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IHK Regionalausschuss Altötting-Mühldorf

Dunkle Wolken und dünne Eisdecke: Heimische Unternehmer zur Lage

Geldscheine horten müssen gerade viele: Aus Angst vor Preissteigerungen sind viele Deutsche gerade sparsam.
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Deutsche sparen aus Angst: Sorgen heimische Unternehmer.
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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Bei der Sitzung des IHK Regionalausschusses Altötting-Mühldorf äußerten sich heimische Unternehmer zur aktuellen Situation: Sie sehen negative Stimmungsmache und Kundenangst neben den Energiekosten als größtes Problem.

Landkreis Altötting, Landkreis Mühldorf – Dass die aktuelle Situation schwierig ist, darin waren sich am 14. September im Belegschaftshaus der Wacker Chemie in Burghausen alle einig: Ob Ingrid Obermeier-Osl, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf oder die anwesenden Unternehmer. Dass negative Berichterstattung und Panikmache durch Medien und Regierung die Kunden verängstige sagen die einen. Fast alle Anwesenden sorgen sich wegen der steigendern Energiekosten, Lieferschwierigkeiten oder Personalnot. Bei einer Tischumfrage konnten sich rund 15 Unternehmer aus der Region zur aktuellen Situation äußern. Dass deren Einschätzungen teilweise dramatisch ausfallen, lässt sich nicht beschönigen.

Chemie hat es gut geschafft, aber „Eisdecke wird dünn“

Dr. Peter von Zumbusch, Werksleiter der Wacker Chemie in Burghausen begann die Tischrunde mit positiven Nachrichten: „Das erste Halbjahr hatten wir durchaus gute Umsätze und konnten durch Preiserhöhungen den Kostenanstieg wettmachen. Auch das dritte Quartal sieht gut aus“, so von Zumbusch. „Was wir spüren ist aber ein Rückgang des Auftragseingangs.“ Gerade in der Bauindustrie sei dies spürbar. Der Werksleiter sagte, man habe sich gut vorbereitetet, aber der Winter könne die eine oder andere Überraschung mit sich bringen. Vor allem die Unberechenbarkeiten bezüglich der Gaslieferungen und die sehr hohen Energiepreise machten der Wacker Chemie mittelfristig zu schaffen. Dr. Bernhard Langhammer, Sprecher der ChemDelta Bavaria fügte hinzu: „Die Kernkraft aus der Anlage Isar 2 ist unser größter physischer Stromerzeuger und deckt acht Prozent des bayerischen Strombedarfs. Wenn Isar 2 wirklich ab Januar in einen Standby-Betrieb umschalten muss, dann wird die Eisdecke auf der wir uns bewegen ziemlich dünn.“

Preiserhöhung für Strom werden Betriebe hart treffen

Alfred Lehmann von den Stadtwerken Mühldorf kündigte an, dass im kommenden Jahr die Preiserhöhungen für Strom auf die Kunden umgelegt werden müssten. Dabei handele es sich um 800 bis 1000 Prozent Preissteigerung. „Das wird manchen Betrieb hart treffen“, so Lehmann. Weil die Stadtwerke für den Strom in Vorleistung gehen, brauchen auch sie zahlungsfähige Großkunden. „Was, wenn mir Kunden dann ausfallen? Ich sehe das nächste Jahr nicht so positiv.“ Alexandra Unterholzner, Geschäftsführerin der Bauer Elektroanlagen Süd, sagte: „Deutsche sind so gestrickt, dass sie zum Sparen anfangen, wenn sie das Wort ‚Krise‘ hören. Es herrscht zu viel Panikmache. Wir müssen wieder positiver werden.“ Auch Unterholzner hatte aber Negatives zu sagen: Investoren würden abwandern, weil es keine stabilen Rahmenbedingungen im Energiesektor Deutschlands gebe.

