Ehemann wäre fast innerlich verblutet

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Der Ehemann sollte innerlich verbluten: Mit Blutverdünnungsmitteln hat eine Krankenschwester in Niederbayern laut Anklage versucht, ihren Mann zu töten. Ihr Ziel: sein Erbe.

KRANKENSCHWESTER VOR GERICHT

Von André Jahnke

Landshut – Eine Krankenschwester aus Niederbayern soll aus Habgier versucht haben, ihren Ehemann mit Blutverdünner zu töten. Die 65-Jährige muss sich seit gestern wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Landshut verantworten. Sie machte zum Prozessauftakt nur Angaben zu ihrer Person. Erst in den folgenden Verhandlungstagen werde sie auch Angaben zum Tatvorwurf machen, sagte ihr Verteidiger.

Laut Anklage hatte die Krankenschwester nach der Heirat im Jahr 2013 ihrem Ehemann aus Altdorf (Landkreis Landshut) über einen längeren Zeitraum Blutverdünnungsmittel verabreicht, um ihn zu töten. Ein medizinischer Grund für die Verabreichung hatte nicht vorgelegen. Damit das Opfer keinen Verdacht schöpfte, habe die Frau ihr Verhalten ihm gegenüber nicht geändert und den Mann so in Sicherheit gewiegt.

Auf einer Urlaubsreise Anfang 2015 hatte das Opfer ungewöhnlich aus Mund und Nase geblutet. Nach der Rückkehr wurde der Mann mehrfach in einem Krankenhaus behandelt, die Ursache konnte aber nicht gefunden werden. Die Symptome wurden schlimmer: Der Ehemann litt sogar unter Schwindelanfällen und Sehstörungen. Im Juni 2015 stürzte er und erlitt eine starke, unaufhörlich blutende Platzwunde am Kopf. Er kam erneut ins Krankenhaus. Nun stellten die Ärzte eine lebensbedrohliche Konzentration eines Blutverdünnungsmittels fest und retteten ihn.

Sie habe die Kenntnisse über Medikamente bei ihrer Arbeit als Krankenschwester an einer Münchner Klinik erworben, sagte die Angeklagte. Dort habe sie auch die Wirkung und die Dosierung von Blutverdünnungsmitteln gelernt. Sie habe aber kein besonderes Interesse an Medikamenten gehabt. Zwar habe sie die sogenannte Rote Liste über Medikamente gehabt. „Die hat aber jeder, der sich im medizinischen Bereich auskennt.“ Zum Vorwurf, sie habe ihren Ehemann töten wollen, äußerte sie sich zunächst nicht.

In der Klinik hatte ihr 66 Jahre alter Ehemann angegeben, niemals ein blutverdünnendes Mittel genommen zu haben. Daher fiel der Verdacht auf die Ehefrau, die seit Jahren als Krankenschwester gearbeitet hatte. Das Motiv ist laut Anklage Habgier gewesen. „Um ihren bisherigen Lebensstil zu sichern, wollte sie an das Erbe des Ehemannes kommen“, hatte Staatsanwalt Thomas Rauscher gesagt.

Die Angeklagte sagte, dass sie sich selbst Anfang 2000 eine Drei-Zimmer-Wohnung in München kaufen konnte. Innerhalb weniger Jahre habe sie das Darlehen durch ihre Anstellung als Krankenschwester in der Klinik und eine Nebenbeschäftigung als ambulante Pflegkraft abbezahlen können. Sie habe zu der Zeit sehr sparsam gelebt. Als alles abbezahlt war, habe sie sich wieder mehr kulturelle Veranstaltungen und vier Reisen im Jahr leisten können. Erst Jahre später hatte sie ihren Ehemann kennengelernt. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Das Urteil wird im Dezember erwartet.

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