„Das ist mein Fußabdruck in seinem Gesicht“

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Es war eine Blitz-Attacke im U-Bahnhof: Drei Männer werden brutal verprügelt, einer von ihnen stürzt ins Gleis – und hat Glück, dass kein Zug kommt. Die zwei Täter haben die Tat nun vor Gericht gestanden. Der Anlass: ein Rempler.

prozess um prügelei im U-Bahnhof    

Es war eine Blitz-Attacke im U-Bahnhof: Drei Männer werden brutal verprügelt, einer von ihnen stürzt ins Gleis – und hat Glück, dass kein Zug kommt. Die zwei Täter haben die Tat nun vor Gericht gestanden. Der Anlass: ein Rempler.

von ann-kathrin gerke

Die Situation auf dem Video, das gestern im Saal B275 des Landgerichts gezeigt wird, sieht zunächst harmlos aus. Drei Männer laufen den Bahnsteig der U4/U5 am Hauptbahnhof entlang, zwei andere kommen ihnen entgegen. Es ist der 13. Oktober 2013, 1.50 Uhr. Als sich die Gruppen treffen, rempeln zwei der Männer aneinander – und dann geht alles ganz schnell: Das Duo geht auf das Trio los, sie schlagen und treten mehrere Male zu. Der erste Faustschlag trifft eines der Opfer so heftig, dass der 41-Jährige ins Gleisbett stürzt. Wenige Sekunden später rennen die Täter davon, lassen die anderen beiden Kontrahenten am Boden zurück. Regungslos.

Wie heftig die Tritte waren, zeigen später Fotos: Eines der Opfer hat einen Fußabdruck im Gesicht. „Das ist meiner“, sagt Patryk Z. (22) gestern vor Gericht. „Sie haben Ihren eigenen Fußabdruck im Gesicht des Opfers erkannt?“, fragt der Richter. Patryk Z. nickt. Leugnen kann er den Tritt angesichts der Aufnahme sowieso nicht. Und so gestehen der 22-jährige Maler und sein Cousin Mateusz K. (24) gestern die Tat, die sie wegen gefährlicher Körperverletzung auf die Anklagebank brachte. „Es tut uns leid“, sagen sie.

Bei der Polizei ist von dieser Reue in jener Nacht allerdings noch nichts zu spüren. „Sie wirkten, als fänden sie das alles sehr lustig“, erinnert sich eine Beamtin. Sie und ihre Kollegen nahmen die beiden Täter in Empfang, nachdem eine Streife der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sie noch im Bahnhof gestellt hatte. Auf der Wache, da sind sich die Beamten einig, hätten beide Männer viel gelacht. „Wenn man gefragt hat, warum sie die Tat begangen haben, haben sie nur mit den Schultern gezuckt“, sagt die Polizistin. Ihr Kollege berichtet sogar, dass Mateusz K. noch versucht habe, die Dolmetscherin anzubaggern.

Heute sagen beide: „Wir waren betrunken.“ Tatsächlich wurden bei Z. 1,67 Promille, bei K. 2,27 Promille gemessen. „Das hat man ihnen aber überhaupt nicht angemerkt“, sagt die Beamtin. Auch der Vorsitzende Richter sagt angesichts des Videos: „Das sieht schon noch recht sportlich aus, wie die beiden da weglaufen.“ Die Frage, inwieweit die Männer alkoholbedingt enthemmt waren, wird für das Urteil von Bedeutung sein.

Fest steht: Alle drei Opfer hatten großes Glück. Ins Gericht kommen sie unversehrt, alle Wunden sind verheilt. Lagerarbeiter Michael B. (41) war es, der vom ersten Faustschlag getroffen ins Gleis stürzte. Bis zur Einfahrt des nächsten Zuges waren es zu der nächtlichen Stunde jedoch noch gute 20 Minuten. Sein Schwager Maximilian H. (30) und dessen Bruder Christian R. (38) – das Trio war zuvor zusammen Dart spielen gewesen – trugen blaue Flecken davon, Christian R. außerdem eine gebrochene Nase. Ihm trat Mateusz K. ins Gesicht, daran kann er sich aber nicht erinnern. „Ich war kurz bewusstlos.“ Er habe die Täter nach dem Rempler gefragt, was das soll – „da habe ich gleich eine mit der Faust bekommen“. Und dann ist da noch der Fußabdruck im Gesicht von Metzger Maximilian H. (30). Die Polizei hat die Verletzung rekonstruiert und eine Maske anfertigen lassen. Sie zeigt deutlich das Profil des Schuhs, das Patryk Z. sich nun vor Gericht selbst zugeordnet hat. Trotzdem: Maximilian H. nimmt die Entschuldigung seines Angreifers an. Christian R. hingegen entgegnet nur: „Nein.“

Der Prozess dauert an. Möglicherweise werden in den nächsten Tagen auch zwei Männer und eine Frau gehört, die am Bahnsteig in unmittelbarer Nähe standen. Das Video zeigt: Sie griffen erst ein, als die Täter schon weg waren.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare