News-Ticker aus dem Hotspot

Lockdown im Berchtesgadener Land: Kitas dürfen wieder aufmachen

Wie hier im Berchtesgadener Land will die Polizei am Freitag, 24. Oktober, in ganz Bayern schwerpunktmäßig die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren.
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Wie hier im Berchtesgadener Land will die Polizei am Freitag, 24. Oktober, in ganz Bayern schwerpunktmäßig die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren.

Das Alpenidyll ist zum Corona-Hotspot geworden. 272 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zählt das Berchtesgadener Land am Montag, am Dienstag, 20. Oktober. Der Landkreis ist nun in einem neuen Lockdown. Das hat Folgen.

Update 30. Oktober, 15.29 Uhr

Kitas im Berchtesgadener Land öffnen wieder

Bad Reichenhall (dpa/lby) - Nach knapp zweiwöchigem weitgehendem Lockdown im Landkreis Berchtesgadener Land sollen am Montag die Kindergärten und Kitas wieder öffnen - trotz der weiter hohen Corona-Zahlen. Die Allgemeinverfügung, nach der seit dem 20. Oktober in dem oberbayerischen Kreis neben Gaststätten und Hotels auch Schulen und Kitas geschlossen bleiben mussten, gelte einen Tag kürzer als geplant bis Sonntagabend um 24 Uhr, teilte das Landratsamt am Freitag mit. Danach sollen die neuen bayernweiten Regelungen in Kraft treten.

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Nach den Herbstferien sollen ab 9. November auch im Berchtesgadener Land die Schulen wieder ihren Regelbetrieb aufnehmen, teilte das Landratsamt weiter mit. Trotz der strikten Einschränkungen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche - nach Berechnungen des Gesundheitsamts auf 315,6. Es gab 40 neue Sars-CoV-2-Fälle im Landkreis.

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Update 28. Oktober, 13.48 Uhr

Bürger halten sich an Ausgangsbeschränkungen

Wiesbaden (dpa) - In Regionen, in denen über sieben aufeinanderfolgende Tage hinweg eine kritische Zahl von Covid-19-Infektionen erreicht wurde, ist die Mobilität der Menschen spürbar zurückgegangen. Laut einer Sonderauswertung experimenteller Daten des Statistischen Bundesamtes ging die Mobilität zwischen dem 19. und dem 25. Oktober in den betroffenen Landkreisen und kreisfreien Städten im Vergleich zur 38. Kalenderwoche (14. bis 20. September) um zwölf Prozent zurück. Auch wenn Faktoren wie das Wetter und die touristische Aktivität eine Rolle bei der Mobilität spielten - die Bewegung in weniger von Neuinfektionen betroffenen Regionen nahm im Vergleichszeitraum lediglich um sechs Prozent ab.

Besonders stark war der Rückgang der täglichen Mobilität im Landkreis Berchtesgadener Land. Mit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen am 20. Oktober 2020 gingen die gemessenen Bewegungen dort nochmals deutlich zurück, hieß es: Am 19. Oktober lag die Mobilität 25 Prozent und am 20. Oktober 42 Prozent unter dem Niveau des entsprechenden Wochentages der 38. Kalenderwoche. Am vergangenen Samstag wurden im Berchtesgadener Land sogar 65 Prozent weniger Bewegungen gemessen als am Samstag der Vergleichswoche.
Für die Untersuchung wurden anonymisierte Mobilfunkdaten ausgewertet.

Update 28. Oktober, 13.14 Uhr

Gastronom scheitert mit Klage gegen Lockdown

München/Bad Reichenhall (dpa) - Ein Gastronom ist mit seiner Klage gegen den Lockdown im Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern gescheitert. Wie das Verwaltungsgericht in München am Mittwoch berichtete, wurde der Eilantrag des Restaurantbesitzers abgelehnt. Der Unternehmer wollte erreichen, dass er auch während des vom Landratsamt angeordneten regionalen Lockdowns Gäste bewirten darf.

