Denkmalpflege im Denkmal

Im einstigen Pferdestall von Schloss Nymphenburg liegen nun die Werkstätten der Bayerischen Schlösserverwaltung. Prinzregent Luitpold steht zum Duschen bereit.

Oder vielmehr seine Skulptur. Sie wurde bereits im 19. Jahrhundert von Bildhauer Wilhelm von Rümann angefertigt und ist etwas in die Jahre gekommen, der einstmals schneeweiße Marmorsockel mittlerweile gräulich-dunkel.

Höchste Zeit für einen Besuch in Schloss Nymphenburg. Denn hier befinden sich die Werkstätten des Restaurierungszentrums der Bayerischen Schlösserverwaltung. Früher waren sie über das Schlossareal verteilt, in nicht besonders arbeitsfreundlichem Zustand. Doch der Freistaat Bayern hat drei Millionen Euro in die Hand genommen und sämtliche Werkstätten innerhalb von vier Jahren modernisiert, aus- und umgebaut. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Auch Finanzstaatssekretär Johannes Hintersberger (CSU) ist sichtlich begeistert von den neuen Arbeitsplätzen der 50 Mitarbeiter, die sich um Konservierungs- und Restaurationsangelegenheiten in den 45 Schlössern und Burgen der Verwaltung kümmern. Am Mittwoch kam er zum Ortsbesuch ins Schloss, um sich die völlig verwandelten ehemaligen Stallungen anzuschauen. Die einstigen Pferdeunterbringungen haben sich in fünf lichte, atelierartige Räume verwandelt. In ihnen arbeiten die Restauratoren an Gemälden, Skulpturen, Möbeln und Holzobjekten. Vom Vergolder über den Gürtler bis hin zum Kirchenmaler haben sie alle nun modernste technische Infrastruktur. „Nicht alles können wir selbst stemmen. Wir beauftragen auch viele externe Restaurateure“, sagt Katrin Janis, Leiterin des Restaurierungszentrums.

Die besonders kniffligen Fälle aber kommen hierher. Fälle wie das eiserne Balkongitter des neuen Schlosses Schleißheim. Anfang der 1720er Jahre war es von dem Pariser Kunstschlosser Antoine Motté angefertigt worden, mit goldenen Blättern verziert. Kunsthandwerk erster Güte. Doch auch hier haben die vielen Jahre ohne Schutz gegen die Witterung ihre Spuren hinterlassen: Einige Blätter sind längst abgefallen, das Gold ist teils matt, teils völlig verschwunden. Die Objektrestauratoren formen in detaillierter Kleinarbeit die Blätter originalgetreu nach, legen Blattgold-Schicht um Blattgold-Schicht auf, um den Glanz neu erstrahlen zu lassen. Gerade für Arbeiten an mehreren Meter großen Objekten wie diesem sind die neuen Werkstätten ein Segen: „Früher war alles viel beengter, da hätten wir ein solches Gitter nicht ohne Weiteres herschaffen können“, betont Janis. „Das ist eine enorme Erleichterung für unsere Mitarbeiter.“

Dabei ist der Ort, an dem die Denkmalpflege stattfindet, selbst ein Denkmal. Auf jedes Detail wurde bei der Sanierung der Stallungen geachtet: Vom Pferdetrog bis zu den -boxen: „Wir waren bemüht, so viel wie möglich vom ursprünglichen Raum zu erhalten“, sagt Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Das ist gelungen: Weil die Arbeitsplatzvorschriften vorsehen, dass Büro- und Handwerks-Räume getrennt sein müssen, haben sie für jeden Raum kreative und zugleich ästhetisch ansprechende Lösungen gefunden: Die Goldwerkstätte beispielsweise durchzieht nun eine Galerie mit Platz für Büroarbeiten, in anderen Räumen wurden die Pferdeboxen zu Schreibtischplätzen umfunktioniert – so ist nun ein schnelles gegenseitige Koordinieren und Absprechen möglich, gleichzeitig der Arbeitsschutz gewährt.

„Das ist wirklich mustergültig gelöst“, jubelt denn auch Finanzstaatssekretär Hintersberger. „In solche Pferdeboxen hockt man sich doch gern.“ Katja Kraft

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