Echte Grabsteine im Freizeitpark

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Mit echten Grabsteinen wollte ein Freizeitpark-Betreiber den Gruselfaktor für ein Horrorhaus erhöhen. Nun steht er deswegen vor Gericht. foto: Hildenbrand/dpa

Viele Attraktionen in und vor Geisterbahnen sollen gruselig sein. In Unterfranken hat es der Betreiber eines Freizeitparkes mit dem Gruseleffekt ein bisschen zu gut gemeint. Er stellte echte Grabsteine auf. Dafür steht er nun vor Gericht.

Prozessauftakt

von Christiane Bosch

Kitzingen – Es ist eine gruselige Vorstellung: Man geht in einen Freizeitpark, um Spaß zu haben, und findet dort den echten Grabstein des eigenen Großvaters. Einem heute 14 Jahre alten Mädchen ist im vergangenen Sommer genau das passiert. Nun muss sich der Betreiber des Parkes deshalb vor Gericht verantworten. Mit den mindestens acht echten Grabsteinen, auf denen noch originale Inschriften zu lesen waren, habe er das Andenken Gestorbener verunglimpft, so der Vorwurf.

Die Grabsteine standen vor dem sogenannten Horrorhaus des Freizeitparkes in Unterfranken. Der Betreiber hatte sie zu Dekorationszwecken bei einem Steinmetz besorgt. Dabei hatte er der Anklage zufolge zugesichert, die Inschriften unkenntlich zu machen. Das war allerdings nicht geschehen. Die Inschriften waren noch zu erkennen.

Am ersten Prozesstag hatte das Mädchen vor Gericht den Tag im August 2017 geschildert. „Mir ist der Grabstein gleich ins Auge gefallen. Ich habe mich gewundert, warum er da steht“, sagte sie. Später sei sie aufgewühlt gewesen und habe weinen müssen. Das Mädchen war mit anderen Jugendlichen auf einer mehrtägigen Ministranten-Freizeit unterwegs. Ihre Großmutter hatte schließlich Anzeige erstattet. Sie hatte das Grab ihres 1996 gestorbenen Mannes kurz zuvor aufgelöst. Sie habe einen Steinmetz für die Entsorgung bezahlt. Dass der Grabstein mit originaler Inschrift am Ende in einem Freizeitpark landete, bezeichnete die Rentnerin als „riesengroße Schweinerei“. Mit einer anständigen, ehrlichen Entschuldigung aber hätten die Wogen ihrer Meinung nach geglättet werden können. Die habe sie allerdings nie bekommen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Beschuldigten vor, jegliche Grenzen des Anstands verletzt zu haben. Ihm sei es nur um die Vermarktung der Freizeitpark-Attraktion gegangen. Den Vorschlag des Verteidigers, das Verfahren wegen geringer Schuld gegen Zahlung von 5000 Euro einzustellen, lehnte der Staatsanwalt ab. Der Angeklagte habe kaum Einsicht gezeigt. Zudem stünden noch immer Grabsteine mit Inschrift vor dem Horrorhaus.

Der Betreiber entschuldigte sich vor Gericht bei der Familie. „Mir tut das sehr leid. Ich wollte niemandem wehtun“, sagte er. Der Prozess soll nun am 12. Oktober mit der Befragung des Steinmetzes und der Mutter des Mädchens fortgesetzt werden.

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