Wahlspruch: "Jetzt pack ma's an!"

Ein knackiger Frauenhintern in Lederhose: Sexistische Wahlwerbung sorgt für Shitstorm

Plakatwerbung, die ins Auge sticht – aber auch die Kritiker auf den Plan gerufen hat. Weil der Shitstorm im Netz zu groß geworden ist, sogar von Sexismus die Rede war, hat die Junge Union ihre Plakataktion gestoppt. Honervogt
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Was vom Ortsverband der Jungen Union in Mettenheim als witzige Wahlwerbung gedacht war, wurde in den sozialen Netzwerken zum Ziel eines regelrechten Shitstorms. Frauenfeindlichkeit und Sexismus mussten sich Vorsitzender Hubert Sax und seine Mitstreiter gefallen lassen. Wie die JU nun darauf reagiert.

Mettenheim – Jetzt ist der CSU-Nachwuchs auf die Kritik eingegangen, hat sämtliche Plakate wieder abgenommen und sich auch entschuldigt.

Plakate der Jungen Union sollten „Eyecatcher“ sein

„Mit unserem Plakat wollten wir einen Eyecatcher erzeugen und uns von den üblichen Wahlplakaten abheben. Jedoch sind wir damit wohl über das Ziel hinausgeschossen“, teilte die Junge Union Mettenheim gestern mit und betonte in ihrer Stellungnahme, dass sie nicht sexistisch sein wollten.

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Weiter heißt es in der Reaktion auf die Kritik, die vor allem über Facebook auf die Jungpolitiker eingeprasselt war: „Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Frauenfeindlichkeit und wollten damit keinesfalls unter die Gürtellinie gehen. Deshalb haben wir vorsorglich diese Plakate entfernt.“

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Die JU Mettenheim ist die einzige Gruppierung von Jung-CSUlern im Landkreis Mühldorf, die neben der örtlichen CSU mit einer eigenen, jungen Liste in den Kommunalwahlkampf starteten. Elf Bewerber zwischen 21 und 33 Jahren hatten sich gefunden, die sich bei der Nominierungsversammlung vor wenigen Wochen für eine Kandidatur um ein Gemeinderatsmandat bereit erklärt hatten – zehn Männer und eine Frau. Einig waren sich die jungen Mettenheimer damals bei der Versammlung, dass alle in den kommenden Wochen „g‘scheid Gas geben müssen“.

Die Plakate dafür waren dann offenbar zuviel des Guten. Denn kaum waren sie aufgehängt, meldeten sich auch schon die ersten Kritiker auf Facebook zu Wort. „Welches Jahr haben wir gleich nochmal? Es gibt Dinge, die kann man sich nicht ausdenken“, heißt es an einer Stelle. „Ob man so junge Frauen für ein politisches Engagement begeistern kann?“, lautete eine Frage. „Das ist eine unglaubliche Entgleisung, schämt euch!“, schimpfte einer. Und: „Dazu passt, dass die Mettenheimer JU auf der Liste zehn Männer und eine Frau hat!“

Junge Union Mettenheim stoppt die Aktion

Die Aktion ist mittlerweile gestoppt, die Plakate sind abgehängt. Viel Demut ist aus Reihen der JUler herauszuhören, aber auch der klare Hinweis darauf, dass man niemanden kränken wollte. Dabei hatte der Bürgermeisterkandidat der CSU im Ort, Josef Eisner, die jungen Leute bei der Aufstellungsversammlung noch darauf eingeschworen: „Wir müssen zum Bürger hingehen und anders als bisher mit ihnen reden!“

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Eine unkonventionelle Vorgehensweise hatte Eisner proklamiert. Doch gleich so unkonventionell? Damit hat der CSU-Nachwuchs wohl über das Ziel hinaus geschossen.

Genügend Unterstützer für die JU in Mettenheim

Die Zustimmung aus der Bevölkerung hat darunter aber offenbar nicht gelitten. Denn um bei der Kommunalwahl überhaupt antreten zu dürfen, bedurfte es Unterstützerunterschriften.

80 waren nötig, damit die JU-Liste zugelassen wird. Am Donnerstagnachmittag meldete das Rathaus bereits 123. Diese Hürde ist damit genommen.

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