„Die Pandemie ist nicht besiegt“

Coronavirus: Diese Regeln gelten seit dem 8. Juli in Bayern

In Bayern stehen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie erstmal keine weiteren Lockerungen an – auch nicht für den Nachtschank. Wir berichten live!

  • Bayerns Kabinett hatdas weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie entschieden
  • Als Antwort auf die Debatte um das Thema Billigfleisch werden die Landwirtschaftsämter und -schulen umstrukturiert
  • Wir haben alle derzeit geltenden Corona-Regeln für Sie zusammengefasst

Update 8. Juli, 14 Uhr:

Diese Corona-Regeln gelten derzeit in Bayern 

Die Bundesländer können im Kampf gegen die Corona-Pandemie über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens weitgehend in eigener Verantwortung entscheiden.

Hier der aktuelle Stand der Lockerungen in Bayern in ausgewählten Lebensbereichen. Weiterhin gilt die bundesweite Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr.

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Kontaktbestimmungen

Im öffentlichen Raum dürfen sich wieder Gruppen von bis zu 10 Personen treffen. In privaten Räumen und Gärten gibt es keine strikte zahlenmäßige Beschränkung mehr, allerdings soll dort die Personenzahl so begrenzt werden, dass ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann

Schulen und Kitas

Auch für die letzten Schüler im Freistaat gibt es wieder Präsenzunterricht an den Schulen. Alle Kinder dürfen zurück in Kindergärten und Krippen. Wie schnell allerdings im Einzelfall reagiert werden muss, zeigt sich am Fall der Kita in Happing, wo es kürzlich zu einem Coronavirus-Ausbruch gekommen war.

Feste und Veranstaltungen

Hochzeits- und andere Feiern, aber auch Schulabschlussfeiern und Vereinssitzungen dürfen stattfinden - mit bis zu 100 Personen in Innenräumen oder 200 Personen im Freien.

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Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze

Zum Umgang mit Reisenden aus Risikogebieten haben sich Bund und Länder am 26. Juni auf eine gemeinsame Linie verständigt. Danach dürfen Reisende aus Landkreisen mit hohem Infektionsgeschehen nur dann in einem Hotel aufgenommen werden, wenn ihnen ein ärztliches Zeugnis bestätigt, dass sie nicht infiziert sind. Der Test darf bei der Anreise nicht länger als zwei Tage zurückliegen. Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen wieder öffnen, ebenso Wellnessbereiche.

Demonstrationen

Über Demonstrationen soll im konkreten Einzelfall entschieden werden. Versammlungsorte müssen genügend Platz für den Mindestabstand bieten.

Clubs, Bars und Schankwirtschaften

Diese Einrichtungen müssen weiterhin geschlossen bleiben. Die Regelung betrifft auch Bordellbetriebe in Bayern, die seit dem Beginn des Lockdowns geschlossen sind.

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Update 14:24 Uhr:

Clubbetreiber zeigt sich enttäuscht

Marco Koob, Betreiber des Wuid Clubs in Rosenheim muss nach wie vor abwarten: „Leider ist die Nachtgastronomie wieder komplett außen vor.“ Für ihn ist unverständlich, warum der Betrieb nicht möglich sein sollte. Schließlich gebe es Hygienekonzepte, die man gut umsetzen könne. Koob ärgert, dass  an vielen anderen öffentlichen Plätzen die Corona-Beschränkungen derzeit von vielen Menschen genauso nicht eingehalten werden. Die Nachtgastronomie werde dafür abgestraft. Sein Hauptargument ist außerdem:  Selbst mit einem Impfstoff könne es keine vollkommene Sicherheit geben, schließlich bedeute dies ja nicht zwangsläufig, dass sich dann alle Menschen impfen lassen.

Bitter für ihn: Ein geplantes Gastro-Konzept zur Überbrückung wurde von der Stadt nicht genehmigt. Nun arbeitet er in Vollzeit in einem anderen Job. Die Kosten laufen weiter, auch während der Schließung liegen diese bei monatlich zwischen 10000 und 15000 Euro. „Die Stundungen helfen uns zwar, aber die kommen auch wieder zurück“, sagt Koob. Im nächsten Jahr werde es eng.

Update 12 Uhr:

„Die aktuelle Lage stellt sich aktuell stabil dar“, sagt Staatsminister Dr. Florian Herrmann. Derzeit seien rund 800 Infizierte in Bayern bekannt. Die Zahl sei damit auch nicht signifikant nach unten gegangen, „von gestern auf heute hatten wir auch 6 Todesfälle zu beklagen.“ „Die Pandemie ist nicht besiegt“, so Herrmann. Ziel sei es weiter, die Kontrolle zu behalten. Wie man am Beispiel Israel sehe, sei die schnell verloren.

Die aktuelle Verordnung laufe noch bis zum 19. Juli. Dennoch werde man in einigen Punkten lockern und anpassen.

