Drogen-Razzia: Polizei schießt Münchner an

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Ein Polizist aus einem Spezialeinsatzkommando hat am Donnerstag bei einer Wohnungsdurchsuchung einem mutmaßlichen Drogendealer in die Hand geschossen. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

Ramersdorf

Ein Polizist aus einem Spezialeinsatzkommando hat am Donnerstag bei einer Wohnungsdurchsuchung einem mutmaßlichen Drogendealer in die Hand geschossen. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt.

Von Peter T. Schmidt

Der Schuss fiel gegen 12 Uhr in einem dreistöckigen Wohngebäude an der Hochäckerstraße (Ramersdorf). Rauschgiftfahnder hatten zu einem Schlag gegen das Drogenmilieu ausgeholt und laut Polizei Durchsuchungsbeschlüsse für mehrere Wohnungen in München erwirkt. Zumindest der in Ramersdorf wohnende Verdächtige galt als gefährlich: Wie das Polizeipräsidium mitteilte, gingen die Fahnder davon aus, dass in der Wohnung auch Waffen sind. Deshalb sei das Spezialeinsatzkommando (SEK) hinzugezogen worden.

Unbemerkt schlichen sich die Elitekräfte mit Helmen und Schutzwesten in das Mehr-Parteien-Haus und klingelten an der Wohnungstür des Verdächtigen. Dann muss alles sehr schnell gegangen sein. „Die Tür wurde vom Bewohner geöffnet“, beschrieb Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gestern Nachmittag den ersten Ermittlungsstand. Offenbar hatte der Verdächtige anderen Besuch erwartet, möglicherweise Kundschaft. Denn „als er sah, dass die Polizei draußen stand, wollte er die Tür wieder zuwerfen“, so Steinkraus-Koch. Doch der SEK-Beamte, der in vorderster Front stand, hatte blitzschnell seinen klobigen Stiefel in den Türspalt geschoben – die Tür blieb offen. Dann, so Steinkraus-Koch weiter, habe der Beamte eigenen Angaben zufolge „einen dunklen Gegenstand“ in der Hand des Verdächtigen gesehen. „Er hat eine Waffe vermutet und sich bedroht gefühlt“. Die Dienstwaffe dürfte der Polizist da längst in der Hand gehabt haben. Er schoss, und das Projektil durchschlug die Hand des Verdächtigen.

Der Mann wurde umgehend im Krankenhaus versorgt. Er sei „zu keinem Zeitpunkt“ in Lebensgefahr gewesen, meldete das Präsidium.

Ob in der Wohnung oder in einem der anderen durchsuchten Anwesen Drogen oder andere belastende Beweise gefunden wurden, konnte die Staatsanwaltschaft gestern nicht sagen. Auch über die Identität des Angeschossenen gibt es nur Vermutungen. Die Polizei geht davon aus, das es sich um einen 43-jährigen Münchner handelt. Der Mann habe aber bislang alle Angaben zur Person verweigert, so Steinkraus-Koch.

Was passiert, wenn Polizisten im Einsatz schießen, ist genau geregelt: „Der Beamte wird vom Einsatzort weg zu einer anderen Dienststelle gebracht, und in der Regel wird die Dienstwaffe sichergestellt“, berichtet Steinkraus-Koch. So schnell wie möglich werde dann die Staatsanwaltschaft hinzugezogen, um den Beamten zu dem Vorfall zu befragen.

Wie immer in solchen Fällen wird die Staatsanwaltschaft nun ein Vorermittlungsverfahren einleiten. Sie wird dabei von der Polizei unterstützt, allerdings nicht von Dienststellen des Münchner Präsidiums, sondern vom Landeskriminalamt und von der Mordkommission des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Diese Änderung hatte Innenminister Joachim Herrmann im vergangenen Jahr nach dem Skandal in der Polizeiinspektion in der Au verfügt. Ein Polizist hatte dort eine gefesselte Frau mit einem Faustschlag ins Gesicht schwer verletzt, in der Öffentlichkeit waren Zweifel am Aufklärungswillen der Polizei laut geworden.

Wie oft Münchner Polizisten in den letzten Jahren im Einsatz geschossen haben, wusste man beim Polizeipräsidium München gestern nicht zu sagen. Der letzte publik gewordene Fall ereignete sich im Oktober 2013: Ein Bundespolizist schoss auf einen angreifenden Hund und verletzte ihn leicht. Ein besonders tragischer Fall liegt 15 Jahre zurück: Beim Einsatz in einer Wohnung in der Innenstadt wurde eine Beamtin mit einem Messer bedroht. Sie gab zwei Schüsse ab und tötete den Angreifer – und zugleich dessen Bruder, der den Tobenden zurückhalten wollte und von einem Durchschuss getroffen wurde.

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