DIE URSACHE DES UNGLÜCKS AUF DEM GLETSCHER WILDGERLOSKEES SCHEINT FESTZUSTEHEN

„Ein klassischer Mitreiß-Unfall“

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Von der Zittauer Hütte (auf der Grafik oben eingezeichnet) machte sich die Gruppe auf der rot markierten Route auf den Weg Richtung Süden. Ihr Ziel war der Gabler. Doch schon am Rand des Gletschers geschah das Unglück.

München/Krimml – Am Tag nach dem Unglück beginnt die Ursachenanalyse.

Experten sind sich weitgehend einig, dass den Bergsteigern eine Art tragischer Mitnahmeeffekt in der angeseilten Gruppe zum Verhängnis geworden ist. „Wir gehen davon aus, dass es ein klassischer Mitreiß-Unfall war“, sagt Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein. Einer der Bergsteiger sei in dem steilen Gelände wohl ausgerutscht und habe, da die ganze Gruppe als Seilschaft verbunden war, die anderen mitgerissen.

Begonnen hatte die Tragödie am Sonntagmorgen: Die sechs Bergsteiger hatten in der Zittauer Hütte übernachtet und waren dann zu einer Hochtour aufgebrochen. Ziel war der 3263 Meter hohe Gabler. Sie waren schon einige Zeit unterwegs und etwa eineinhalb Kilometer von der Hütte entfernt, als gegen 10 Uhr wohl Zweifel an der Durchführbarkeit der Tour aufkamen. Nach Aussage eines Bergführers, der in einer zweiten Seilschaft etwa 30 bis 50 Meter hinter den Bayern ging, wollte die Gruppe auf etwa 3000 Metern Höhe auf dem Gletscher Wildgerloskees umdrehen. Offenbar war den Bergsteigern spätestens an diesem 40 Grad steilen Gelände bewusst geworden, dass sie sich auf ein riskantes Unternehmen eingelassen hatten.

Das Eis war schneefrei, blank und daher äußerst rutschig. Als die Gruppe umdrehen wollte, dürfte der Zweite in der Seilschaft den Halt verloren haben. Gemeinsam mit den anderen Seilpartnern, so schildern es Augenzeugen, rutschten sie etwa 200 Meter über das Eis und dann in eine Randspalte des Gletschers.

Ein Mitreiß-Unfall sei leider ein bekannter Unfallmechanismus, erklärt der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Berg- und Skiführer, Chris Semmel. Bei Gletschertouren müssten sich Bergsteiger gewissenhaft ausrüsten, beispielsweise mit Helm, Seil, Eispickel und Steigeisen mit Frontalzacken an den Bergschuhen tragen. Dann gelte es, die Gefahren abzuwägen: Die größte Gefahr ist die eines Spaltensturzes. Dies kann in der Gruppe durch Bildung einer Seilschaft vermindert werden. Dann könne ein Bergsteiger, der stürzt, durch die anderen gehalten werden – aber nur, wenn das Seil stets gespannt ist, was mitunter schwierig sein kann. Eine Seilschaft ist nur dann sinnvoll, wenn der Ferner schneebedeckt ist und die Spalten nicht zu sehen sind.

Auf einem schneefreien Gletscher ist die Spaltensturzgefahr hingegen nicht groß, sodass eine Seilschaft kontraproduktiv sein kann. Alternativ könnten sich die Bergsteiger einzeln anseilen und mit Eisschrauben sichern. „Das kann aber nur durch die Gruppe vor Ort entschieden werden“, betont Andrea Händel vom Alpenverein. „Rutscht ein Bergsteiger auf blankem Eis aus, nimmt er so schnell Fahrt auf, dass er sich unter Umständen selbst nicht mehr bremsen kann“, erklärt der Alpenverein. „Auch die restlichen Mitglieder der Seilschaft können dessen Sturz kaum noch halten und werden in der Folge mitgerissen“ – so wie es am Sonntag der Fall war.

Eine Altersgrenze für Hochtouren gibt es übrigens nicht. Händel sagt: „So lange ein Bergsportler sich fit und trittsicher fühlt, können die Touren in jedem Alter durchgeführt werden.“ dirk walter

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