Aus für einen rentablen Standort?

Danone-Mitarbeiter in Rosenheim geschockt: "Hier herrschen Frust und Wut"

Das Danone-Werk in Rosenheim soll Ende Juli 2021 dicht machen.
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Das Danone-Werk in Rosenheim soll Ende Juli 2021 dicht machen.
  • Anton Maier
    vonAnton Maier
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Einen Tag nach der Hiobsbotschaft zur Schließung des Danone-Standorts Rosenheim im Juli 2021 liegt Schockstarre über dem Werk. Es gebe zahlreiche ältere Beschäftigte, die auf Danone gebaut hätten und immer loyal gewesen seien. Die Gewerkschaft NGG fordert, die Entscheidung zu überdenken.

Rosenheim - „Hier herrschen Wut und Frust“, beschreibt ein Mitarbeiter die Stimmung in der Belegschaft im Danone-Werk an der Schönfeldstraße in Rosenheim.

„Viele Kollegen sind der Meinung, dass die Geschäftsleitung zu wenig dafür getan hat, Produkte ins Werk zu holen“, sagt der Mitarbeiter. So habe Danone Aufträge nach außen vergeben, „die hätten auch im Werk in Rosenheim gefertigt werden können“.

Vorwurf: Danone lässt lieber woanders billiger produzieren

Das Unternehmen habe für eine höhere Marge lieber woanders billiger produzieren lassen. Angesichts der Tatsache, dass das Werk in Rosenheim trotz allem schwarze Zahlen schreibe, sei die Entscheidung umso unverständlicher.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte die geplante Schließung ebenfalls hart und forderte das Unternehmen auf, die Entscheidung zu überdenken. „Das Rosenheimer Werk ist einzigartig, weil es auch kleine Menge produzieren kann. Damit ist der Standort ein wichtiges Labor für die neuen Milchprodukte, die der Weltmarktführer derzeit testet“, sagt Manuel Halbmeier von der NGG Rosenheim-Oberbayern.

Danone: „Haben ständig nach Produkten geschaut“

Danone Deutschland wies auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen zurück, dass eine Fremdfirma im Auftrag Produkte hergestellt habe, die auch in Rosenheim gefertigt werden könnten. „Wir haben ständig nach Produkten geschaut, die wir in Rosenheim hätten produzieren können, dies wäre ohne größere Investitionen jedoch nicht möglich gewesen“, teilte das Unternehmen mit.

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Auf das Thema schwarze Zahlen angesprochen, verwies Danone erneut auf den massiven Rückgang der Auslastung in den vergangenen zehn Jahren. Das Werk sei auf lange Sicht schlicht nicht profitabel zu betreiben.

Milchbauern in Ungewissheit: Wer übernimmt nun die Lieferanten von Danone

Vor einer ungewissen Zukunft stehen nicht nur die rund 160 Beschäftigten, sondern auch die etwa 300 Landwirte aus der Region Rosenheim, die das Danone-Werk mit rund 70 Millionen Tonnen Milch pro Jahr beliefern. Sie brauchen ab Juli kommenden Jahres einen neuen Abnehmer. In der weiteren Umgebung kommen da mehrere andere Molkereien in Betracht, zum Beispiel Meggle und Bauer in Wasserburg, Bergader in Waging oder Alpenhain in Pfaffing.

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Auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen zeigen sich die Unternehmen zugeknöpft. Bauer lässt sich zumindest entlocken, man könne „noch nicht beurteilen, welche genauen Auswirkungen die Schließung haben wird“. Von der Milcherzeugergemeinschaft Rosenheim-Bad Aibling bezieht die Privatmolkerei Bauer nach eigenen Angaben bisher einen geringen Teil ihrer Milch.

"Danone hat gute Preise bezahlt"

Der Verlust von Danone wird jedenfalls wehtun, bestätigt Philipp Moosner, Milchbauer in Raubling: „Danone hat gute Preise bezahlt. Das werden wir so schnell nicht wieder erreichen können.“ Hans-Jürgen Seufferlein vom Verband der Milcherzeuger Bayern befürchtet, dass es in der aktuellen Situation nicht ganz leicht wird für die Rosenheimer Milcherzeuger, einen neuen Abnehmer zu finden.

Doch Moosner sieht keinen Grund, um in Panik zu verfallen. „Wir sind krisenerprobt.“ Die erste Anfrage eines neuen Abnehmers sei schon gekommen.

Ideen aus der Politik für die Nachnutzung des Danone-Werkes

Auch aus der Politik meldeten sich am Donnerstag weitere Stimmen. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Robert Metzger teilte mit, er mache sich große Sorgen angesichts des Verlusts von 160 Arbeitsplätzen in Rosenheim. Angesichts des wirtschaftlichen Wandels müsse man sich „intensiv Gedanken über die künftige Ausrichtung des Wirtschaftsstandortes Rosenheim machen“.

Die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl (Grüne) forderte, den Standort fortzuführen. Sie schlug vor, mit der Gründung einer Genossenschaft eine starke Regionalmarke zu schaffen. Dafür könne man eventuell staatliche Fördermittel erhalten, so Sengl.

Den traditionsreichen Milchverarbeitungsstandort zu erhalten, wäre auch aus Sicht der Stadtverwaltung ideal. „Im besten Fall findet sich ein Unternehmen aus derselben Branche, das Interesse an einer Übernahme des Werks hat“, sagte Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Falls dieses Wunsch-Szenario nicht eintritt, stecke das gewerbliche Umfeld um das Werksgelände den Rahmen für die künftige Nutzung ab.

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