Doppeltes Glück im Unglück

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In dem grünen Haus an der Bergmannstraße hat eine defekte Gastherme eine Schülerin vergiftet.

Ein 14-jähriges Mädchen aus dem Westend wäre am Samstag beinahe an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Die Gastherme im Bad war defekt, das Mädchen brach bewusstlos zusammen und musste in die Druckkammer. Unfassbares Glück hatte zudem ein Kleinkind in Lochhause (siehe Kasten).

Feuerwehreinsätze am wochenende

von johannes heininger

Das Unglück kam schleichend. Eine 14 Jahre alte Schülerin stand am Samstag gegen 13.30 Uhr in der Wohnung ihrer Eltern an der Bergmannstraße im Westend unter der Dusche. Die Badezimmertür hatte sie abgeschlossen. Ihre Mutter, ihr Bruder und dessen Freund waren in der Wohnung, bekamen von dem Drama aber zunächst nichts mit.

Aus einer defekten Gastherme strömte aus bislang ungeklärter Ursache hochgiftiges Kohlenmonoxid. Dabei handelt es sich um ein Gas, das entsteht, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verbrennung vorhanden ist. Laut Experten kann dies bei Gasthermen passieren, die unregelmäßig gewartet werden.

Die Schülerin hatte keine Chance, die Bedrohung frühzeitig zu erkennen. Das Gas kann man weder sehen noch riechen. Sie brach bewusstlos unter der Dusche zusammen. Ihr Vater sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Meine Frau erzählte mir, dass sie nur noch das Plätschern des Wassers und ein leises Röcheln gehört hat.“ Die Mutter wählte den Notruf. Einsatzkräfte der Feuerwehr brachen die Badezimmertür auf und holten das Mädchen aus der Gefahrenzone. Während die Retter die Wohnung betraten, schlugen ihre Kohlenmonoxidwarner am Körper Alarm. Nach der Erstversorgung des Mädchens wurde deshalb das gesamte Haus evakuiert. Denn es bestand die Gefahr, dass auch andere Bewohner eine gesundheitsgefährdende Dosis des Gases einatmen könnten. Untersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten. Lediglich die Mutter der Schülerin, ihr Bruder und dessen Freund hatten leicht erhöhte, aber keine besorgniserregenden Werte. Das Haus wurde mit frischer Luft durchflutet. Ein Techniker nahm das Gebäudes vom Gasnetz. Ein Kaminkehrer und eine Fachfirma klären nun die Ursache.

Die Schülerin kam in eine Klinik. In einer Druckkammer wird jetzt mit Hilfe von Sauerstoff das Kohlenmonoxid aus ihrem Blut verdrängt. Das Gas wird von der Lunge viel schneller als der Sauerstoff ins Blut transportiert. In der Folge sind wichtige Organe schnell unterversorgt. Bei besonders hohen Konzentrationen können Hirnschäden entstehen.

Experten fordern wegen der durch das Atemgift drohenden Gefahren, die Installation von Kohlenmonoxidwarnmeldern in Häusern und Wohnungen zur gesetzlichen Pflicht zu machen. Die Melder gibt es im Internet, etwa bei Amazon, bereits ab einem Preis von 20 Euro zu kaufen.

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