Deutschlandweite Studie Wirtschaftsmotor Oberbayern

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Im Speckgürtel boomt die Wirtschaft. Landkreise in Oberbayern sind die großen Gewinner bei einer Studie zur Wirtschaftskraft der Regionen in Deutschland. Der Landkreis München schneidet bundesweit am besten ab. Und Erding belegt den Spitzenplatz in der Kategorie Sicherheit und Lebensqualität.

Deutschlandweite Studie

Wirtschaftsmotor Oberbayern

von Dominik Göttler

München – Der Landkreis München ist die wirtschaftlich stärkste Region Deutschlands. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Magazin „Focus“ in Auftrag gab. Auch die Plätze zwei und drei gehen an Landkreise aus Oberbayern: Pfaffenhofen an der Ilm und Freising komplettieren das Führungstrio. Unter den Top 20 sind allein 17 bayerische Landkreise.

„Wir haben ideale Standortfaktoren“, sagt Andreas Ortner, Wirtschaftsförderer des Landkreises München. Die Nähe zum pulsierenden München, ein dichtes öffentliches Nahverkehrsnetz, Medien- und Forschungsstandorte, der Flughafen in Reichweite – „das sind schon große Vorteile“. Die Investoren stehen Schlange. Zur guten Lage und Infrastruktur kommen niedrige Gewerbesteuerhebesätze der Gemeinden, die damit Firmen in den Landkreis locken. Die Stadt München verlangt 490 Prozent, Grünwald etwa nur knapp die Hälfte. „Aber das ist nur ein Faktor von vielen“, sagt Ortner.

Für die Untersuchung erhob der Kölner Regionalforscher Wolfgang Steinle mit seinem Team mehr als zwei Millionen Daten für alle 402 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Diese Daten wurden in fünf Kategorien ausgewertet: Wirtschaftskraft und Jobs, Firmengründungen, Arbeitsproduktivität und Standortkosten, Einkommen und Attraktivität sowie Sicherheit und Lebensqualität.

Maßstab für die Bewertung der einzelnen Landkreise waren insgesamt 19 Parameter, darunter etwa das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, die Entwicklung der Arbeitslosenquote, Arbeitsentgelte oder das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt. Aber auch Faktoren wie Straßenkriminalität und Wohnungseinbrüche oder die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ab 65 Jahren wurden berücksichtigt.

Der Landkreis München, der die Landeshauptstadt hufeisenförmig umgibt, erlangte seine Spitzenposition in der Gesamtauswertung unter anderem mit zwei ersten Plätzen in den Kategorien Firmengründungen sowie Produktivität und Standortkosten (siehe Grafik oben). In diesen beiden Kategorien schnitt auch der Landkreis Starnberg gut ab und belegte deutschlandweit jeweils den vierten Platz. Der Landkreis Erding belegte sogar den ersten Platz in der Kategorie Sicherheit und Lebensqualität. Allgemein zeigt die Studie, dass die Wirtschaftskraft nicht ausschließlich in den Metropolen liegt, sondern vor allem in den Speckgürteln um sie herum.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Landkreis München in einer derartigen Studie gut abschneidet. Auch in einer Untersuchung des schweizer Prognos-Instituts im Sommer zu den zukunftsfähigsten Regionen Deutschlands hatte der Landkreis den Spitzenplatz belegt – zusammen mit der Landeshauptstadt.

Ortner sagt, Wirtschaftsförderung bedeute im Landkreis München weniger, Investoren für einen Standort zu begeistern – manche Gemeinden können sich vor Anfragen kaum retten – sondern vielmehr, die Interessenten gleichmäßig auf die Kommunen zu streuen und Netzwerke zu bilden.

Aber die Wirtschaftskraft bringt auch Probleme: Denn irgendwo müssen die Mitarbeiter der vielen Unternehmen schließlich wohnen. „Die Flächen sind endlich“, sagt Ortner. Mittlerweile pendeln mehr Menschen aus der Landeshauptstadt in den Landkreis als andersherum. „Da gibt es viel zu tun.“ Stolz über das gute Abschneiden sei deshalb unangebracht.

Zu kämpfen haben ganz andere Regionen: Auf dem letzten Platz des Vergleichs landet wie im Vorjahr die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt, davor Bottrop im Ruhrgebiet und Frankfurt an der Oder in Brandenburg. Bayerisches Schlusslicht ist die Stadt Hof auf Rang 374 von 402.

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