Deutscher Alpenverein

Die Gipfel der Digitalisierung 

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Der Deutsche Alpenverein startet eine Digitalisierungsoffensive. Bergsteiger sollen ihre Schlafplätze künftig online buchen und auf Hütten mit EC-Karten zahlen können. Einige Wirte machen das bereits möglich – und haben seitdem seltener leere Betten.

Von Katrin Woitsch

München – Arthur Lanthaler ist seit 30 Jahren Hüttenwirt. Damals, als er Anfang der 80er Jahre auf der Müllerhütte in den Stubaier Alpen anfing, kündigten sich Übernachtungsgäste noch mit Postkarten an. „Telefonische Reservierungen waren damals noch nicht möglich“, erzählt der 57-Jährige. Es war eine Zeit, als Bergwanderer den Alltag im Tal lassen mussten. Auf den Hütten gab es keine Telefone – von Internet und Wlan ganz zu schweigen.

Diese Zeiten haben sich geändert. Heute ist Lanthaler Wirt der Geraer Hütte in den Zillertaler Alpen. Und er ist Vorreiter. Denn seine Hütte ist eine von den wenigen, die Reservierungen online entgegennimmt und auf der Gäste problemlos mit EC-Karte bezahlen können. „Für uns Hüttenwirte ist es ein Problem, dass viele Gäste in mehreren Hütten reservieren und sich dann spontan entscheiden, wo sie übernachten“, erzählt er. Diese Situation hatte Arthur Landthaler immer wieder. Er hatte anderen Bergsteigern abgesagt, Personal eingeteilt, Lebensmittel besorgt – und dann war die Hütte am Wochenende doch halb leer. Die angekündigten Gäste hatten nicht mal abgesagt.

Deshalb hat Lanthaler schon vor sieben Jahren umgestellt. Reservierungen nimmt er seitdem online über seine Internetseite entgegen. Gäste zahlen zehn Euro an – den Betrag bekommen sie aber komplett zurück, wenn sie zwei Wochen vor der Übernachtung stornieren. „So können wir besser planen und müssen seltener bei Anfragen absagen“, erklärt Arthur Lanthaler.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) will seine Digitalisierungsoffensive in diesem Jahr vorantreiben. Zur Sommersaison sollen Hüttenbesucher ihren Schlafplatz online buchen können. Deshalb hat der DAV eine Software gekauft und weiterentwickelt, um ein flächendeckendes System für seine Hütten einzuführen. „Das Langzeitziel wäre ein alpenweites System“, sagt Vize-Präsident Roland Stierle. Er geht davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren 90 Prozent der Alpenvereins-Hütten das neue System verwenden werden. Der DAV stellt ihnen für 175 Euro die Software zur Verfügung – Hüttenwirte, die nicht im Alpenverein sind, können sie für den doppelten Preis kaufen. „Es hat viele Vorteile, wenn die Hütten gut vernetzt sind“, sagt Stierle. Zum Beispiel haben es Bergsteiger leichter, sich Touren zusammenzustellen. Sie können online auf einen Blick sehen, wie viele Betten und Lager in der Unterkunft bereits belegt sind. 25 Prozent der Schlafplätze werden jedoch immer für Kurzentschlossene freigehalten, versichert Stierle. So wie bisher auch.

Das System ist auch geeignet für Hütten, die keine Internetverbindung haben. Sie müssen nur telefonisch mit ihrem Büro im Tal in Verbindung stehen. Arthur Lanthaler hat es noch leichter. In zwölf Kilometer Entfernung zu seiner Hütte steht ein Mobilfunkmast. Er hat eine gute Internetverbindung auf seiner Hütte. Vor einigen Jahren hat er einmal den Fehler gemacht und seinen Gästen einen freien Wlan-Zugang angeboten. Das hat nicht nur die Kapazitäten seiner Internetverbindung gesprengt – sondern vor allem die Atmosphäre auf der Hütte verändert. Hat er schnell gemerkt und rückgängig gemacht. Das war damals einfach ein Schritt Digitalisierung zu viel.

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