„Die Schuldfrage quält einen täglich“

Beim Todesflug AF447 im Jahr 2009 hat Bernd Gans seine Tochter verloren. Bis heute kritisiert der Vaterstettener Versäumnisse der Behörden und mangelnde Aufklärung. Mit der Tragödie um Flug MH370 erlebt er nun eine Wiederholung der Geschichte.

Bernd Gans hat seine Tochter bei einem Flugzeugabsturz verloren

Beim Todesflug AF447 im Jahr 2009 hat Bernd Gans seine Tochter verloren. Bis heute kritisiert der Vaterstettener Versäumnisse der Behörden und mangelnde Aufklärung. Mit der Tragödie um Flug MH370 erlebt er nun eine Wiederholung der Geschichte.

Vaterstetten – Flug MH370 ist nach Überzeugung der Ermittler abgestürzt – noch ist kein Wrackteil gefunden. Angehörige der chinesischen Passagiere machen den malaysischen Behörden schwere Vorwürfe. Nach dem Absturz des Air-France-Fluges AF447 vor fünf Jahren gab es ähnliche Kritik. Alle 228 Menschen an Bord kamen ums Leben, darunter 28 Deutsche. Bernd Gans aus Vaterstetten (Landkreis Ebersberg) verlor damals seine 31 Jahre alte Tochter. Der 73-Jährige ist der Sprecher der deutschen AF-447-Angehörigen. Und er sieht Fehler von damals wiederholt.

-Was hat die Nachricht des Verschwindens von MH370 bei Ihnen ausgelöst?

Seit diesem fundamentalen Erlebnis in meinem Leben bin ich bei jedem Flugzeugunglück gespannt aufmerksam. Im Falle von MH370 war für mich sofort klar, dass es wie damals bei AF447 eine große Katastrophe mit vielen Toten geben wird.

-Ähnlich wie vor fünf Jahren kritisieren die Angehörigen das Vorgehen der Behörden. Wiederholt sich die Geschichte?

Ja. Die damalige Informationspolitik sowohl von Air France als auch der französischen Luftfahrtbehörde war äußerst widersprüchlich. Man erlebt jetzt im Falle von MH370 genau das Gleiche. Das dürfen sich die Angehörigen nicht gefallen lassen. Die Chinesen haben es geschafft, dass sich ihre Regierung darum kümmert.

-Was wäre denn für eine seriöse Aufklärung nötig gewesen?

Es muss ganz klar sein, wer in Malaysia für die verschiedenen Behörden spricht. Bei dem müssen alle Informationen zusammenlaufen und der muss in regelmäßigen Abständen Meldungen herausgeben, zu denen man auch steht. Es darf eben nicht passieren, dass erst das malaysische Militär, dann der Verkehrsminister und später der Informationsminister verschiedene Angaben machen. So geht es nicht.

-Was waren für Sie damals die dringendsten Fragen?

Ab einem bestimmten Zeitpunkt haben Sie sich damit abzufinden: Der Angehörige kommt nicht mehr. Dann will man wissen: Wie ist er ums Leben gekommen? Hat er leiden müssen? Hat er wahrgenommen, dass sein Tod bevorstehen könnte, beispielsweise weil die Maschine ins Trudeln gekommen ist oder andere Passagiere geschrien haben? War es ein plötzlicher oder ein schleichender Tod? Bei Flug MH370 weiß man das nach den bisherigen Erkenntnissen natürlich überhaupt nicht.

-War es für Sie wichtig zu wissen, wer schuld war?

Ja, doch. Das ist natürlich etwas, was in Ihnen wirklich ständig Aufruhr verursacht. Die Untersuchungsbehörde hatte nur Ursachen und Abhilfemaßnahmen zu ermitteln. Parallel dazu läuft nach nunmehr fünf Jahren bei der Justiz in Paris ein Ermittlungsverfahren. Wir waren schon x-mal bei der Untersuchungsrichterin. Bis heute ist kein Strafverfahren eingeleitet worden. Das quält einen jeden Tag.

Interview: Valentin Frimmer

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