Wegen der stark gestiegenen Zahl an Corona-Neuinfektionen hatte der oberbayerische Landkreis strikte Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung festgelegt. Schulen und Kitas sind derzeit im Berchtesgadener Land geschlossen, Restaurants dürfen allenfalls noch Speisen zum Mitnehmen oder zur Lieferung anbieten. Die Betreiber mehrerer Lokale hatten dagegen geklagt.

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Das Verwaltungsgericht war in dem nun entschiedenen Fall der Ansicht, dass die Untersagung des Gastronomiebetriebs notwendig sei. Angesichts des extremen Anstiegs des Werts der Neuinfektionen auf weit mehr als 250 innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner habe die Kreisbehörde «zu Recht ein Maßnahmenpaket inklusive der Schließung der Gastronomiebetriebe geschnürt, welches erkennbar darauf gerichtet ist, Kontakte auf das notwendigste Maß zu beschränken», betonte ein Gerichtssprecher.

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Update, 23. Oktober 2020, 8.30 Uhr:

Neue Klagen gegen Corona-Schließung im Berchtesgadener Land

Bad Reichenhall (dpa/lby) - Gegen die strengen Corona-Maßnahmen im Berchtesgadener Land mehren sich gerichtliche Klagen. Nun gingen beim Verwaltungsgericht München auch eine bereits angekündigte Klage und ein Eilantrag eines Hoteliers ein, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag sagte. Bisher sind gegen die Regelungen formal weit mehr als ein Dutzend Verfahren - jeweils Klage und Eilantrag - anhängig, inhaltlich waren es knapp zehn.

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Unter anderem haben Gastronomen geklagt, da gemäß der Allgemeinverfügung wegen der hohen Infektionszahlen Gaststätten bis zum 2. November geschlossen bleiben müssen. In den Beherbergungsbetrieben dürfen nur noch Geschäftsreisende übernachten.

Zudem klagten Schüler, die ihre außerhalb des Landkreises gelegenen Schulen nicht mehr besuchen dürfen. Der Eilantrag einer Gymnasiastin, die angesichts bevorstehender Prüfungen zum Unterricht in ihre Schule im Nachbarlandkreis Traunstein wollte, hat das Verwaltungsgericht bereits zurückgewiesen. Anhängig ist noch das Verfahren eines Schülers, der in Salzburg das Gymnasium besucht, dort auf hohem Niveau Eishockey spielt und nun nicht trainieren kann.

Die neue Klage eines Pensionsbetreibers und seinem Eilantrag unterstützen rund 150 Betriebe aus der Region, wie der Vorsitzende des Bad Reichenhaller Unternehmerforums, Mike Rupin, mitteilte. Über die neue Klage hatte die «Passauer Neuen Presse» zuerst berichtet.

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«Es ist kein einzelner, der hier wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpft, es ist das Unternehmertum und es sind die Bürger eines ganzen Landkreises, welche aufstehen und ihre demokratischen Mittel nutzen», schrieb Rupin am Dienstag in einer Mitteilung. Ums Überleben kämpften auch viele andere Betriebe im Landkreis, die offiziell von der Allgemeinverfügung nicht oder nur leicht getroffen seien. Sie stünden aber in Wirklichkeit vor dem Aus. Die Ausgangsbeschränkungen sorgen etwa für Einbrüche im Einzelhandel, obwohl Läden offen blieben.

Am Montag hatte laut Landratsamt die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche im Landkreis bei 236,95 gelegen. Vergangene Woche hatte der Wert mit 292,65 bereits an der 300-er Marke gekratzt. Nach der Allgemeinverfügung von vergangener Woche ist auch das Verlassen der eigenen Wohnung bis zum 2. November nur mit triftigem Grund erlaubt.

