„Ein grässlicher Bahnhof“

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Der Bahnhof Starnberg ist kein schöner Anblick – und das seit Jahren. Fahrgäste klagen über den fehlenden Aufzug, das kaputte Dach und Dreck.

Ärger am Starnberger See

Starnberg – Für Werner Gschwendtner ist der Fall klar: „Ein Bahnhof in einem solchen Zustand passt einfach nicht zum Bild von Starnberg.“ Die Menschen würden mit der Stadt den Starnberger See, Millionäre und König Ludwig verbinden – und eben keine Baugerüste und Graffitis. Seit drei Jahrzehnten betreibt der Mann Mitte 60 nun schon einen Kiosk an der Bahnstation, zuletzt direkt an der Seepromenade. Seit mehreren Jahren höre er immer öfter, wie Besucher beim Verlassen der Unterführung sagten, so einen „grässlichen Bahnhof“ hätten sie noch nie gesehen.

Schon von weitem fällt der Blick auf Metallgerüste – dort, wo an vielen anderen größeren Stationen mehr oder weniger schicke Dächer die Bahnsteige zieren und vor allem die Fahrgäste vor Regen schützen, fehlt in Starnberg beinahe durchgängig die Abdeckung. Die Pfeiler rosten mitunter vor sich hin. Wer sich an diesem Sonntag bei strahlendem Sonnenschein umhört, wie Ausflügler, Touristen und Einheimische den Zustand des Bahnhofs beurteilen, hört kaum ein gutes Wort. Der 23-jährige Lukas, der auf einer Bank unweit eines riesigen Spinnenetzes sitzt, sagt: „Mir ist gleich bei der Ankunft aufgefallen, wie hässlich der Bahnhof ist“, sagt der Student. Der Ausblick auf den See sei jedoch „unbezahlbar“. Man könne deshalb so viel aus dem Bahnhof machen, ist er überzeugt. Auch Matthias Döwer, der gerade einen Kinderwagen durch die Bahnunterführung schiebt, sagt, es müsse nun langsam etwas passieren. Seine Frau beklagt, dass es noch immer keinen Fahrstuhl gibt. Auch für Rentner stellt die fehlende Barrierefreiheit ein schwer überwindbares Hindernis dar. Eine alte Frau, die am historischen Bahnhofsteil vorbeiläuft, sagt gar, die Station sei „verkommen“. Mit ihrem Gehstock umzirkelt die Rentnerin eine Dose und etwas Müll, die neben einer Bank unweit eines historischen Türbogens liegen. Die Tür ist zum Teil mit Brettern verrammelt, daneben prangen zahlreiche Graffitis.

Doch wer ist Schuld an der Misere? In der Vergangenheit hatten die Bahn und die Stadt Starnberg die Verantwortung gerne beim jeweils anderen gesehen. Selbst bei Pro Bahn spricht man von einer „hochkomplexen Situation“. Einen eindeutigen Schuldigen gibt es nicht. „Doch klar ist: Die Bahnfahrenden stehen im Regen“, sagt Norbert Moy, Regionalvorsitzender des Fahrgastverbandes. Immerhin: Zuletzt kam Bewegung in die Sache. Die Stadt und die DB befinden sich aktuell in einer Mediation – es gab bereits mehrere Zusammenkünfte. Nach einem Treffen im April war von einer „konstruktiven und angenehmen Atmosphäre“ die Rede, auch Ende Juni kamen beide Seiten voran. Nicht nur Kiosk-Betreiber Gschwendtner hofft nun auf eine „baldige Lösung“.  till

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