Baugewerbe: „Dunkle Wolken ziehen auf“

„Dunkle Wolken ziehen auf“, so Johann Bartlechner von HABA-Beton. „Wir erwarten einen richtigen Einbruch durch das Hauptproblem ‚Energiekosten‘.“ In der Branche wisse man nicht, wie man mit der Preisspirale umgehen solle: „Die Erhöhungen im Einkaufsbereich sind zweistellig und es geht ungehindert weiter. Man weiß nicht mehr, zu welchem Preis man Angebote machen soll“, so Bartlechner. Weder von der Zementindustrie noch von wo anders bekäme man Preise und Bartlechner sehe schwarz. „Mir fehlt die Fantasie für Fantasiepreise.“

Lebensmittelpreise werden im Herbst noch einmal deutlich steigen

Auch Hermann Jäger von Milchwerke Jäger in Haag sieht die Zukunft nicht besonders positiv. Und das, obwohl er sein Unternehmen bisher als „Profiteur der Krise“ betrachtet. „Wir erzeugen Käse für Discounter, und je weniger Geld die Kunden haben, desto mehr gehen sie in Discounter“, so Jäger. Die Branche sei aber in einer schweren Krise: „Der Biobereich ist am Zusammenbrechen, Markenartikel brechen zusammen, Kleinigkeiten gehen aus: Es gibt keine Säure, keine Lauge, keinen Dünger. Folien, Kartons, Adblue – alles geht aus und das gibt Riesenprobleme. Wenn deswegen unser Betrieb stehen sollte, bekommen rund 1000 Bauern ihre Milch nicht los.“ Jäger kündigte an, dass es im Herbst mit den Preisen in den Geschäften noch einmal deutlich nach oben gehen werde. „Ich sehe die Zukunft nicht besonders positiv“, schloss er.

Andreas Ganzbeck vom Modehaus Ganzbeck berichtete von Personalmangel. „Wir haben ein massives Imageproblem auf dem Arbeitsmarkt. Seit Corona gibt es ‚privilegierte‘ und ‚gefährliche Händler‘.“ Die Energiepreise machen im Handel laut Ganzbeck etwa ein Prozent der Kosten aus, wenn sich diese auf zwei bis drei Prozent erhöhen sollten, werde die Branche ein Problem bekommen. „Ich weiß nicht, ob die Politik den Handel mit dem Energiekostenentlastungsgesetz auf dem Schirm hat. Wir sind nicht gerade gestärkt aus den letzten Jahren hervorgegangen. Trotz einer momentan guten Lage, wird die Stimmung gerade noch schlechter geredet, als sie ist. Im internationalen Stimmungsbarometer steht Deutschland deutlich schlechter da, als andere Länder.“

Edelholzpreise vom Brennholzpreis nach oben getrieben

Auch Christine Christ von den Altstadthotels in Burghausen stimmte dem zu. „Die negative Sparstimmung macht uns Sorgen. Personalprobleme haben wir keine. Es zahlt sich aus, dass wir trotz Schließungsanordnungen das Personal gut gepflegt haben. Wir haben niemanden verloren.“ Von dramatischen Entwicklungen in der Holzbranche berichtete Ingrid Obermeier-Osl. Als Geschäftsführerin des Franz Obermeier Sägewerks weiß sie, dass die Nachfrage nach Brennholz aktuell so groß ist, dass der Brennholzpreis den Preis von Edelholz bestimmt. Außerdem fügte Obermeier-Osl hinzu: „Arbeit muss sich wieder lohnen. Momentan unterstützt die Politik die, die keine Arbeit haben. Ich möchte nicht, dass es ein Ungleichgewicht gibt, weil die Arbeit der Leute nicht mehr wertgeschätzt wird.“

„Hausbauer gehen auf Tauchstation“

Reinhard Rauscher von der Volksbank Raiffeisenbanken sprach von sinkender Kreditnachfrage: „Hausbauer gehen auf Tauchstation, Sparverträge werden auf Eis gelegt. Es wird sofort auf die Bremse getreten und wir haben Sorge dass Kunden in ihren Schneckenhäusern verschwinden.“ Ähnliches berichtete Vermögensverwalter Thomas Freiberger. Die internationale Meinung über Deutschland sei sehr negativ. „Viele verstehen nicht was hier passiert. Ich erwarte wirklich schwierige Zeiten. Man hat zwar aus 2008 gelernt, aber dieses Mal haben wir ein realwirtschaftliches Problem, und das kann man nicht wegzaubern.“

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