Es waren bayernweit die ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten. Inzwischen hat auch der Landkreis Rottal-Inn und damit die zweite Region in Bayern strikte Ausgangsbeschränkungen verhängt. In Augsburg und Rosenheim drohen ähnliche Schritte.

Update, 23. Oktober 2020, 8.30 Uhr:

Bürgerinitiative „Eltern stehen auf” kündigt tägliche Protest-Aktionen an

Saaldorf-Surheim - Corona macht möglich, was sich in diesem Land noch vor einem dreiviertel Jahr keiner hätte vorstellen können: Eltern kämpfen für das Recht, dass die Kinder in die Schule gehen dürfen. Zum Stillen Protest mit Laternen und Fackeln, Masken und bei Sicherheitsabstand versammelten sich am Donnerstag (22. Oktober 2020) von 19.45 Uhr bis 20 Uhr rund 50 Eltern aus dem ganzen Gemeindegebiet vor der Schule in Saaldorf. Sie setzen sich für die Öffnung der Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie gegen die dauerhafte Maskenpflicht dort für die Kinder ein. Sie kündigten an, dass dieser Protest täglich stattfindet um diese Zeit.

„Stiller Protest” in Saaldorf-Surheim: Die Eltern setzen sich dafür ein, dass die Kinder wieder die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen besuchen dürfen.

Der Anstoß geht auf die im Juli gegründete deutschland- und österreichweite Bürgerinitiative „Eltern stehen auf” zurück, über die sich im Internet eine Homepage findet unter elternstehenauf.de. Per Messengerdienst „Telegram” entstand eine Gruppe Berchtesgadener Land. Dort machte am Donnerstag ein Aufruf per digitalem Plakat die Runde, auf dem für die Kinder Masken- und Quarantänefreiheit, Abstandsfreiheit und freie Impfentscheidung gefordert wird.

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Den meisten Eltern vor der Saaldorfer Schule ging es aber vor allem darum, dass die Kinder wieder die Einrichtungen besuchen dürfen und sie wehren sich damit gegen die in der aktuellen Allgemeinverfügung des Landkreises erlassenen strengen Maßnahmen für die Kinder. Ein Mann nahm im Gespräch mit der Heimatzeitung gezielt Abstand von den Punkten, die auf dem Plakat stehen, ihm ging es ausschließlich darum, dass seine Kinder wieder in die Schule gehen können.

„Wir haben sonst keine Möglichkeit”, rechtfertigte eine Mutter gegenüber der Heimatzeitung den Protest. „Homeschooling überfordert mich und ich habe keine Betreuungsmöglichkeit”, ergänzte eine anderen Mutter, sie hat vier Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Ihr Mann arbeite Vollzeit und sei nicht in einem systemrelavanten Beruf, weshalb es für sie keinen Anspruch auf eine Notbetreuung gibt. Wenn die großen Kinder lernen, stören die Kleinen mit ihrem lautstarken Toben. „Die Kinder lernen in der Gruppe besser”, argumentiert die Frau weiter. „Meine Kinder wollen in die Schule und Freunde treffen und gemeinsam lernen.” In der Schule seien immer die gleichen Personen beieinander, deshalb kann sie die strengen Maßnahmen nicht nachvollziehen. 

„Daheim wird nix gelernt”, bestätigen andere Eltern. „Viele sind berufstätig und können es nicht leisten, die Kinder daheim rund um die Uhr zu betreuen.” Eine andere Frau schilderte, dass sie sich schwer tue, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren, dass sie daheim abgelenkt seien und später ins Bett gingen – kurzum, der feste Rahmen im Alltag fehlt. Erstklässler gar seien nach den ersten vier Wochen Schule nun wieder zuhause und die Klassengemeinschaft damit wieder auseinandergerissen worden, sagt eine andere Frau. „Die Einrichtungen haben super Hygienekonzepte vorgelegt und es ist alles gut gelaufen.” 

