Echt wahr: Ab morgen ist Frühling

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Zapfig ist es derzeit in Bayern. Unsere Leserin Margarete Baader war mit ihrer Enkelin Lena (9) in der Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen unterwegs. Foto: Ignaz Baader/fkn

Bayern blickt auf einen milden Winter zurück. Was bei den aktuellen Zitter-Temperaturen seltsam klingt, ist die offizielle Jahreszeiten- Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Zum Schluss fiel aber noch ein Kälterekord.

Winter-Wetterbilanz

von Josef Ametsbichler

München – Auch wenn es sich zurzeit nicht so anfühlt, beginnt morgen der Frühling. Zumindest der meteorologische. Wetterfrösche sind da stur – von ein paar zweistelligen Minusgraden lassen sie sich nicht aus dem wohlgeordneten Jahreszeitentakt bringen. Um noch eins draufzusetzen, mutet die gestern veröffentlichte Winter-Schlussbilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) angesichts der aktuellen Kältewelle seltsam an: Der Winter ist mit dem heutigen Tage nicht nur vorbei, er war auch noch zu warm.

Wem bei diesem Fazit die Kinnlade runterklappt, sollte sie wieder hochklappen. Nicht, dass ihm die Zunge abfriert. Außerdem, das muss man zugeben, hat der DWD die Statistik auf seiner Seite: Mit 0,5 Grad Celsius lag die Winter-Durchschnittstemperatur in Bayern nicht nur über dem Gefrierpunkt, sondern auch anderthalb Grad über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 – dem international üblichen Vergleichszeitraum. Dabei war der Freistaat noch das kälteste Bundesland. Der Deutschland-Durchschnitt lag mit 1,6 Grad deutliche 1,4 Grad über dem internationalen Mittel.

Warm wurde der Winter wegen westlicher Winde: Die Strömungen, die ab Herbst bis in den Dezember und Januar anhielten, brachten viel milde, feuchte Luft nach Deutschland. Tiefdruckgebiete sorgten für reichlich Niederschlag, wegen der milden Temperaturen vor allem Regen. In Bayern waren es über den Winter 225 Liter pro Quadratmeter, 25 mehr als im Vergleichszeitraum. Gepaart war der viele Regen mit wenig Sonne, trotzdem schaffte es Bayern mit 175 Sonnenstunden ins solide bundesweite Mittelfeld. Richtig Winter wurde es also quasi erst im Februar, den man in zwei Worten zusammenfassen kann: Kalt und trocken. Mit im Schnitt minus 2,9 Grad war es ganze 2,3 Grad kälter als im langjährigen Mittel.

Da werden beim Wetterdienst Erinnerungen wach, an den Tiefkühl-Februar von 1956. Der war allerdings ein anderes Kaliber: Die Durchschnittstemperatur lag damals 10 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt, Wasserburg am Inn knackte mit minus 35 Grad einen kaum vorstellbaren Kälterekord. Die bundesweite Höchsttemperatur vermeldete am selben Tag, dem 9. Februar, übrigens das sächsische Görlitz mit temperierten minus 21 Grad. Beruhigend: Mit solchen Ausreißern rechnet der DWD nur alle 50 bis 100 Jahre.

Doch auch der diesjährige Winter hat Rekorde zu bieten. Auf der Zugspitze maßen die Meteorologen in der Nacht zum Dienstag minus 30,5 Grad – so kalt war es dort im Februar noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen 1881. Und abgesehen von den Berggipfeln war es bundesweit in Oberstorf (Kreis Oberallgäu) am kältesten: minus 20,3 Grad – Jahresrekord.

Wer nun meint, von solchen Extremen ist auch der übrige Freistaat gefühlt nicht weit entfernt, hat Recht: Bei Durchschnittstemperaturen von minus 15 Grad, wie sie der DWD auch heute erwartet, reicht ein leichter Wind, damit Mensch sich fühlt wie bei minus 25 Grad. Sollten die Nächte sternenklar werden, dürfte die Kälte noch ein paar Tage andauern.

Doch es ist Tauwetter in Sicht: „Ich bin optimistisch, dass nach diesem Wintereinbruch jetzt in zwei bis drei Wochen tatsächlich berechtigte Frühlingshoffnung besteht“, sagt der Chef der Messstation des Umweltbundesamtes auf der Zugspitze, Ludwig Ries. Schon zum Wochenende rechnet der DWD mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Trotzdem heißt es weiter Kopf einziehen, die Lage bleibt gefährlich: Auf die Kältepeitsche folgt die „Temperatur-Explosion“, so martialisch titelte gestern ein Internetportal, mit einem Temperatursprung um bis zu 25 Grad bis zum Sonntag. Und dann, im Frühling, schlagen auch noch die Bäume aus.

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