Mehr Menschen bei Versammlungen erlaubt

Die Zahl von erlaubten Menschenmengen bei Veranstaltungen werde dennoch bereits ab jetzt verdoppelt: Von 50 auf 100 in Innenbereichen und von 100 auf 200 in Außenbereichen. Auch Innenbereiche von Ausflugsorten und Ausflugsschiffen sollen wieder geöffnet werden. Beides gilt ab dem 8. Juli.

Sport-Wettkämpfe wieder in Innenbereichen

Im Sport werden kontaktfreie Wettkämpfe und das Training mit Körperkontakt in Innenbereichen erlaubt – bei Kampfsportarten in Gruppen von maximal 5 Personen.

Clubs und Bars bleiben zu

In den Schankwirtschaften wie Diskotheken und Clubs wird es laut Staatsminister Dr. Herrmann keine Anpassungen geben. Sie bleiben weiter zu. „Wir sind da sehr zurückhaltend“, so Herrmann. Wegen des 10-Tages-Rhythmus von Infektion und Symptomen müssen man weitere Schritte abwarten – es gebe noch keinen konkreten Plan, wann die Betreiber wieder öffnen dürfen. Sonst lande man in Texas, „wo der Gouverneur sagen musste: Entschuldigung, wir haben die Bars zu früh aufgemacht“. Das sei das tückische an der Pandemie: Dass sie immer weitergehen, so lange man das Virus nicht durch eine Impfung oder Herdenimmunität bekämpfen könne.

Bayern „Ökoland Nummer 1"

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber will, so sagt sie in der Pressekonferenz nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts, nicht nur als Antwort ein eigenes Programm „Bayerisches Tierwohl" auflegen. Es soll unter anderem Weidetier-Prämien zur Verfügung stellen.

Auf allen Ebenen wolle man dafür kämpfen, dass genau die kleinen Betriebe in Bayern eine bessere finanzielle Ausstattung bekommen, das gelte auch für die 62 Prozent der Nebenerwerbslandwirte in Bayern. „Wir buhlen regelrecht um die Gesellschaft, was die Akzeptanz der Landwirtschaft angeht“, so Kaniber. „Eines ist wichtig: dass wir die Landwirte keinesfalls allein lassen."

Es werde eine neue Ämterstruktur geben, die vor allem weitaus mehr auf Beratung vor Ort ausgelegt werden soll.

Die Standorten von Landwirtschaftsschulen sollen überdacht werden, viele von ihnen seien nicht mehr so gut besucht. An sieben Schulen in Bayern, unter anderem in Töging, sollen die Landwirtschaftskurse beendet werden.

Antworten für den Artenschutz

Umweltminister Thorsten Glauber sagt, innerhalb des Jahres nach dem Volksbegehren zum Artenschutz sei viel passiert. Dies gehe aber nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten selbst – 26.000 Bauern und Bäuerinnen in Bayern. 25 Millionen Euro seien vom Freistaat in die Umsetzung des Artenschutzes geflossen. Im Bayerischen Wald werde der größte Wald-Nationalpark in Deutschland entstehen.

Mit 50 Millionen Euro wollen man in Bayern in den kommenden Jahren die „Wasserjahre" einleiten, um Gewässer und Grundwasser zu schützen und zu nutzen.

"Lasst uns die Tiere nicht quer durch Europa transportieren", man könne dann wirklich nicht mehr von Tierwohl sprechen, so der Umweltminister. Die Fälle um Tönnies zeigten, dass das Thema Weideschlachtung und Regionalvermarktung wieder mehr in den Blick geraten müssen.

Meldung 7. Juli, 10 Uhr:

Lockerungen in Bayern stehen zur Diskussion

München - Bayerns Kabinett debattiert am Dienstag, 7. Juli, erneut über Folgen der Corona-Pandemie. Auch die aktuellen Lehren aus der Debatte um Billigfleisch stehen heute (9.00 Uhr) in der Sitzung des Kabinetts ganz oben auf der Tagesordnung. Mit Blick auf die weltweite Pandemie hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sich bereits am Montag gegen ein Ende der Maskenpflicht in Bayern ausgesprochen und zugleich Nachjustierungen bei den Hilfen für die Zulieferbranche angekündigt.

Am 7. Juli gegen 12 Uhr soll es eine Pressekonferenz mit Staatsminister Dr. Florian Herrmann, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Umweltminister Thorsten Glauber dazu geben.

Wir berichten an dieser Stelle live!

Finden Sie hier: Der Ticker zum Coronavirus in der Region Rosenheim, Mühldorf und Traunstein 

Kein Ende der Maskenpflicht

«Solange aus den USA kein deutliches Signal der Besserung kommt, und unser Gefühl ist, dass es da eher schwieriger wird, (...) so lange wird es ein ernsthaftes Problem werden», hatte Söder am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München gesagt. Da alle großen Branchen etwa die Automobilwirtschaft oder die Luft- und Raumfahrt an den weltweiten Exportketten hingen, müssten die Hilfen gerade für die Zulieferer beschleunigt werden. In Bayern werde sich die Regierung um jeden Fall kümmern».

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa-Bildfunk

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