„Wollen, dass es den Kindern gut geht“ - Eltern protestieren in Saaldorf-Surheim gegen die corona-bedingten Schulschließungen.

Nicht nur Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern waren gekommen, auch welche von ganz kleinen und größeren Kindern solidarisierten sich. „Die Kinder in den Abschlussklassen haben in diesem Schuljahr Prüfung”, so eine betroffene Mutter. Fleißige Kinder mit guten Noten könnten sich auch in dieser Situation gut behelfen. Auf der Strecke blieben jene, deren Eltern weder über die notwendige digitale gute Anbindung noch Computerausstattung verfügen beziehungsweise, deren Kinder sich schwertun, sich zum Lernen zu motivieren. „Wollen und können wir uns diesen Bildungsabfall leisten?” Eltern könnten Lehrer nicht ersetzen.

Den Eltern ist nach eigener Aussage wichtig, dass ihr spontan organisierter, stiller Protest eine friedliche und zivilisierte Aktion sei, mit der sie auf die Nöte der Kinder aufmerksam machen wollten. Von Ideologien egal welcher Art distanzierten sie sich ausdrücklich. „Wir wollen, dass es unseren Kinder gutgeht”, so die Stimmen. „Jeder der mithilft ist gut”, so die Aussage im Hinblick auf die angekündigten weiteren Proteste in den kommenden Tagen immer von 19.45 Uhr bis 20 Uhr mit dem ausdrücklichen Hinweis auf dem Plakat, zwei Meter Sicherheitsabstand einzuhalten und Masken zu tragen. „Wir wollen keinen Ärger machen.” Die strengen aktuellen Maßnahmen sehen sie in keiner Relation. „An die Kinder wird wieder zuletzt gedacht. Wir sperren Schulen und Kindertageseinrichtungen zu und die Geschäfte lassen wir auf”, so eine Frau. Sie fordert Normalität für die Kinder und sieht „alle Eltern in einem Boot”. 

Eltern aus dem ganzen Gemeindegebiet kamen erstmals am Donnerstagabend vor die Saaldorfer Schule zu einem „Stillen Protest”. Sie setzen sich dafür ein, dass die Kinder wieder die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen besuchen dürfen und kündigten weitere tägliche Proteste an.

Pünktlich zum Glockenschlag der Kirche um 20 Uhr löste sich durch den lauten Hinweis einer Mutter die Protestversammlung auf. Beschleunigt wurde dies durch das Heranfahren eines Polizeiautos. Zwei Beamte stiegen aus und erkundigten sich nach dem Grund der Zusammenkunft. Sie gaben sich angesichts der in allen Richtungen davongehenden Eltern mit der Erklärung zufrieden, dass es ein stiller Protest gewesen war. (tw)

Update 22. Oktober, 18.21 Uhr

Hotelier aus dem Berchtesgadener Land will gegen Schließungen klagen

Bad Reichenhall (dpa/lby) - Die strengen Corona-Maßnahmen im von hohen Infektionszahlen betroffenen Berchtesgadener Land könnten in Kürze auch gerichtlich überprüft werden. Anfang nächster Woche solle eine Klage beim Verwaltungsgericht München eingereicht werden, sagte der Vorsitzende des Bad Reichenhaller Unternehmerforums, Mike Rupin, am Donnerstag. Ein betroffener Hotelier aus dem Berchtesgadener Land werde klagen, die meisten Unternehmer im Landkreis unterstützten diesen Schritt.

Unterdessen steigen die Corona-Zahlen weiter. Laut Landratsamt erhöhte sich die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche - im Berchtesgadener Land auf 292,65; seit Mittwoch seien 64 neue Corona-Fälle bestätigt worden.

Wegen der sprunghaft gestiegenen Infektionszahlen mussten Hoteliers und Ferienwohnungsvermieter bereits am Dienstag ihre Gäste mit Ausnahme von Geschäftsreisenden nach Hause schicken - und das mitten in den Herbstferien. Die Gastronomie bleibt geschlossen.

