Landkreis Mühldorf meldet "Coronavirus frei" – Aktuelle Zahlen für Rosenheim und Traunstein

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Momentan wird das Infektionsgeschehen hierzulande von einzelnen, lokalen Coronavirus-Ausbrüchen bestimmt. Experten warnen dennoch vor einer zweiten Welle. Aus dem Landkreis Mühldorf kommt jedoch eine Nachricht, die zuversichtlich stimmt.

Update 26. Juni, 18.17 Uhr

Landkreis Mühldorf meldet Corona frei

Zu Hoch-Zeiten der Corona-Pandemie in Deutschland gaben die Gesundheitsämter der Landkreise in der Region täglich Statusmeldungen ab. Und während die Zahlen zunächst überall sprunghaft angestiegen waren, flachte die Kurve im Mai mehr und mehr ab.

Der Landkreis Mühldorf war im Vergleich mit Rosenheim und Traunstein immer der am wenigsten stark betroffene. Vor wenigen Tagen meldete zunächst das Klinikum Mühldorf die Entlassung des letzten Covid-19-Patienten als genesen. Am heutigen Freitag kam dann die aktuelle Statusmeldung vom Gesundheitsamt Mühldorf: Aktuell gibt es keine bekannten, aktiven Coronavirus-Infektionen im Landkreis Mühldorf.

+++ Aktuelle Nachrichten zum Coronavirus in der Region, Bayern und Deutschland finden Sie in unserem Corona-Ticker. +++

Ein Anlass zur Erleichtung? Ja. Aber ein Anlass zur grenzenlosen Freude dürfte das wohl kaum sein. Denn unter den insgesamt 500 im Landkreis Mühldorf als infiziert registrierten Menschen sind nur 473 genesen. 27 Menschen im Landkreis Mühldorf haben die Infektion mit dem SarsCov2-Virus nicht überlebt.

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Wenige Neu-Infektionen in den Kreisen Rosenheim und Traunstein

In den meisten Städten und Gemeinden im Landkreis Rosenheim gibt es keine Neuinfektionen mit dem Coronavirus mehr – lediglich in Rosenheim ist die Zahl wieder leicht gestiegen.

In den Landkreisen Traunstein und Rosenheim gibt es noch wenige aktive Infektionsfälle mit dem Coronavirus. Allerdings so wenige, dass Gesundheitsamt Rosenheim dazu übergegangen ist, die Zahlen nicht mehr täglich, sondern nur noch wöchentlich zu melden. In den vergangenen 7 Tagen gab es in Stadt und Landkreis Rosenheim 7 Neu-Infektionen mit dem Coronavirus.

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Im Landkreis Traunstein hat sich die Lage ebenfalls entspannt. Dort gibt es laut aktuelle Statistik noch 63 aktive Coronavirus-Infektionen.

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Eine Übersicht über die aktuellen Infektionszahlen – auch für einzelne Gemeinden im Landkreis Rosenheim sowie für Bayern und Deutschland – finden Sie hier.

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Update 26. Juni, 14 Uhr: 

Es gibt noch Infizierte im Kreis Rosenheim – Zahlen in der Stadt wieder gestiegen

Rosenheim – Die Nachbarlandkreise Miesbach, Ebersberg und Mühldorf sind bereits Corona-frei – im Kreis Rosenheim gibt es indes nach wie vor einzelne Fälle von Covid-19. Im Verlauf der vergangenen Woche kam es zu sieben registrierten Neuinfektionen. 

Aktueller Brennpunkt mit vier Fällen: die Stadt Rosenheim. Auf insgesamt 518 von Seiten des Gesundheitsamtes verzeichnete Covid-19-Fälle sind die Zahlen für das Stadtgebiet Rosenheim in der Zwischenzeit angestiegen. Zuletzt kamen vier Neuerkrankungen hinzu – womit auch die Sieben-Tage-Inzidenz der Stadt wieder ansteigt. Der Wert, der die Corona-Fälle der vergangenen sieben Tage pro 100 000 Einwohner betrachtet, liegt derzeit für das Stadtgebiet bei 6,32 (Stand 26. Juni) und hat sich damit gegenüber der Vorwoche verdoppelt (3,16/Stand 19. Juni). 

