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Ehemann bittet nach Mord um Gnade

Ein Paar streitet über Banales. Am Ende ersticht der Familienvater brutal seine Frau. Nun bittet er das Gericht um Milde. Seine Frau habe zu hohe Ansprüche gehabt.

Familienvater vor Gericht

Ein Paar streitet über Banales. Am Ende ersticht der Familienvater brutal seine Frau. Nun bittet er das Gericht um Milde. Seine Frau habe zu hohe Ansprüche gehabt.

Von Andreas Thieme und Sabine Dobel

Haar – Sein Blick ist grimmig, der weiße Bart fein gestutzt. Im T-Shirt setzt sich Saheb M. auf die Anklagebank des Landgerichts. Er sitzt hier, weil er seine Frau zu Tode geprügelt und ihr die Kehle aufgeschlitzt haben soll. Vor dem Münchner Schwurgericht entschuldigte sich der aus dem Irak stammende 53-Jährige für die Tat und bat um Gnade. „Ich bitte das Gericht, mich von dem, was ich getan habe, zu befreien. Ich war nicht bei mir. Meine Kinder werden sich über meine Rückkehr freuen. Ich danke Ihnen.“

Saheb M. hatte seine 41-jährige Frau Aicha O. laut Anklageschrift am 7. Mai 2015 im Streit niedergeschlagen. Seit 13 Jahren war das Paar verheiratet. Sie hatten drei Kinder. Aber das spielte für Saheb M. an diesem Tag keine Rolle mehr. Mit den Füßen trat er in der gemeinsamen Wohnung in Haar (Landkreis München) auf seine Frau ein. Er trat ihr gegen den Kopf und mitten ins Gesicht. Laut Anklage insgesamt 19 Mal. Bis ihre Knochen zertrümmert waren und Aicha O. das Bewusstsein verloren hatte. Danach trennte er ihr mit tiefen Messerschnitten die Kehle durch. Nach der Tat rief er selbst den Rettungsdienst. Er habe seine Frau umgebracht, sagte er damals am Telefon.

Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus niederen Beweggründen aus. Daneben komme auch eine besondere Grausamkeit in Betracht und damit im Falle eines Schuldspruchs eine besondere Schwere der Schuld, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann. Für die Staatsanwaltschaft spielt auch eine Rolle, dass die Frau sich angeblich von ihrem Mann emanzipieren wollte. Saheb M. verfüge über ein Weltbild, in dem Frauen in ihrer Wertigkeit Männern unterlegen seien.

Der Auslöser der Bluttat war aber nichtig. Laut Anklage tadelte der 53-Jährige seine Frau, weil sie die zum Trocknen ausgelegte Hose des vierjährigen Sohnes nicht finden konnte. Danach ging es um die Erlaubnis zum Fernsehen für das Kind. Daran wiederum schloss sich ein Streit über die Erziehung des Buben und seiner beiden älteren Schwestern an.

Aicha O. soll ihrem Mann die Arbeitslosigkeit vorgehalten und ihn mit Schimpfworten beleidigt haben. „Du bist kein Mann“, soll sie gesagt haben. Davon habe er sich provozieren lassen. Seine Frau habe hohe Ansprüche gehabt, berichtete er. „Wenn man ihr heute den Mond schenkte, wollte sie morgen die Sonne“, sagte er. „Ich konnte ihre finanziellen Wünsche nicht erfüllen.“ Als sie plötzlich mit einem Küchenmesser in der Hand vor ihm stand, rastete Saheb M. aus. Vor Gericht sagte er jedoch, er habe Angst gehabt, als er sie mit dem Messer gesehen habe. Den Staatsanwalt konnte er nicht überzeugen. „Sie wollten Ihre Frau bestrafen“, sagte er.

Der vierjährige Sohn der Familie sah seine tote Mutter blutüberströmt im Flur liegen. Weinend gestand Saheb M. gestern die Tat und berichtete von jahrelangen Eheproblemen – auch, weil er laut Anklage eine Zweitfrau heiraten wollte. Nun droht ihm eine lebenslange Haft. Ein Urteil soll Ende April fallen.