias Wirth, Vize-Polizeichef im Oberpfälzer Städtchen Vohenstrauß, musste schon viele verzwickte Fälle lösen, sagt er. Aber die Sache mit dem gelben Audi 100 Coupé S Baujahr 1973 fuchst ihn besonders. „Einen derart kniffeligen Fall hatte ich noch nicht“, sagt Wirth.

Im Sommer tauchte das Auto zufällig auf, als ein Stausee in der Region mit einem Sonargerät abgesucht wurde. Es lag in dreieinhalb Metern Tiefe. Seither versucht die Polizei, das Geheimnis des mysteriösen Autos zu lüften. War es sogar in einen Mord verwickelt? Wirth hält eine „dunkle Geschichte“ für denkbar.

Seit Mitte September fahndet die Polizei öffentlich. Das Wrack, das nach mehr als 40 Jahren im Wasser verrostet und verschlammt ist, steht im Innenhof der Polizeiinspektion. Viele Autoexperten haben vorbeigeschaut und inzwischen wissen die Beamten vieles über den Audi. Es handelt sich um ein Face-Lift-Modell mit 4-Gang-Schaltgetriebe und schwarzer Innenausstattung. Im Oktober 1973 wurde es durch die Audi NSU Auto Union AG an das Autohaus Ost GmbH in Abensberg ausgeliefert. Die Gewerbeabmeldung erfolgte zum 31. August 1977.

Wer war der Käufer?

Doch wer war der Käufer? „Es gibt leider keine Unterlagen mehr“, sagt Wirth. Die Zulassungsstelle bewahrt die Daten nicht so lange auf. Und das Autohaus wurde längst von einem anderen Unternehmen übernommen. Dort gibt es auch keine Mitarbeiter mehr von damals, die sich erinnern könnten.

So sah das Auto mal aus: Die Farbe heißt Coronagelb. Auffällig sind auch die Rallye-Streifen an der Seite.

Dabei ist das 115-PS-Auto auf jeden Fall etwas Besonderes. „Von diesem Fahrzeug wurden etwa 6000 Stück produziert“, sagt Wirth. Preis: rund 14.000 DM. Die Farbe „Coronagelb“ gab es nur gegen Aufpreis. An den Heckkotflügeln waren Schmutzfänger angebracht. Die Antenne auf dem linken Kotflügel ist keine Serienausstattung, sondern ein Original-Zubehör von Audi, das nachträglich eingebaut wurde. An beiden Seiten wurden schwarze Rallyestreifen aufgeklebt. Der TÜV-Stempel und die Zulassungsplakette datieren auf Januar 1980. Und sogar ein Kennzeichen gibt es. SAD-AD 843. Ob das Schwandorfer Kennzeichen zu dem Auto gehört, ist unklar, sagt Tobias Wirth.

Cold-Case-Ermittler sind eingeschaltet

Fest steht, dass das Auto mehrfach repariert wurde. Die Windschutzscheibe wurde ausgetauscht, an mehreren Stellen wurde wohl lackiert, der Ersatzreifen im Kofferraum passt nicht zum Auto. Und der Tacho wurde ausgebaut, bevor der Audi im Stausee versenkt wurde. Oder landete das Auto durch einen Unfall im Wasser? In den nächsten Tagen wollen sich Experten den Innenraum genau vornehmen. „Solange das Wetter noch gut ist“, sagt Wirth. Er glaubt nicht, dass DNA, Blut oder gar Leichenteile gefunden werden. Aber es könnte schon sein, dass der Audi etwas mit einem Kapitalverbrechen zu tun hat. Deshalb sind auch schon sogenannte Cold-Case-Ermittler eingeschaltet.

Einer der Fälle, die vielleicht infrage kommen, ist der von Monika Frischholz. Die Zwölfjährige aus Flossenbürg – einem Ort ganz in der Nähe – ist seit 25. Mai 1976 verschwunden. Eine Zeugin hatte damals ausgesagt, sie habe das Mädchen in einen zitronengelben Opel Kadett in Coupé-Form einsteigen sehen. Das Audi Coupé hat eine ähnliche Form, könnte also leicht verwechselt worden sein. Und auch im ungelösten Mordfall Christa Mirthes war laut Zeugen ein gelber Audi im Spiel: Die 15-Jährige wurde 1978 in einem Brunnenschacht in Schwandorf gefunden, grausam ermordet. Die Polizei prüft einen Hinweis auf einen Vertreter aus Norddeutschland.

Sobald die Ermittler einen Hinweis auf ein Kapitalverbrechen finden, geht der Fall an die Kripo. Tobias Wirth sagt: „Wir geben nicht auf, bis einer kommt und sagt, ich weiß, wem das Auto gehört hat.“

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