Lesen Sie hier: Corona: Bordelle in Rosenheim geschlossen – in Österreich Prostitution bald wieder erlaubt

Geringer Anstieg in Rosenheim wird entspannt gesehen 

Dennoch ist auch die Stadt Rosenheim nach wie vor weit entfernt von kritischen Marken, die zuletzt beim Wert 35 und zuvor 50 lagen. Erst ab dieser Obergrenze wären weitreichendere Einschränkungen zu befürchten. Völlig entspannt wird der geringe Anstieg seitens der Stadt Rosenheim gesehen: „Das beunruhigt überhaupt nicht“, erklärt Sprecher Thomas Bugl.

Zu den vier Neuinfektionen – ob es sich um Einzelfälle oder möglicherweise eine Familie handelt – wollte der Sprecher auf Anfrage keine näheren Angaben machen. 

Weiter entspannt ist die Lage im Landkreis. Hier sind einzig in Stephanskirchen (+1), Bad Endorf (+1) und Rimsting (+1) neue Fälle von Covid-19 bekannt geworden. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis liegt aktuell bei 1,15 (Stand 26. Juni). Die Gesamtzahl der Corona-Infektionen ist in Stadt und Landkreis inzwischen auf 2805 Fälle angestiegen (Stand 25. Juni) – wobei die täglichen Neuerkrankungszahlen laut Gesundheitsamt seit 5. Juni zwischen null und drei Fällen schwanken.

218 Tote mit Covid19 im Landkreis Rosenheim

Traurige Nachricht: Eine weitere Person ist innerhalb der vergangenen Woche infolge von Covid-19 verstorben. Die Gesamtzahl der Corona-Toten im Landkreis klettert damit auf 218. Abnehmende Tendenz indes bei den Krankenhausaufenthalten: Nur noch sieben Covid-19-Patienten befinden sich aktuell in stationärer Behandlung (-6), davon ein Patient auf der Intensivstation (-1). 

Keinerlei Neuinfektionen sind inzwischen seit Wochen in den ehemaligen Hotspots Nußdorf, Bad Feilnbach und Aschau mehr aufgetreten. In diesen Gemeinden hatte sich in der Anfangszeit (März) das neuartige Coronavirus rasant verbreitet. Die Gemeinde Bad Feilnbach hat sich aktuell das Robert-Koch-Institut (RKI) für eine Antikörperstudie herausgepickt, die diese Woche gestartet ist. Dabei sollen auch die Hintergründe, wie es zur Verbreitung kam, ergründet werden. Mit Blick auf Gütersloh, dem neuen bundesweiten Hotspot, steigt auch das Bewusstsein für eine mögliche zweite Welle – und damit verbunden ist die Frage: Wie ist die Region gerüstet?

Man "wüsste mit einer 2. Welle umzugehen"

„Wir haben aus den Erfahrungen gelernt“, betont Stadt-Sprecher Bugl. „Und wir sind zuversichtlich, nach all den Erkenntnissen, die wir seit 6. März gewinnen konnten, dass wir mit einer zweiten Welle umzugehen wüssten.“ Als „oberste Zielsetzung“ gibt er aus: „Auch wenn es zur zweiten Welle kommen sollte, wollen wir einen Lockdown wie zur ersten Welle unter allen Umständen vermeiden.“ 

Optimistisch zeigt sich auch das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim um seinen Leiter Dr. Wolfgang Hierl. Die Strukturen seien nach dieser ersten Welle eingespielt und könnten, wenn nötig, zeitnah wieder aktiviert werden. „Damit meine ich die Zusammenarbeit des Gesundheitsamtes mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz und aller hier beteiligten Organisationen und Hilfsorganisationen“, erklärt Hierl und ergänzt: „Wir sind aufgrund der bisherigen Erfahrungen auf eine zweite mögliche Welle gut vorbereitet.

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Gerade zu Hochzeiten der Pandemie war es kaum möglich, Schutzausrüstung zu bekommen. Für eine zweite Welle hält der Landkreis nun Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel vor, um bei Engpässen Einrichtungen unterstützen und versorgen zu können.

