Ehelicher Faschings-Disput

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Herbert Schneider

An dieser Stelle schreibt jeden Samstagunser Turmschreiber

Heimatkolumne

„Andere Leute haben ganze Schließkörbe voll Faschingsgwand“, grantelt der Alois an seine Frau, die Franziska, hin, „und was ham mir?“ Er beantwortet seine Frage gleich selber: „An nassen Staub! Ich glaub“, fährt er fort, „du gibst alle alten Klamotten absichtlich sofort zur Kleidersammlung, damit ich im Fasching lahmgelegt bin. Fürchtest du denn meine Umtriebe so sehr?“

„Früher schon, heut nicht mehr“, sagt Franziska. „Eher hab ich Angst, dass du dich bis auf die Knochen blamierst. Zum Beispiel, dass du nach einem Walzer vom Schwindel erfasst in einen Sektkübel fällst und beim Niederstürzen noch das Tischtuch mit Weingläsern und einer Weißwurstterrine vom Tisch reißt. Oder gar torkelnd mit dem Kopf im Schoß einer dicken Nudel landest und darauf von ihrem Mann aus dem Saal geohrfeigt wirst.“

„Eine Phantasie hast du zum Davonlaufen. In Wirklichkeit aber ist es bloß die Angst, dass ich an einer Ballsaal-Bar mit rassigen jungen Weibern Bruderschaft trinken könnte.“

„Ach, sei still“, meinte seine Frau. „Oder soll ich dich daran erinnern, wie ich in einem deiner Sakkos einmal eine Telefonnummer gefunden und darauf die betreffende Dame um eine Aussprache gebeten hab? Und wie sie dann gesagt hat, sie könne momentan nicht, weil sie nächste Woche in ein Altenheim umziehe.“

„Das war wahrscheinlich die Telefonnummer von der Garderobenfrau“, wiegelt Alois ab.

„So, und die trägst du in deinem Sakko spazieren?“

„Ich kann mich jedenfalls an nichts erinnern. Bloß an ein paar nette Bienen, die mich umschwärmten wie die Motten das Licht.“

„Wie ein paar müde Nachtfalter eine Petroleumfunzel, meinst du wohl.“

„Ich versteh ja deine Sorgen nur zu gut“, erklärt der Alois. „Ich schwebte damals tatsächlich in der Gefahr, am Morgen in einem fremden Bett zu erwachen. Mich schaudert’s, wenn ich daran denk, vor welchem Abgrund ich gestanden bin.“

„Viel hätt da kaum passieren können“, meint Franziska leichthin. „Die Sache wäre wohl ähnlich verlaufen wie bei dem Prokuristen, der geschäftlich mit seiner jungen Sekretärin unterwegs war und im Hotel nur noch ein Doppelzimmer bekommen hat.“

„Und was war da?“

„Wie beide in den Betten gelegen sind, hat er sie gefragt, ob er sie wie seine Sekretärin oder wie seine Ehefrau behandeln soll.“

„Und was hat sie darauf geantwortet?“

„Wie seine Ehefrau.“

„Und da sprichst du von keiner gefährlichen Situation?“, wundert sich der Alois.

„Wart nur“, meint seine Frau. „Nachdem sie gesagt hatte, wie seine Frau, hat er sich umgedreht und sofort zu schnarchen angefangen. Fällt dir dabei nichts ein?“

„Du verstehst es wirklich, jede Faschingsfreude in einem zu ersticken“, grantelt der Alois. „Was schnürst du da überhaupt für ein Paket zusammen?“

„Morgen ist wieder Kleidersammlung“, sagt Franziska. „Da hab ich halt ein paar Sachen, die bloß noch als blinde Passagiere im Schrank hängen, zusammengesucht.“

„Andere Frauen nadeln daraus Faschingskostüme für ihre Männer“, sagt Alois bitter. „Du aber treibst einen direkt in die Arme eines Kostümverleihers!“

„In denen du dich vermutlich noch komischer ausnehmen würdest wie in den Armen einer verschleierten Haremsdame“, beendet Franziska dieses düstere eheliche Faschings-Kapitel.

Maßgeschneidert

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