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Interview mit Traunsteiner Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Krämer

„Impfpflicht für mich das letzte Mittel“ - Fragen und Antworten zum Thema Impfen

Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes
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Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes
  • Jennifer Bretz
    VonJennifer Bretz
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Wie läuft das Impfen? Warum so ein Hin und Her mit AstraZeneca? Wann kann man allen Bürgern ein Impfangebot machen? Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes liefert Antworten.

Traunstein - Dr. Wolfgang Krämer ist Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamtes und hat sich im chiemgau24.de Interview ausführlich zum Thema Impfen geäußert:

chiemgau24.de: Wie ist der aktuelle Impfstand im Landkreis?
Krämer: Bei uns im Landkreis Traunstein sind Stand 7. April gut 30.000 Dosen verimpft worden. Davon sind 9.500 Personen erst- und zweitgeimpft. 11.600 Personen haben eine Erstimpfung bekommen.
chiemgau24.de: Sind Sie zufrieden mit dem Impffortschritt?
Krämer: Das ist eine relativ einfache Frage. Ich würde mir deutlich mehr Impfstoff wünschen, um einfach schneller einen Schutz zu bekommen und um der Bevölkerung das anbieten zu können, was sie, glaube ich, erwartet und dass man nicht priorisieren muss und dass ausreichend medizinische Versorgung für alle da ist. Außerdem täte es uns natürlich gut im Kampf gegen Mutationen. Insgesamt bin ich mit der Arbeit des Impfzentrums und den dortigen Mitarbeitern aber sehr sehr zufrieden, die stellen das, was möglich ist, auf die Beine.
chiemgau24.de: Was sagen Sie zu dem Hin und Her mit AstraZeneca?
Krämer: Ganz schwierig, weil sehr viel Vertrauen insgesamt in die Impfungen verloren gegangen ist. Wie das zu Stande gekommen ist, kann man bloß mutmaßen. Was für mich aber sehr beruhigend ist ist, dass das System in Deutschland mit Monitoring von möglichen Impfnebenwirkungen sehr gut funktioniert. Was ich in der aktuellen Situation beobachte ist, dass Einzelexperten auch von der EMA vorschnell irgendwelche Dinge an die Presse geben, ohne dass es konsolidierte Daten sind, was jetzt an sich damit tatsächlich los ist. Gerade für den Impfstoff AstraZeneca wäre es gut gewesen, sich auf Grund der Datenlage ein wenig mehr Zeit zu lassen, den Impfstoff in die Zulassung zu bringen, um tatsächlich die Datengrundlage zu haben, die die anderen Impfstoffe ja haben.
chiemgau24.de: Kommt es am Impfzentrum jetzt zu Problemen bei der Terminabwicklung, weil AstraZeneca ja nun nicht mehr an unter 60-Jährige verimpft werden darf?
Krämer: Wir haben um die 7.000 AstraZeneca Impfdosen verimpft, das sind ausschließlich Erstimpfungen. Dass die Ständige Impfkommission jetzt empfielt den Impfstoff bei unter 60-Jährigen nicht mehr einzusetzen, stellt uns natürlich logistisch vor große Herausforderungen. Da muss man ein bisschen auf Sicht segeln, dass diese Personen einen Zweittermin mit einem mRNA Impfstoff und den auch zeitnah bekommen.
chiemgau24.de: Wie schwer ist es, mit dem Programm für die zentrale Impfterminvergabe zu arbeiten, funktionieren die Abläufe?
Krämer: Das Programm wird derzeit umprogrammiert und dann automatisiert. In dem Programm wird dann auch ein Algorithmus hinterlegt, dass man die Zweitimpfung mit dem richtigen Impfstoff bekommt. Wir brauchen eine einheitliche Datenbank, um sowas überhaupt zu machen. Von daher finde ich persönlich es auch nicht ganz so hilfreich, dass die Impfungen bei niedergelassenen Ärzten über ein separates Programm durchgeführt werden. Da hat man wieder zwei Anmeldesysteme und keinen einheitlichen Datenüberblick. Es wäre mit Sicherheit einfacher, wenn es eine einheitliche für alle geltende Software gäbe.
