Dieter Reiter hat es geschafft

Musste die Niederlage eingestehen: Josef Schmid und Ehefrau Natalie danken im Löwenbräukeller den Helfern aus der CSU. Foto: Klaus Haag
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Musste die Niederlage eingestehen: Josef Schmid und Ehefrau Natalie danken im Löwenbräukeller den Helfern aus der CSU. Foto: Klaus Haag

Es hat gereicht: Die SPD stellt auch weiterhin den Münchner Oberbürgermeister. Ihr Kandidat Dieter Reiter siegte in der Stichwahl überraschend deutlich mit 56,7 Prozent der Stimmen gegen CSU-Mann Josef Schmid.

Die Wahlbeteiligung ist gegenüber dem ersten Wahlgang nochmals gesunken.

OB-Stichwahl

Es hat gereicht: Die SPD stellt auch weiterhin den Münchner Oberbürgermeister. Ihr Kandidat Dieter Reiter siegte in der Stichwahl überraschend deutlich mit 56,7 Prozent der Stimmen gegen CSU-Mann Josef Schmid. Die Wahlbeteiligung ist gegenüber dem ersten Wahlgang nochmals gesunken.

Von peter T. Schmidt, Felix Müller und Moritz Homann

Im Moment seines Triumphs gibt sich Dieter Reiter bescheiden und richtet den Blick nach vorn. „Ich bin stolz und demütig. Es gibt einiges zu tun“, ruft er bei der SPD-Wahlparty im Oberangertheater seinen Gefolgsleuten zu. Die heikle Mission, Christian Udes Nachfolge anzutreten, ist gelungen. Einziger Wermutstropfen: Die Wahlbeteiligung ist unter die 40-Prozent-Marke gesunken. Gerade einmal 21,7 Prozent der Wahlberechtigten haben sich somit aktiv für den künftigen Oberbürgermeister ausgesprochen.

Auch wenn sich die SPD in den vergangenen Tagen betont siegessicher um ihren Kandidaten Reiter geschart hatte: So ganz gewiss waren sich viele ihrer Sache nicht. Die Nervosität war groß – so groß, dass sich der Wahlkampf-erfahrene Klaus Hahnzog noch wenige Minuten vor Auszählungsbeginn in Zweckpessimismus übte: „Wenn es nicht klappt“, so ließ der frühere KVR-Chef und Bürgermeister um 17.50 Uhr bei der SPD-Wahlparty im Oberangertheater wissen, „kann das auch ein Ansporn für die SPD sein.“

Solchen Ansporn haben Münchens Sozialdemokraten aber letztlich doch nicht nötig. Vielmehr geben die Zahlen, die am Abend in rascher Folge übermittelt werden, Anlass zum Jubel: Reiter liegt vorn, und sein Vorsprung wächst mit jeder Aktualisierung der Zahlen. Um 18.45 Uhr, mittlerweile sind 645 der 933 Gebiete ausgezählt und Reiter führt mit 58,5 Prozent der Stimmen, gönnt sich Franz Maget erstmal ein Weißbier an einem Stehtisch. „Ich habe es knapper erwartet“, sagt er augenzwinkernd. „Das wird ein schöner Abend für die SPD.“

Im Löwenbräukeller, wo die CSU die Auszählung verfolgt, ist die Stimmung gedrückt. Auch das Buffet kann die Laune nicht verbessern. „Das ist enttäuschend“, räumt CSU-Stadträtin Kristina Frank mit Blick auf die Zahlen ein. „Aber wir werden weiter gute Oppositionsarbeit machen.“ Gleichwohl begrüßen die Parteimitglieder ihren Kandidaten Josef Schmid mit lang anhaltendem Applaus, als er die Bühne betritt. „Josef ist der OB der Herzen“, sagt Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle. Schmid gesteht seine Niederlage ein und erweist sich als guter Verlierer: Ich wünsche Herrn Reiter alles Gute in seinem Amt und eine glückliche Hand“, sagt er.

Der achtjährige Kampf um den Chefsessel im Münchner Rathaus ist gescheitert. Zwar ist die CSU zur stärksten Fraktion im Stadtrat avanciert, doch politisches Kapital wird sie daraus nicht schlagen können. Denn die Fortsetzung des rot-grünen Bündnisses im Rathaus scheint sicher, auch wenn dieses Bündnis wegen des schlechten Abschneidens der SPD bei der Stadtratswahl auf weitere Partner angewiesen sein wird.

Schon vor knapp eineinhalb Wochen hatte Reiter bei der Stadtversammlung der Grünen für sich geworben, die Ökopartei um Sabine Nallinger sprach anschließend eine Wahlempfehlung für den SPD-Mann aus.

Diese Empfehlung habe „eine total große“ Rolle bei Reiters gutem Stichwahl-Ergebnis gespielt, sagt der Münchner Grünen-Chef Sebastian Weisenburger freudestrahlend. Das neue grüne Selbstbewusstsein könnte noch Konfliktstoff bieten. Christine Strobl (SPD) verkündet etwa am Abend der Stichwahl, sie wolle Zweite Bürgermeisterin bleiben. Doch auch der Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger wird Interesse an diesem Posten nachgesagt. Schwer vorstellbar, dass sich die Grünen wie bisher mit dem Amt des Dritten Bürgermeisters zufrieden geben werden.

Nun stellt sich die Frage, wer Rot-Grün unter einem OB Dieter Reiter unterstützt. Der SPD am liebsten wäre ein erweitertes Rot-Grün mit der ÖDP und der Linken. Beide stellen jeweils zwei Sitze im Stadtrat (siehe Grafik). Nachdem Josef Assal die SPD-Fraktion verlassen hat, käme ein solches Bündnis inklusive Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl auf komfortable 42 Sitze. Das wäre, ergänzt durch die Stimme des Oberbürgermeisters, eine stabile Mehrheit in dem 80-Sitze-Gremium.

Als nächstes werden SPD und Grüne deshalb Koalitionsverhandlungen führen müssen. ÖDP und Linke hatten bereits Offenheit signalisiert. Sollten einer oder gar beide Partner ausfallen, kämen für SPD und Grüne auch noch die Piraten oder die HUT-Gruppe in Betracht. HUT-Stadtrat Wolfgang Zeilnhofer-Rath hat am Freitag immerhin schon mit Reiter gesprochen – war allerdings auch Gast bei der CSU-Veranstaltung mit Kanzlerin Angela Merkel.

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