Stimmen zu den neuen Corona-Maßnahmen

Reaktionen auf erwarteten Lockdown: Wirtschaft, Einzelhandel, Kultur und Gastronomen warnen

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt auch in Hessen rasant. Die Gastronomie könnte zum ersten Opfer eines zweiten Lockdowns werden (Symbolbild).
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Leere Plätze, soweit das Auge reicht. Die Gastronomie könnte zum ersten Opfer eines zweiten Lockdowns werden (Symbolbild).

Deutschland steuert auf einen zweiten Corona-Lockdown ab dem 2. November zu. Alles deutet darauf hin, dass sich Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder darauf einigen. Die Reaktionen darauf reichen von Verständnis bis Fassungslosigkeit.

Berlin/München (dpa/ki) – Seit Wochen steigt die Zahl der Neu-Infektionen mit dem Coronavirus. Immer lauter wurde der Ruf nach einem Gegensteuern. Ein Ruf, den Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer nun zu hören scheinen. Sie willen reagieren. Mit Maßnahmen, die de facto einen zweiten Lockdown für die Bundesrepublik Deutschland bedeuten würden. So reagieren die Betroffenen aus verschiedenen Bereichen auf das, was nun wahrscheinlich kommt.

Die Wirtschaft

Die zweite Corona-Welle gefährdet nach Einschätzung von Volkswirten den Aufschwung in Deutschland. «Die Wirtschaft lässt sich nicht wie eine Lampe ein- und abschalten, ohne dass es zu Schäden kommt», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer am Mittwoch. Mögliche verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie könnten das Wirtschaftswachstum erneut bremsen, machte auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei einer Regierungsbefragung im Bundestag deutlich. Der CDU-Politiker sicherte Firmen im Falle neuer und massiver Beschränkungen Unterstützung zu.

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Sollten die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen beschlossen werden, dürfte das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung von Ökonom Krämer im vierten Quartal zum Erliegen kommen. Bestenfalls sei mit einer schwarzen Null gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. Zwar seien Industrie und Handel nicht direkt betroffen, dürften aber trotzdem leiden, weil die allgemeine Unsicherheit steige und die Anti-Corona-Maßnahmen im Ausland ebenfalls verschärft würden.

Die Kultur

Während im Kanzleramt die Videoschalte mit den Ministerpräsidenten zum Lockdown im Gange war, demonstrierten zeitgleich tausende Kulturschaffende und Menschen aus der Veranstaltungsbranche in Berlin. Sie fordern umfassendere staatliche Hilfen in der Corona-Krise.

Mit einem Lastwagen-Korso mit Hunderten Fahrzeugen und einem Fußmarsch wollte das Aktionsbündnis #AlarmstufeRot am Mittwochmittag in der Hauptstadt auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam zu machen. Seit Monaten sind große Veranstaltungen wie Messen und Konzerte aufgrund der Pandemie so gut wie tabu.

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Mehrere Kulturverbände haben überdies im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor neuen Einschnitten bei Kinos, Museen oder Theatern gewarnt. «Ein flächendeckendes Kulturverbot hätte dramatische Folgen für die Kinolandschaft und die Filmwirtschaft in Deutschland», teilte die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) am Mittwoch mit. «Das wäre ein heftiger Schlag und für kleine Privattheater schnell existenzbedrohend», sagte der geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne. Der Deutsche Museumsbund forderte, die Ausstellungshäuser nicht zu schließen. Bisher gebe es «keine gemeldeten Fälle von Museen als Infektions-Hotspots».

Der Tourismus

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) forderte verbesserte staatliche Unterstützung ab November. «Wenn sich die Situation jetzt weiter in dem Maße verschärft wie bisher und die Branche quasi wieder in den Lockdown geschickt wird, müssen die verbesserten Überbrückungshilfen unverzüglich noch ab November wirksam werden», sagte Verbandsgeschäftsführer Norbert Kunz. «Selbst Betriebe, die mit höheren Rücklagen gehofft hatten, gut durch die Krise zu kommen, stoßen jetzt an Grenzen.»

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Die Gastronomie

Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) kritisierte die angedachten Schließungen der Gastronomie als «völlig unangemessen». Für viele mittelständischen Betriebe könne das in der jetzigen Lage den Todesstoß bedeuten, sagte BGA-Präsident Anton Börner.

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Der Handel

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnte vor erneuten Einschränkungen, die auch Geschäfte treffen könnten. «Wenn die Geschäfte als einzige geöffnet sind, alle anderen Branchen rundherum schließen müssen und die Menschen in einer faktischen Ausgangssperre zuhause bleiben, dann sind die Händler in einer sehr schwierigen Lage», teilte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mit.

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