Durchstarter nach den Ferien

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Für Bayerns Schüler beginnt heute die schönste Zeit des Jahres: die Sommerferien. Schulleiterin Kerstin Haferkorn betont: Alle Schüler haben sich erstmal eine Auszeit verdient – egal, wie das Zeugnis ausfällt. Aus Erfahrung weiß sie: Manchmal gibt’s im September eine Überraschung.

ZEUGNISTAG

Für Bayerns Schüler beginnt heute die schönste Zeit des Jahres: die Sommerferien. Schulleiterin Kerstin Haferkorn betont: Alle Schüler haben sich erstmal eine Auszeit verdient – egal, wie das Zeugnis ausfällt. Aus Erfahrung weiß sie: Manchmal gibt’s im September eine Überraschung.

Von Katrin WOITSCH

Prien – Kerstin Haferkorn schaut sich ihre Schüler am letzten Tag vor den Ferien immer ganz genau an. Weil sie weiß, dass viel passiert über den Sommer. Dass sie einige von ihnen im September nicht sofort wiedererkennen wird. Weil sie ein ganzes Stück größer zurückkommen. Vielleicht mit ein paar Problemen weniger. Vielleicht mit einer großen Schulranzenladung Motivation. „Manchmal gehen Kinder mit schlechtem Zeugnis in die Ferien und kommen als gute Schüler zurück“, sagt die Realschulleiterin aus Prien am Chiemsee.

Deshalb gibt sie besorgten Eltern oder frustrierten Schülern seit Jahren denselben Tipp mit in die Sommerferien: Das Jahreszeugnis sollte nicht überbewertet werden. „Es gibt so viele Gründe, die zu einer Note führen“, sagt Kerstin Haferkorn. Die Pubertät, Probleme in der Familie, manchmal sind Freunde wichtiger, manchmal kommt ein Schüler mit dem Lehrer nicht gut klar. Vieles kann im nächsten Schuljahr schon ganz anders aussehen.

Deshalb appelliert Haferkorn an alle Eltern: Egal, wie das Zeugnis ausfällt, jeder Schüler hat sich erstmal eine Auszeit verdient. „Die Kinder brauchen diese Zeit, um tief Luft zu holen – um neue Kraft zu tanken.“ Selbst Schüler, die das Schuljahr gerade so geschafft haben, die auf Probe vorrücken oder zur Nachprüfung antreten, brauchen ihre Ferien, sagt sie. „Drei bis vier Wochen sollte jedes Kind wirklich frei haben.“

Danach können die langen Ferien eine Chance sein, sagt Haferkorn. Sie arbeitet in der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Oberbayern-Ost und hört immer wieder Geschichten von Schülern, die nach den Ferien auf einmal durchgestartet sind. Selbst in Fächern, mit denen sie sich zuvor schwer getan haben. „Manchmal reicht ein kleiner Anstupser“, sagt sie. Ein paar Stunden Wiederholung in den letzten zwei oder drei Ferienwochen, „ganz ohne Druck“, betont Haferkorn – das kann Wunder bewirken.

Die Lehrer der Realschule in Prien unterstützen die Schüler, die in den Ferien fleißig sein wollen. Alle Schüler dürfen die Schulbücher über den Sommer behalten, außerdem werden ihnen im Internet Arbeitsblätter mit Übungsaufgaben zur Verfügung gestellt – mit Lösungsblättern, damit es für die Eltern leichter ist, ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Von Verboten und Strafen rät Haferkorn ab. „Eltern sollten auf Motivation setzen und ihre Kinder ermutigen, an sich zu glauben.“ Und sie sollten nicht den Ehrgeiz ihrer Kinder unterschätzen. „Die meisten Schüler wollen schließlich in der Klasse bei ihren Freunden bleiben“, sagt sie. „Wenn sie faul waren, wissen sie das ganz genau.“ Und auch für Eltern ist das Jahreszeugnis in den seltensten Fällen eine böse Überraschung. „Die Lehrer sind schließlich das ganze Jahr über mit ihnen im Kontakt, so lässt sich viel im Vorfeld abfangen.“ Haferkorn ist überzeugt: „Das Zeugnis ist für kaum einen Schüler ein Schreckgespenst.“ Etwas anderes zählt viel mehr als die Noten, findet sie: „Jedes Kind hat Stärken und Schwächen. Das muss man akzeptieren – niemand darf sich dadurch entmutigen lassen.“

Manchmal, wenn sie die Zeugnisse unterschreibt, denkt die 37-Jährige an das eine Schuljahr, als sie selbst mit einem Fünfer in Französisch nach Hause kam. Es war ein schwieriges Jahr, sie steckte mitten in der Pubertät, hatte einen Alltag voller Probleme, einen unbeliebten Lehrer und auf nichts weniger Lust als auf französische Grammatik. Im neuen Schuljahr kam die Motivation zurück – und mit ihr bessere Noten. Für sie der beste Beweis dafür, wie viel sich in einem Sommer ändern kann.

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