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«Wir fordern, dass die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen überprüft wird», sagte Rupin. Mit einem Eilantrag solle bis zu einer gerichtlichen Entscheidung die Aussetzung der Regelungen erreicht werden. Das Verfahren werde «wahrscheinlich eine Pilotfunktion» haben, was gesetzlich zulässig und verhältnismäßig sei, sagte Rupin.

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Update 22. Oktober, 11.29 Uhr:

Was bedeutet die neue Warnstufe für Berchtesgaden?

München (dpa/lby) - In den acht bayerischen Corona-Hotspots mit drastischen Zahlen weit jenseits der bisherigen Warnstufen gelten schon von diesem Donnerstag, 22. Oktober, an zusätzliche Beschränkungen. Wenn die Zahl von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird, dürfen Veranstaltungen nur noch mit maximal 50 Teilnehmern stattfinden, und es gilt eine Sperrstunde ab 21.00 Uhr.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte die neue dunkelrote Warnstufe am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Landtag an.

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Die neue Warnstufe trifft Berchtesgaden derzeit nicht, das allein mit den massiven Ausgangsbeschränkungen, geschlossenen Restaurants, Schulen und Kitas weit schärfere Restriktionen erlebt. Im Landkreis Berchtesgaden liegt auch am Donnerstag, dem 22. Oktober, die Zahl der Neuinfektionen in den letzten 7 Tage und auf 100.000 Einwohner mit 292,6 sehr hoch.

Der Deutsche Städtetag sieht den Vorstoß von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kritisch. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Menschen müssen noch mitkommen, bei dem was wir tun. Das System der Regeln und Beschränkungen muss verständlich sein.... Jetzt soll es in Bayern noch eine dritte Stufe geben mit weiteren Beschränkungen. Und im Landkreis Berchtesgaden gibt es faktisch einen Lockdown.“

Update 21. Oktober, 16 Uhr:

Wintersportler kritisieren Lockdown in Berchtesgaden

Die deutsche Rodel-Legende Georg Hackl kann nicht verstehen, dass die Menschen im Corona-Risikogebiet Berchtesgadener Land von außen kritisiert werden. «Deutschland zeigt mit dem Finger auf uns. Dabei kann das, was hier gerade auftritt, überall passieren», sagte der dreimalige Olympiasieger dem Nachrichtenportal «t.online».

Trotz der vielen Corona-Fälle in seiner Heimat nimmt der 54-jährige die Bevölkerung in Schutz. «Ich kann versichern, dass sich die meisten Einheimischen die vergangenen Wochen sehr konsequent an die Corona-Regeln gehalten haben. Nur hatten wir in diesem Sommer wahnsinnig viele Touristen bei uns in der Region. Und wenn viele Menschen auf einem engen Raum zusammentreffen, wird es nun mal kompliziert – und jetzt haben wir den Salat», sagte Hackl. «Es kann doch nicht sein, dass Einzelne keine Maske tragen, weil sie davon ausgehen, dass sie an Corona schon nicht sterben werden.»

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Olympiasiegerin Hilde Gerg hat den Lockdown kritisiert. «Mir ist das alles jetzt einfach zu schnell, zu radikal», sagte die 45-Jährige, die selbst Ferienwohnungen in Berchtesgaden betreibt und daher direkt betroffen ist, weil sie ihre Gäste vor die Tür setzen musste. Die Urlauber seien völlig schockiert gewesen. «Für mich fallen jetzt einfach die zwei wichtigsten Einnahmequellen weg. Auf Dauer geht das einfach nicht. Gedanken um meine Existenz mache ich mir noch nicht, allerdings ist es in diesem Jahr sicher so, dass die angesparten Reserven angegriffen werden mussten», sagte Gerg.

