Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Wissenschaftliche Sorgfalt“ statt Tempo

Zoff um Kinderimpfungen: Darum geht es heute beim Corona-Impfgipfel

Werden Kinder und Jugendliche in Deutschland demnächst geimpft? Während mit einer EMA-Entscheidung über die Freigabe des Biontech-Impfstoffs am Freitag gerechnet wird, hält sich die Stiko vorerst zurück. Was sagt der Freistaat Bayern?

Vor dem Impfgipfel von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag gibt es weiter Diskussionen über Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Während sich andeutet, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) keine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder abgeben könnte, gab es auf der anderen Seite Forderungen nach einem schnellen Impfangebot.

DARUM GEHT ES BEIM IMPFGIPFEL:

Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten wollen am Donnerstag (14 Uhr) unter anderem über Corona-Impfungen für Kinder beraten. Angestrebt wird, bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen. Zuvor muss jedoch die EU-Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich an diesem Freitag über eine entsprechende Zulassung für den bisher ab 16 Jahren zugelassenen Impfstoff von Biontech und Pfizer entscheiden.

Zu klären ist dann etwa auch die konkrete Organisation von Impfungen für Jugendliche beispielsweise über Schulen oder Arztpraxen sowie zusätzlicher Impfstoff dafür. Weitere Themen der Beratungen sollen unter anderem mögliche Auffrischungsimpfungen und der digitale Impfpass sein.

DAS SAGEN DIE KRITIKER:

Auch für den Fall einer EMA-Zulassung behält sich die Stiko eigene Klärungen für eine mögliche Impfempfehlung vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben werde. Er hatte am Dienstagabend gesagt, momentan wisse man kaum etwas über die Nebenwirkungen von Corona-Impfungen bei Kindern. „Bei unklarem Risiko kann ich zurzeit noch nicht vorhersehen, dass es eine Impfempfehlung für eine generelle Impfung geben wird.“ Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte dem RBB-Sender radioeins, man erwarte noch Daten aus den USA. „Aber das wird
sicherlich noch nicht bis nächste Woche vorliegen.“

Der Chef des Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, begrüßte die Signale der Stiko. Auf die Frage, ob er eine solche Entscheidung für richtig halte, sagte er dem „Handelsblatt“: „Ja. Es wäre durchaus nachvollziehbar, wenn die Stiko keine Impfempfehlung aussprechen würde. Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht noch Klärungsbedarf. „Die Datenlage zu Risiken und Nutzen einer möglichen Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist derzeit noch so unzureichend, dass man keine Empfehlung abgeben kann“, sagte der Chef der Bundesärztekammer. Natürlich wäre es hilfreich, möglichst vielen noch vor Beginn des nächsten Schuljahres ein Impfangebot machen zu können. „Aber wir haben uns immer für eine Impfstrategie ausgesprochen, die wissenschaftliche Sorgfalt vor Geschwindigkeit setzt.“

DAS SAGEN DIE BEFÜRWORTER:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Wenn der Biontech-Impfstoff auf europäischer Ebene für Kinder ab 12 zugelassen wird, will er möglicherweise nicht mehr auf eine Stellungnahme der Ständigen Impfkommission warten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte bei RTL/ntv: «Der Impfstoff wäre dann, wenn die Europäische Arzneimittelagentur das macht, ein zugelassener Impfstoff auch für diese Altersgruppe.» Schon vor Beginn der Sommerferien solle den ersten Kindern ein Impfangebot gemacht werden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern streben an, allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren bis Ende August ein Impfangebot zu machen. Der Bund will den Ländern laut einem Beschluss von Anfang Mai auch zusätzlichen Impfstoff dafür bereitstellen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat mit Unverständnis auf Signale der Ständigen Impfkommission (Stiko) reagiert, möglicherweise vorerst keine generelle Impf-Empfehlung für Kinder auszusprechen. «Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen – sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden», sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Dass die ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen.»

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA will voraussichtlich an diesem Freitagnachmittag (28. Mai) über die Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahre entscheiden. Der zuständige Experten-Ausschuss werde dann zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, teilte die EMA mit. Anschließend soll das Ergebnis bekannt gegeben werden. Eine Zulassung gilt als wahrscheinlich. Bisher ist das Präparat ab 16 Jahren in der EU zugelassen. In den USA und Kanada darf das Mittel bereits bei Kindern angewendet werden. Nach Herstellerangaben zeigen Studien gute Wirksamkeit und Verträglichkeit auch bei Kindern.

DIE BAYERISCHE POSITION ZUR KINDERIMPFUNG: ZURÜCKHALTUNG

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hat sich zurückhaltend zum Thema Impfungen für Kinder und Jugendliche geäußert. Man höre aus der Ständigen Impfkommission (Stiko), dass es wohl keine einhellige Empfehlung geben werde, «Kinder und Jugendliche zu impfen - und das nehme ich schon ernst und das muss man auch abwägen», sagte er am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen.

Zudem betonte Holetschek, er wolle nicht, dass der Impfstoff «dann wieder bei anderen abgezogen wird», um ihn umzuverteilen. Wenn es aber zusätzlichen Impfstoff gebe und Kinder und Jugendärzte einbezogen würden, dann müsse man über das Thema diskutieren. Die Diskussion um Impfungen für Kinder und Jugendliche sei wichtig und richtig, betonte der Minister. Sie seien eine der Gruppen, die in der Pandemie am meisten gelitten habe.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka / dpa

Mehr zum Thema

Kommentare