Dicke Luft vor dem Brenner-Gipfel

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Folge der Blockabfertigung: An manchen Tagen reichte der Stau bis auf die A8 zurück. Foto: Josef Reisner/dpa

Ein „Brenner-Gipfel“ in München soll heute den Streit um die Tiroler Lkw-Blockabfertigung und die hohe Verkehrsbelastung im Inntal und am Brenner lösen. Doch die Fronten sind verhärtet.

LKW-VERKEHRSMISERE

von Dirk Walter und Sabine Dobel

München/Innsbruck – Lastwagen, Staus, Blockabfertigung – Alpenidylle sieht anders aus. Die Brenner-Autobahn von Österreich über den Alpenpass nach Italien gilt als eine der meistbefahrenen Alpentransitstrecken Europas – und der Verkehr nimmt weiter zu. An die 2,25 Millionen Lastwagen ratterten 2017 nach Angaben des Landes Tirol an der Zählstelle in Schönberg vorbei, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Anwohner entlang der Strecke stöhnen über Lärm und Abgase. „Der Schwerlastverkehr ist zur extremen Belastung für die Bevölkerung geworden“, sagt Karl Mühlsteiger, Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Gries am Brenner.

Heute treffen sich unter Leitung von EU-Koordinator Pat Cox die Verkehrsminister von Deutschland, Österreich und Italien sowie Vertreter von Bayern, Tirol, Südtirol und Trentino im Haus der bayerischen Wirtschaft in München. Darunter sind auch Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) und der neue österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer – einst bekannt als Präsidentschaftskandidat der FPÖ.

Auslöser des Treffens ist Tirols Vorgehen, die eigene Autobahn mit einer Blockabfertigung für Lastwagen an der bayerisch-österreichischen Grenze zu entlasten. Mehrmals schon durften höchstens 250 bis 300 Lastwagen pro Stunde die Grenze bei Kiefersfelden passieren. Das führte auf der bayerischen Inntalautobahn A93 zu langen Staus, die bis zur Salzburger Autobahn A8 reichten. CSU-Politiker in Bund und Land wie auch der italienische Spediteursverband „Conftrasporto“ kritisierten die Blockabfertigung, mussten aber mit einigem Erstauen zur Kennntnis nehmen, dass sich der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) mit einer Genehmigung seitens der EU abgesichert hatte. Im Januar hat Platter angekündigt, er werde „diesen Weg im Jahr 2018 fortsetzen“ – und zwar immer dann, wenn nach einem Feiertag mit Lkw-Fahrverbot eine ganze Lastwagen-Lawine im österreichischen Inntal zu erwarten sei. Von 20 bis 30 Blockabfertigungen in diesem Jahr ist die Rede. Außerdem stellt das Land Tirol 50 000 Euro zur Verfügung, um eine dauerhafte mobile Blockabfertigungs-Station bei Kufstein-Süd zu positionieren.

Dass etwas passieren muss, darüber sind sich eigentlich alle einig. Platter geht mit seiner Idee hausieren, eine einheitlich hohe Korridormaut zwischen Trentino und Bayern zu schaffen, und träumt von einer Obergrenze in Höhe von nur einer Million Lkw jährlich. Obwohl die Lkw-Maut in Österreich höher ist als in Bayern und in Südtirol, ist in der Gesamtbilanz eine Route über den Brenner für viele Spediteure günstiger als etwa über die Schweiz. Platter schätzt, dass bei höheren Mautkosten 800 000 Lkw jährlich weniger über den Brenner fahren würden. Verkehrsminister Herrmann wiederum verspricht mehr Anstrengungen, um Lkw auf die Schiene zu verlagern – was aber wohl ein langfristiges Projekt ist.

Die Bürgermeister von Ebbs, Kiefersfelden, Niederndorf, Oberaudorf und Kufstein haben sich mit einem Schreiben an die Teilnehmer des Brenner-Gipfels gewandt und Durchfahrtsverkehr an Skiwochenenden beklagt – noch ein Problem, das gelöst werden soll.

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