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Unglück in der Starzlachklamm

„Da verschwindet Stein um Stein“: Zeuge berichtet wie die Klamm zur Todesfalle wurde

Notfall in der Starzlachklamm: Die Freizeitsportler wurden im Allgäu vom steigenden Wasser überrascht.
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Notfall in der Starzlachklamm: Die Freizeitsportler wurden im Allgäu vom steigenden Wasser überrascht.
  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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In der Starzlachklamm im Allgäu sind am Samstag (3. September) Freizeitsportler von einer Springflut überrascht worden. Eine Frau (27) starb dabei. Redakteur Hans Moritz wurde Zeuge des Unglücks. Hier beschreibt er, was in der Klamm geschah.

Sonthofen – Wir, meine Frau, mein Sohn Laurin (10) und ich, hatten noch gescherzt, was das für ein braver Wildfluss sei, die Starzlach bei Sonthofen, die eher plätscherte als rauschte auf ihrem Weg in die Iller. Wir wollen sie durchsteigen. Auf dem Weg dorthin geraten wir in einen Platzregen. Binnen Minuten sind wir durchnässt. Wir ahnen nicht, was dieser Duscher für Folgen haben soll. 

Beim Betreten der Klamm scheint wieder die Sonne. Wir amüsieren uns über die Canyoning-Gruppe, die eine steinerne Rinne als Wasserrutsche nutzt. Die Gaudi ist groß. Immer wieder schwimmen Wassersportler ein paar Meter unter uns vorbei, springen in Gumpen oder seilen sich ab. Die Stimmung ist gelöst.

Es ist jetzt 15 Uhr, wir stehen auf einer Brücke und beobachten eine Gruppe, die von Guides erst durch ein Loch zwischen Felsen abgeseilt und dann, mit Karabinern gesichert, am Fluss entlang geführt werden. Meiner Frau fällt auf: „Schau mal, das Wasser steigt aber schnell.“ Es vergehen keine zwei Minuten, da verschwindet Stein um Stein, das Wasser ist jetzt dreckig braun. Jetzt beginnen auch die Wassersportler hektisch zu werden. Sie werden von ihren Führern flussabwärts gedrängt, an eine Stelle, wo sie den nun reißenden Gebirgsbach verlassen können. 

Wir beschließen, erst einmal nicht weiterzugehen, sondern die Gruppe fast unter uns im Auge zu behalten. Keine Minute später winkt uns ein Führer herbei. Er und eine Kollegin versuchen, uns ein Seil zuzuwerfen, um aus dem Fluss zu klettern. Mehrere Versuche scheitern. Frau und Sohn laufen los, um einen Stock zu suchen. Ich setze einen Notruf ab, das Wasser steigt noch immer. Gut 20 Personen dürften noch in Lebensgefahr sein. Ich muss ins Handy brüllen, damit mich der Disponent in der Leitstelle Kempten versteht. Er verspricht, Feuerwehr, Wasser- und Bergwacht sowie einen Hubschrauber zu schicken. 

Endlich kommen von oben ein paar Sportler, die es aus der Starzlach geschafft haben. Sie haben ein Seil dabei. Wir verknoten es am Stahlgeländer und werfen das andere Ende in die Schlucht. In den nächsten 15 Minuten gelingt es uns, vier Menschen drei, vier Meter in die Höhe zu ziehen und ihnen über das Geländer zu helfen. Ich bewundere die Wassersportler. Die Angst steht ihnen ins Gesicht geschrieben, doch in Panik gerät keiner.

„Steigt das Wasser weiter, dann haben sie keine Chance“

Ein paar Meter weiter entdecken wir unter einem Felsvorsprung mehrere junge Leute auf der anderen Uferseite. Da kommen wir nicht ran. Steigt das Wasser weiter, dann haben sie keine Chance. Wir laufen Richtung Schlucht-Ausgang, als uns die ersten Feuerwehrler entgegenkommen. Wir schildern, was passiert ist, und wo noch Menschen festsitzen, darunter ein Mann, der auf einem Stein steht, umtost von Wasser. Wäre er ausgerutscht, wäre das wohl sein Tod gewesen. Auf einem Felsvorsprung liegt regungslos ein schwer verletzter Guide. Aber er lebt.

Notfall in der Starzlachklamm: Mit Seilen werden die Sportler hochgezogen.

Und jetzt sind auch Berg- und Wasserwacht da. Doch plötzlich heißt es, in einer Gruppe fehle eine Teilnehmerin. Die 27-Jährige wird trotz intensiver Suche mit Hubschraubern und einer Drohne bis Einbruch der Dunkelheit nicht gefunden. Am nächsten Tag erfahren wir, dass sie tot aus der Starzlachklamm geborgen wurde. Ich bin erschüttert.

Was wir nicht verstehen: Warum haben die Gruppen die Klamm nicht sofort verlassen, als es so heftig regnete? Ein Guide erzählte mir, dass er in 13 Jahren noch nie eine so heftige Springflut erlebt habe. Diese Wassermassen seien nicht vorhergesagt gewesen. Am Abend des Unglücks fahren wir nach Ofterschwang zurück, wo wir übernachten. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Keiner von uns kann nach diesen Stunden in der Klamm einschlafen. 

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