 chiemgau24.de: Ist es hilfreich, dass jetzt auch Hausärzte impfen können?
Krämer: Unbedingt. Wir haben ja Gott sei Dank nicht wie in England eine staatszentrierte Gesundheitsversorgung. Die Gesundheitsversorgung ist bei uns ja sehr sehr gut bei den niedergelassenen Kollegen aufgehoben. Letztendlich war der Aufbau der Impfzentren in den Landkreisen aus meiner Sicht ja nur eine Brücke. Der Biontch Impfstoff hatte ja in der Zeit als er rauskam Lieferbedingungen, die in den niedergelassenen Bereichen nicht abzuwickeln waren. Insofern haben wir das mit den Impfzentren sehr gut überbrückt. Natürlich bin ich froh, wenn dann ein flächendeckendes Impfangebot beim Hausarzt stattfindet, der seine Patienten ja auch viel besser kennt.
chiemgau24.de: Wie viele Impfungen haben niedergelassene Ärzte im Landkreis Traunstein schon durchgeführt?
Krämer: Stand 7. April wurden 448 Impfungen in den Praxen durchgeführt.
chiemgau24.de: Was halten Sie von einer Impfpflicht oder wenn geimpfte Personen mehr Freiheiten bekommen würden als nicht geimpfte?
Krämer: Ich bin grundsätzlich kein Freund von einer Impfpflicht. Das ist für mich das letzte Mittel, das wir bei uns anwenden sollten. Bei einer Diskussion über Impfpflicht sind wir auch noch lange nicht angekommen, solange wir das Impfangebot nicht allen unterbreiten können. Wir können ja auch noch gar nicht abschätzen wie viele sich tatsächlich freiwillig impfen lassen wollen. Ich finde aufklären, Vertrauen schaffen und mit einer Überzeugung zum impfen gehen die sinnvollere Wahl. Was Erleichterungen für Geimpfte betrifft: Der eine Teil ist mit Sicherheit eine politische Frage. Aus medizinischer Sicht ist es bei Masern z.B. so, dass man die ungeimpften aus Kindergärten und Schulen rausnehmen muss. In medizinischen Bereichen sind solche Kosequenzen von geimpft und nicht geimpft gängige Praxis und völlig normal. Ob man jetzt dann sagt, Auslandsreisen oder Kinobesuche sind nur mit Impfungenn möglich, das ist tatsächlich eine politische Frage. Insgesamt ist es richtig zu sagen, wenn wir eine bestimmte Durchimpfrate haben, ist das Risiko für die, die sich nicht impfen lassen oder sich nicht impfen lassen können durch den Herdenschutz viel geringer.
chiemgau24.de: Welche Impfstoffe werden derzeit im Impfzentrum verimpft?
Krämer: Das sind die Impfstoffe von Biontech, Moderna und AstraZeneca.
chiemgau24.de: Was meinen Sie wie lange es dauern wird, bis man jedem Einwohner des Landkreises ein Impfangebot machen kann?
Krämer: Die Blackbox ist, wie viel Impfstoff wir kriegen. Die Logistik sowohl im Imfzentrum als auch in der Gott sei Dank sehr guten Hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung im Landkreis steht. Von der Logistik her wäre ein Durchimpfen bis zum Sommer möglich. Es hängt ausschließlich daran, wie viel Impfstoff wir bekommen. Wir wissen auch überhaupt nicht, wie viel Impfstoff wir bekommen werden. Daher sind auch längerfristige Terminzusagen nicht möglich.
chiemgau24.de: Werden Sie sich impfen lassen?
Krämer: Ich habe mich ganz normal registriert. Der öffentliche Gesundheitsdienst zählt in die Prio Gruppe 2 und daher habe ich bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca im Berchtesgadener Land, wo ich wohne, bekommen. Ich bin ein grundsätzlicher Impfbefürworter, sei es bei den klassischen Kinderkrankheiten oder auch bei Corona und kann nur dazu aufrufen, dass jeder, der nicht ganz harte Contraindikationen gegen eine Impfung hat, sich impfen lassen sollte. Die Impfung ist eine der besten Präventivmaßnahmen, die wir gegen Krankheiten haben. Wer sich impfen lassen will, soll sich registrieren, oder Kontakt mit seinem Hausarzt aufnehmen.

jb

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