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Diskussion um „Dorf im Dorf“-Projekt am Steinpass in Schneizlreuth

„Wenn das in den angedachten Dimensionen kommt, dann ist‘s mit der Ruhe aus!“

Rund um den ehemaligen Gasthof „Schöne Aussicht“ will ein örtliches Unternehmen in Schneizlreuth ein „Dorf im Dorf“ errichten. Das stößt auf den Widerstand von Anwohnern.
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Rund um den ehemaligen Gasthof „Schöne Aussicht“ will ein örtliches Unternehmen in Schneizlreuth ein „Dorf im Dorf“ errichten. Das stößt auf den Widerstand von Anwohnern.
  • Heinz Seutter
    vonHeinz Seutter
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Schäden für die Natur und Landschaft und ein Aus der Ruhe im Ort. Das befürchten Anwohner im Ortsteil Melleck in Schneizlreuth durch ein Großprojekt für ein „Dorf im Dorf“. BGland24.de hat sich erkundigt, was es damit auf sich hat.

Schneizlreuth - „Nachdem uns die ersten Entwürfe für das Projekt vorgestellt worden waren, habe ich gleich mit einigen anderen Anwohnern gesprochen. Diejenigen, die hier im Eigenheim wohnen meinten, wenn das umgesetzt wird, verkaufen sie. Die zur Miete wohnen sagten, dann ziehen sie aus. Alle waren sich einig: Sie sind hierher gezogen, weil es so schön ruhig ist. Aber wenn das in den angedachten Dimensionen kommt, dann ist‘s mit der Ruhe aus!“, berichtet Waltraud Krahl gegenüber BGLand24.de von einer ersten Vorstellung von Planungsskizzen für das „Dorf im Dorf“ in Schneizlreuth für Anwohner. 180 Unterschriften gegen das Großprojekt habe sie in der Folge rasch gesammelt gehabt.

Großbauprojekt für „Dorf im Dorf“ in Schneizlreuth: Anwohner sorgen sich um Natur und Ruhe

Die Überlegungen dazu, wie das etwa einen halben Hektar große Areal überplant werden könnte, laufen zwischen einem örtlichen Unternehmen und der Gemeinde Schneizlreuth schon seit zwei Jahren. Auf der Gemeinderatssitzung im August des vergangene Jahres wurde dann ein erstes Grobkonzept vorgestellt. Im Ortsteil Melleck, am Steilhang zwischen dem ehemaligen Gasthaus „Schöne Aussicht“ und der Landesgrenze zu Österreich, soll auf einer Fläche von etwa 55.000 Quadratmetern, ein „Dorf im Dorf“ entstehen. Es soll, unter anderem, ein Hotelbetrieb mit etwa 120 Einheiten beziehungsweise 240 Betten und zusätzlich 40 Ferienwohnungen entstehen. Des weiteren gibt es Überlegungen für ein Technikzentrum und ein Sanatorium für CoVid-Reha-Patienten.

Bei der Projekt-Vorstellung im August 2020 betonten die Vertreter des Unternehmens, das Projekt solle sich „nicht mehr an sogenannte Zielgruppen orientieren, sondern an dem Lebensstilmodell der Menschen.“ Es solle für das Projekt keinerlei große touristische Angebote geschaffen werden, da die umliegenden Gemeinden in Bayern und Österreich dies ja bereits erledigt hätten. In keinem Fall soll ein „klassischer Hotelklotz“ entstehen.  Es könnten bis zu 140 Arbeitsplätze entstehen. Die weiteren Planungen sollten „im gemeinsamen Konsens“ entstehen.

„Noch kann man hier nachts in Ruhe schlafen. Aber wenn dann der ganze Zuliefer- und Gästeverkehr dafür rollt, ist es damit vorbei“, mahnt Krahl. „Denn es ist davon auszugehen, dass der ganze Verkehr dann hier über die Gemeindestraße durch den Ortsteil Melleck rollt.“ Weiterhin sei zu befürchten, dass im Zuge einer Überarbeitung der baurechtlichen Vorgaben für das Areal ein sogenannter „privilegierter Bereich“ ausgewiesen wird. Vor allem aber sei ein Teil des Areals Landschaftsschutzgebiet und es gäbe weitere Bedenken aus Sicht des Naturschutzes. „Da hat man erst vor ein paar Jahren Stelen aufgestellt, dass dort bedrohte Schmetterlingsarten leben. Und jetzt soll das zugebaut werden?“

Bürgermeister: Projekt in jetziger Form überdimensioniert

Anfangs habe er dem Projekt noch nicht ablehnend gegenüber gestanden, räumt Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon ein. „Aber da war mir noch nicht bewusst, was das für Dimensionen haben würde“, führt er weiter aus. Die Planungsskizzen, welche die Anwohner nach deren Vorstellung durch das Unternehmen dann in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgelegt hätten, seien auf jeden Fall überdimensioniert. „Es ist aber ohnehin fraglich, ob das in den jetzt vorgestellten Dimensionen umgesetzt werden könnte.“

Kürzlich habe sich eine Delegation der Landesregierung ein Bild der Lage gemacht. „Deren inoffizielle Bewertung war: Es deckt sich nicht mit den Grundsätzen der Landesplanung und würde auch nicht ins Landschaftsbild passen. Die steilen Geländebereiche dürften ja außerdem nicht bebaut werden.“ Bisher handle es sich vor allem aber noch nur um erste Überlegungen des Unternehmens. „Bisher wurde ja noch gar keine konkretere Bau-Voranfrage vorgelegt. Es bleibt also abzuwarten, ob und wie sie nun ihre Planungen anpassen.“

Eine Stellungnahme von Seiten der Projektverantwortlichen wurde ebenfalls erbeten. BGLand24.de wird diese nach Erhalt veröffentlichen.

Es ist nicht das einzige umstrittene Projekt dieser Art in der Region. Auch in Schönau am Königssee regt sich Widerstand gegen ein Hotel-Großbauprojekt (Plus-Artikel BGLand24.de). Dort haben der örtliche Heimatkundeverein, sowie der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz sogar Petitionen an den Bayerischen Landtag gerichtet (Plus-Artikel BGLand24.de).

hs

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