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CSU-Stadtrat belastet OB Wolbergs schwer VON STEFAN AIGNER

CSU-Stadtrat belastet OB Wolbergs schwer. VON STEFAN AIGNER.

Regensburg – Der Zeuge hat Durst. Er hat gerade eine Stunde geredet. Als er hinüberschaut zur Bank, wo keinen Meter entfernt der Mann sitzt, gegen den er gerade ausgesagt hat, greift der zur Wasserflasche und reicht sie ihm. „Da. Nimm“, sagt Joachim Wolbergs. „Danke dir“, erwidert Christian Schlegl. Für einen kurzen Moment scheint alles ein bisschen wie früher zu sein, 2008 bis Anfang 2014, als Schlegl und Wolbergs noch gut zusammengearbeitet haben. In einer großen Koalition, wo Wolbergs Dritter Bürgermeister und Schlegl Chef der CSU-Fraktion im Stadtrat war, und im Aufsichtsrat des SSV Jahn Regensburg, dem damals dauerklammen Fußballclub.

Heute steht Wolbergs vor Gericht, angeklagt wegen wegen Vorteilsannahme und Verstoß gegen das Parteiengesetz, und Schlegl gilt beim „Komplex SSV Jahn“ als wichtigster Belastungszeuge. Er soll den Beweis liefern, dass es einen Zusammenhang gab zwischen dem millionenschweren Engagement des mitangeklagten Baulöwen Volker Tretzel bei dem Fußballclub – 2,8 Millionen Euro flossen allein während Wolbergs’ Amtszeit – und der Vergabe eines städtischen Grundstücks an dessen Unternehmen.

Zentral ist ein Gespräch, das Schlegl am Rande einer Aufsichtsratssitzung des SSV im Vorfeld der Vergabe mit Norbert Hartl geführt haben will. Der frühere SPD-Fraktionschef wird der Beihilfe beschuldigt. „Der Tretzel muss das Grundstück kriegen, weil der Jahn Geld braucht“, soll Hartl sinngemäß zu Schlegl gesagt haben. Diesen Satz bekräftigt Schlegl auch am Donnerstag. Darüber hinaus habe der Zusammenhang SSV Jahn/Grundstücksvergabe öfter „unausgesprochen im Raum gestanden“.

Immer wieder, fast zu oft, betont Schlegl, dass seine Aussage „keine Revanche“ gegen Wolbergs sei, gegen den er bei der OB-Wahl 2014 krachend unterlegen war, dass ihm der Angeklagte leidtue. Aber die Vergabe an Tretzel im Oktober 2014 sei nun mal ein „politischer Wahnsinn“ gewesen. Es habe bessere Bewerber gegeben. Schlegl trat unmittelbar vor der Vergabe aus dem Aufsichtsrat des Vereins zurück. Die CSU stimmte gegen die Vergabe.

Erst 2016 begannen die Ermittlungen zu Bauträgerspenden und Grundstücksvergaben in Regensburg, die Wolbergs kurzzeitig in Untersuchungshaft und nun auf die Anklagebank gebracht haben, sich aber nun auch gegen CSU-Politiker richten. Unter ihnen auch Schlegl. Gegen ihn laufen zwei Ermittlungsverfahren.

Als die Verteidiger Schlegl befragen, taucht doch die eine oder andere Erinnerungslücke auf. Er verwechselt Daten und Termine, wird schwammig, wo nach Konkretem gefragt wird. „Ich sitze jetzt über vier Stunden hier, da kommt man mal durcheinander“, entschuldigt sich der Zeuge. „Andere müssen 70 Tage hier sitzen und waren im Gefängnis“, platzt es da aus dem Angeklagten heraus. Wie früher ist es eben schon lange nicht mehr.

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