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Update 21. Oktober, 12.53 Uhr

Soldaten helfen im Corona-Brennpunkt Berchtesgadener Land

Bad Reichenhall (dpa/lby) – Sanitäter der Bundeswehr helfen seit Mittwoch (21. Oktober) im Landkreis Berchtesgadener Land, die Ursache für den massiven Anstieg der Corona-Zahlen zu finden. Die etwa 20 Kräfte sollen unter anderem zur Nachverfolgung von Infektionsketten eingesetzt werden, wie Sprecher Carsten Spiering vom Landeskommando in Bayern mit Sitz in München sagte.

Die Bundeswehr unterstützt Bayern seit längerem in der Corona-Pandemie. So halfen Soldaten etwa bei der Entnahme von Proben an Autobahn-Stationen. Manche waren in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt, andere bei der Produktion von Desinfektionsmittel.

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In bestimmten Fällen darf die Bundeswehr innerhalb Deutschlands eingesetzt werden. Zwar sind für den Katastrophenschutz und die Gesundheitsversorgung hierzulande zunächst die Landkreise und die kreisfreien Städte verantwortlich. Doch bei Überforderung können sie um Amtshilfe bitten und sich dabei auch an die Bundeswehr wenden.

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Update 21. Oktober, 8.38 Uhr

Corona-Hotspot Berchtesgadener Land: Aber woher kommen die Infektionen?

Bad Reichenhall (dpa) - Nach dem massiven Anstieg der Corona-Zahlen im Landkreis Berchtesgadener Land sind die Ursachen weiter offen. Es handele sich um ein diffuses Geschehen, sagte Landrat Bernhard Kern (CSU) am Dienstag (20. Oktober). Eine konkrete Ursache sei nicht feststellbar - es gehe auch nicht um eine private Feier. «Es ist nicht zurückzuführen auf eine einzelne Feierlichkeit, die im Landkreis stattgefunden hat.»

Es sei nun dennoch das Gebot der Stunde, sich an die Regeln der seit Dienstag gültigen Allgemeinverfügung zu halten. Dazu gehöre, dass man auch «Feierlichkeiten speziell im Privatbereich unterlassen muss». Auch der Leiter des Gesundheitsamtes, Wolfgang Krämer, sagte, die Infektionen ließen sich nicht auf eine Quelle zurückführen.

Kern kündigte an, am Mittwoch sollten Soldaten der Bundeswehr eintreffen, um das Landratsamt bei der Nachverfolgung der Infektionsketten zu unterstützen. Das Wichtigste sei nun, dass die Bevölkerung die Einschränkungen mittrage. Er hoffe, damit bald wieder einstellige Zahlen bei dem so genannten Inzidenzwert zu erreichen - und die Schulen nach den Herbstferien am 9. November wieder öffnen zu können.

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Update, 20. Oktober, 15.30 Uhr

BGL bereitet sich auf weiteren Anstieg der Coronazahlen vor

In Berchtesgaden hat die Pressekonferenz zur Corona-Situation begonnen. Landrat Bernhard Kern schildert eine ernste Lage, aber: “Ich habe ein gutes Gefühl, dass wir die Infektionszahlen bis zum 9. November wieder nach unten bringen und auf einen zweistelligen Inzidenzwert kommen.“ Wolfgang Krämer, Leiter Gesundheitsamt, führt dann weiter aus: „Die Maßnahmen sind aus medizinischer Sicht notwendig, um die Infektionsketten zu durchbrechen. Wir haben aus erster Welle gelernt, wenn es zu schweren Krankheitsverläufen kommt, dann nach vier bis sechs Tagen nach einer Infektion. Die Zahlen sind aber noch weit davon entfernt, dass wir an die Kapazitätsgrenze bei der Behandlung kommen. Aber ein Anstieg an stationär Behandlungsbedürftigen wird erwartet. Aktuell gibt es zwei Patienten in der Klinik Bad Reichenhall, die auf der Intensivstation beatmet werden müssen.“

Bayern, Berchtesgaden: Ein Schild mit der Aufschrift «Ab hier gilt Maskenpflicht!» hängt am Eingang zur Fußgängerzone in der Innenstadt. Ab 14.00 Uhr treten die Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgadener Land in Kraft.