Auch in technischer Hinsicht erwartet sich das Gesundheitsamt Erleichterungen. Laut Hierl arbeitet das RKI daran, zeitnah das Meldeverfahren nach dem Infektionsschutzgesetz für die deutschen Gesundheitsämter zu digitalisieren. „Das wird auch dem Gesundheitsamt Rosenheim die Arbeit wesentlich erleichtern.“ Und Hierl betont: „Das Rosenheimer Gesundheitsamt beobachtet die Lage sehr genau, um sofort reagieren zu können, sollten sich eine zweite Welle abzeichnen.“

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24. Juni

Experte drängt zu Vorkehrungen

Bad Feilnbach – Eine sichere Antwort darauf haben Experten nicht. Virologe Drosten blickt skeptisch in die Zukunft: «Ich bin nicht optimistisch, dass wir in einem Monat noch so eine friedliche Situation haben wie jetzt, was die Epidemietätigkeit angeht.» 

Man müsse alle Alarmsensoren wieder anschalten. Die Bevölkerung müsse einsehen, dass die Gesundheitsbehörden Unterstützung und Konsens bräuchten.

Was erhöht die Gefahr für eine 2. Welle in der Region?

Großveranstaltungen und Urlaubsreisende sind in der RKI-Studie, die am 23. Juni in Bad Feilnbach gestartet ist, besonders im Fokus: Haben sie den hohen Anstieg an Infektionen mit dem Coronavirus und damit 10 Tote in der Gemeinde verschuldet? 

Während die Forscher auf der Suche nach Antworten sind, würde Feilnbachs Bürgemeister Anton Wallner heute einiges anders machen, wie er im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen offen zugibt: "Wenn man das Buch nochmal schreiben sollte, dann würde ich sehr viel schneller darauf drängen, dass die Bevölkerung sich mit den Hygiene-Abstands-Regeln befasst." 

Bei Pandemien "häufig 2. oder gar 3. Welle"

Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut (RKI), der die Studie in Bad Feilnbach vorgestellt hat, kann dies nur bestätigen. Er sagt, dass Pandemien oft eine zweite oder gar dritte Welle nach sich ziehen. Als Gründe für den derzeitigen "erfreulichen Rückgang" der Neuinfektionen führt er im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen das Frühlings- und Sommerwetter an, bei dem sich viele Menschen draußen aufhielten. 

Welche Folgen die nun wieder zugelassenen Reisen und der anstehende Herbst mit Treffen in geschlossenen Räumen hätten, könne man nicht voraussagen. Man müsse "alle Vorkehrungen treffen, die nur irgendwie möglich sind."

Rosenheims Landrat Otto Lederer scheint vor wieder steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus keine große Angst zu haben, vertraut auf die Bürger im Landkreis: "Ich persönlich gehe fest davon aus, dass die Menschen auch in Zukunft vorsichtig sein werden". 

Lockdown: Die Bremse in der 1. Welle 

Ende März, Anfang April erreichte die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland ihren Höhepunkt, dann sank sie deutlich. Erste Lockerungen folgten. Mit der Entspannung mehrten sich kritische Stimmen, die sagen, der Lockdown sei doch eigentlich gar nicht nötig gewesen.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sagt, schon das Verbot von Großveranstaltungen habe zu einem Rückgang geführt, weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hätte man vom weiteren Verlauf abhängig machen sollen. Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) zieht hingegen ein weitgehend positives Fazit. «Ich denke, dass wir im Großen und Ganzen richtig gehandelt haben.»

Impfstoff noch 2020 fraglich

Ein echtes Aus für die Pandemie könnte ohnehin nur ein Hilfsmittel bringen: gut wirksame Impfstoffe. Ob ein Impfstoff noch in diesem Jahr für erste Massenimpfungen zur Verfügung stehen wird, ist fraglich - zudem muss der erste Impfstoff nicht zwingend der mit der besten Schutzwirkung sein. Die Schnelligkeit dürfte nicht zulasten der Sicherheit gehen, wird immer wieder gemahnt. (dpa/red)

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