Coronavirus: Wie gefährlich ist der Sommerurlaub? – Davor warnt der Gesundheitsminister

Freuen Sie sich schon auf Ihren Sommerurlaub – oder haben Sie Sorge vor einer zweiten Welle an Infektionen, die bis an die Strände schwappt? Derzeit scheint vieles von der Vernunft der Reisenden abzuhängen. 

  • Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat gemeinsam mit dem RKI eine Pressekonferenz gegeben
  • Er pocht vor allem auf Einhaltung der Hygiene- und Abstandregeln 
  • Leichtsinnige Party-Urlauber gelten als großes Risiko – das Fliegen eher weniger


Berlin (dpa) - Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürger vor Nachlässigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt und eindringlich aufgerufen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. "Die Gefahr einer zweiten Welle ist real", sagte Spahn am Montag in Berlin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. 

"Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird", sagte er. Dort, wo miteinander gefeiert werde, sei das Risiko besonders hoch. Feiern im österreichischen Skiort Ischgl gelten als einer der Ausgangspunkte für die Verbreitung des Coronavirus auch in Deutschland. 

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Leichtsinn in Frankreich und auf Mallorca

Bezug nahm der Gesundheitsminister vor allem auf die jüngsten Vorfälle in

Mallorca

und

Nizza

An der Playa de Palma hatten Hunderte Touristen unter Missachtung der Vorsichtsmaßnahmen hemmungslos gefeiert, im französischen Nizza waren es hunderte bei einem Konzert gewesen. 

"Ich bin jetzt wirklich kein Spielverderber oder Spaßverderber oder Feierverächter - aber es ist halt grad nicht die Zeit dafür." Denn Abstandhalten und Mund-und Nasen-Schutz gelten nach wie vor als sicherste Mittel, um die Übertragung des Virus zu vermeiden. Daher tritt, spätestens nach den Vorfällen, nun in Mallorca auch  eine weitgehende Maskenpflicht in Kraft. 

Wer sich weiter nicht daran halte, so Spahn, erhöhe während der Rückreise im Flugzeug und dann zu Hause das Risiko für viele andere. 

Ansteckung im Flugzeug eher unwahrscheinlich

Doch: Nach Angaben des Flugzeugherstellers Airbus soll das Belüftungssystem in Passagierflugzeugen für eine saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko sorgen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Die Luft im Flugzeug, eine Mischung aus Außenluft und recycelter Kabinenluft, wird alle zwei bis drei Minuten komplett erneuert und in der Klimaanlage durch Filter geleitet. „Sie atmen nicht in Reihe 20 die verbrauchte Luft aus Reihe fünf ein“, versichert Jean-Brice Dumont, Chefingenieur von Airbus dem Handelsblatt.

Von einem Ansteckungsfall in einem Flugzeug ist laut BR auch nichts bekannt. 

Maskenpflicht im Flugzeug

Ein Mund-Nasen-Schutz muss bis zunächst 31. August an Bord von allen Maschinen des Lufthansa-Konzerns getragen werden., meldet der ADAC. Dazu zählen auch die Fluggesellschaften Swiss, Austrian Airlines, Eurowings und Brussels Airlines.

Im Flugzeug ist der Bordverkauf eingestellt und der Bordservice in allen Klassen verringert. Alle Toiletten sind mit Desinfektionsseifen ausgestattet.

Auch Fluggäste des Ferienfliegers Condor und des britischen Billigfliegers Easyjet müssen während des Fluges einen selbst mitgebrachten Mund-Nasen-Schutz tragen. Auf den Toiletten sind zusätzlich zu den Seifenspendern keine Desinfektionsmittel geplant. Der Bordservice ist eingeschränkt.

Die irische Fluglinie Ryanair ordnet ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz an. Passagiere sollen sich außerdem regelmäßig die Hände zu waschen und in den Flughafenterminals Handdesinfektionsmittel benutzen. Es gibt einen begrenzten Bordservice mit verpackten Snacks und Getränken.

https://www.adac.de/news/fliegen-corona/, so der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Da Abstand halten nicht überall möglich ist (u.a. an den Sicherheitskontrollen und bei der Gepäckentgegennahme), gilt in den Flughafengebäuden eine generelle Maskenpflicht, so der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Rückflug-Garantie

Mit einer "Rückflug-Garantie" will die Lufthansa Sorgen vor Reisen in der Corona-Krise entgegentreten. Wer zurück nach Deutschland wolle, den bringe man zurück, erklärt die Airline. Mögliche Gründe dafür seien ein Einreiseverbot am Zielort wegen erhöhter Temperatur, eine Quarantäneregelung oder ein erneuter Ausbruch des Virus im Gastland. Die Garantie gilt bis auf weiteres für alle europäischen Routen, unabhängig vom gebuchten Tarif, für alle Kunden. 

Es muss keine zweite Welle geben

"Die meisten wissen, dass Gruppreisen zum Ballermann, dass Großveranstaltungen, dass Umarmen zur Begrüßung oder das Einkaufen ohne Maske momentan keine guten Ideen sind", sagte Spahn. "Wir haben besser gelernt, mit dem Virus zu leben, und wir wissen auch mehr über dieses Virus." Allein in der vergangenen Woche seien etwa knapp 500 000 Menschen auf das Virus getestet worden, 175 000 mehr als noch vor vier Wochen. Laut Wieler können in Deutschland derzeit 1,1 Millionen Menschen pro Woche auf Corona getestet werden.

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Weltweit sei die Zahl der Corona-Fälle innerhalb von nur fünf Tagen von 11 auf mehr als 12 Millionen gestiegen, sagte der RKI-Präsident. "Diese Pandemie ist weltweit wirklich sehr, sehr stark unterwegs."

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