Die Quelle der explodierenden Infektionszahlen ist weiterhin unklar: Es handle sich um ein diffuses Geschen im gesamten Landkreis, allerdings nicht an der Landes- oder den Landkreisgrenzen, betont Landrat Kern.

Schulamtsdirektor Klaus Biersack zu den Schulschließungen: „Für die Eltern sind die Maßnahmen eine bittere Pille und eine große Herausforderung, aber wir müssen da irgendwie durch. Bis zur sechsten Klasse wird es eine Notfallbetreuung geben, die von den Schulen organisiert wird - Eltern in systemrelevanten Berufen, Alleinerziehende und behinderte Kinder haben Vorrang. Die Zahl darf aber nicht zu groß werden, sonst würde man die Maßnahmen wieder unterlaufen.“

Landrat Kern wehrt sich wiederholt gegen den Begriff „Lockdown“. Er sagt: „Es ist aus meiner Sicht kein Lockdown. Wir sind in unserer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt, dürfen unsere Häuser verlassen.“

(Die Informationen aus der PK werden uns von unserem Partnerportal BGLand24.de zur Verfügung gestellt.)

Update, 20.Oktober 2020, 13.20 Uhr:

40 neue Corona-Fälle im Berchtesgadener Land

Das Landratsamt BGl meldet heute mittag 40 neue Corona-Fälle im Landkreis. Die 7-Tage-Inzidenz sei aber auf 236,01 gesunken. Von den insgesamt 769 mit Wohnsitz im Berchtesgadener Land registrierten SARS-CoV-2-Fällen sind 484 Personen wieder genesen und ihre Quarantänezeit ist ausgelaufen. Aktuell gibt es 260 SARS-CoV-2-Infizierte im Landkreis.

Im Landkreis Berchtesgadener Land sind neu folgende Einrichtungen (Schulen, Kindertagesstätten und Seniorenheime) von Quarantäne-Maßnahmen mit unterschiedlichem Wirkungsgrad betroffen: Wohnstift Mozart, Ainring, Haus Hohenfried, Bayerisch Gmain, Gymnasium Berchtesgaden

Bei allen positiv getesteten Corona-Fällen ermittelt das Gesundheitsamt die Kontaktpersonen und leitet die notwendigen Maßnahmen ein, wie z. B. eine häusliche Quarantäne. Aktuell befinden sich 698 direkte Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne. Insgesamt 1.434 unmittelbare Kontaktpersonen sind mittlerweile seit März wieder aus der Quarantäne entlassen worden.

In den Kliniken im Berchtesgadener Land werden derzeit 9 Covid-19-Patienten aus dem Landkreis stationär behandelt. Derzeit werden keine Patienten intensivmedizinisch betreut.

Mit dem heutigen Dienstag, 14 Uhr, tritt in Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege die Aktualisierung der Allgemeinverfügung des Berchtesgadener Landes (PDF) in Kraft.

(Pressemitteilung LRA BGL vom 20.10.2020, 13 Uhr)

Update 20. Oktober:

+++ Entgegen einer ersten Meldung liegt die 7-Tage-Inzidenz im Berchtesgadener Land aktuell bei 236.
Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. +++

Hunderte Touristen müssen Berchtesgadener Land verlassen

Bad Reichenhall (dpa) - Die strikten Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgaden haben am Dienstag auch Hunderte Feriengäste zur Abreise gezwungen. Die Berchtesgadener Land Tourismus schätzte die Zahl der Gäste, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2500. Der Sommer sei zwar für manche Beherbergungsbetriebe sogar besser gelaufen als das Vorjahr, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Aber: «Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert.» Der Lockdown hatte damals Hoteliers und Gastgebern schwere Einbußen gebracht.

Doch: Kurz vor den strikten Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgadener Land blieben am Dienstag die Menschen weitgehend gelassen. Viele gingen noch einmal zum Einkaufen. Apotheken berichteten, Kunden hätten Masken und Desinfektion gekauft, jedoch in moderatem Umfang.

Ab 14 Uhr beginnt der Lockdown

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist von Dienstag 14.00 Uhr an nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Es sind bayernweit die ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten, sie gelten vorerst für 14 Tage. Am Montag lag im Landkreis die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 272,8. Alleine seit gestern habe es 57 Neuinfektionen gegeben. Das Robert Koch-Institut hatte am Montag (Stand: 00.00 Uhr) für den Landkreis noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 gemeldet - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

Am Nachmittag wollte sich Landrat Bernhard Kern zur Lage und zu den aktuellen Zahlen äußern. Ein wichtiges Thema der Pressekonferenz wird auch die Situation der Schüler und Kita-Kinder sein. Auch die Notbetreuung soll thematisiert werden. Denn ab 14.00 Uhr müssen auch Schulen und Kindertagesstätten schließen.

Meldung 19. Oktober:

Bad Reichenhall (dpa) – Erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr gelten wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder strikte Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab diesem Dienstag von 14 Uhr an nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt, wie Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) am Montagabend nach einer Krisensitzung mit Landratsamt und Regierung von Oberbayern in Bad Reichenhall mitteilte. Dies bayernweit ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten gelten vorerst für 14 Tage.

Krisensitzung im Landratsamt: Staatsministerin Michaela Kaniber verkündet die Maßnahmen gegen die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus im Berchtesgadener Land.

Schulen und Kitas im Berchtesgadener Land schließen

Zudem müssen Schulen und Kitas schließen. Es soll lediglich eine Notbetreuung geben, wie Landrat Bernhard Kern sagte. Auch Freizeiteinrichtungen aller Art sowie Restaurants dürfen nicht mehr öffnen. Ausnahmen gibt es nach Angaben von Landrat Kern unter anderem für Mitnahme-Angebote in der Gastronomie. Veranstaltungen werden untersagt, mit Ausnahme von Gottesdiensten. Hotels müssen ebenfalls schließen, außer für Übernachtungen für Geschäftsreisende.

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Zu triftigen Gründen für das Verlassen der Wohnung zählen beispielsweise die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, nötige Einkäufe, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft – dies aber nur alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands, wie Landrat Kern sagte. Die «Daumenschrauben» müssten nun angezogen werden.

Bundesweit höchste Inzidenz im Berchtesgadener Land

Nach Angaben von Ministerin Kaniber lag im Landkreis die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 272,8. Binnen eines Tages habe es 57 registrierte Neuinfektionen gegeben. Das Robert Koch-Institut hatte am Montag, 19. Oktober (Stand: 00.00 Uhr), für den Landkreis noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 gemeldet - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Montagmittag bereits angekündigt, das öffentliche Leben müsse im Berchtesgadener Land heruntergefahren werden. «Anders geht es nicht», sagte Söder. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. «Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden», sagte er. Es werde sehr konsequent und sehr deutlich reagiert werden. «Es wird das härteste Protokoll sein, dass wir jetzt an der Stelle haben werden.»

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Wie konnte es zur Infektionswelle kommen?

Der Landkreis ist mit einer Bevölkerungsdichte von 126 pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt. Wie es zu der Infektionswelle kommen konnte, ist nicht genau geklärt. «Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party», sagte Söder. Möglicherweise kommen weitere Infektionsherde infrage.

Auch die Nähe zu Österreich dränge zu einschneidenden Maßnahmen, sagte Söder. Wenn jetzt nicht konsequent gehandelt würde, sei die hohe Zahl nicht mehr zu reduzieren.

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