Coronavirus: Beratungen im Kabinett

Söder räumt Verzögerungen bei Corona-Tests für Rückkehrer ein - Mehr Tempo durch Dienstleister?

Eine Maskenpflicht im Unterricht an Bayerns Schulen ist nicht vom Tisch. Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten sollen in Bayern bald 2 mal getestet werden. Und für den Start der Fußball-Bundesliga hat Ministerpräsident Söder eine schlechte Botschaft: die wichtigsten Ergebnisse aus der Kabinettssitzung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Bayern sollen Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten bald 2 mal getestet werden.
  • Die Staatsregierung hält sich die Option offen, nach den Sommerferien auch im Unterricht eine Maskenpflicht einzuführen.
  • Markus Söder spricht dafür aus, die neue Bundesliga-Saison ohne Zuschauer zu starten.
  • Bayerns Ministerpräsident ist in der aktuellen Lage gegen Kultur-Großveranstaltungen.

Update 10. August, 20 Uhr

Söder und Huml räumen Verzögerungen bei Tests ein

Nürnberg (dpa/lby) - Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) haben am Montag (10. August) Verzögerungen bei Corona-Tests für Reiserückkehrer eingeräumt. Diese sollten aber diese Woche ausgeräumt werden, hieß es nach einer Kabinettssitzung in Nürnberg.

Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, dass Testergebnisse bei manchen Urlaubsrückkehrern auch eine Woche nach dem Abstrich im Testzentrum noch nicht vorlagen. Auch die OVB-Heimatzeitungen hatten darüber berichtet. Am Sonntag (9. August) hatte Innenminister Joachim Herrmann die Test-Station an der Rastanlage Hochfelln-Nord besucht und dort den Helfern gedankt.

So sollen Corona-Tests schneller gehen

Bislang haben Hilfsorganisationen wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) die Abstriche an Testzentren an Flughäfen, Hauptbahnhöfen und Autobahnraststätten genommen. Nun soll ein externer Dienstleister den Betrieb übernehmen - von der Abstrichnahme über die Laborauswertung bis zum Versand des Ergebnisses. Wenn alles in einer Hand sei, sollten die Abläufe schneller klappen, sagte Huml.

Die Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse seien der großen Nachfrage und der manuellen Erfassung geschuldet, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der externe Dienstleister wolle den Betriebsablauf digitalisieren, als Ziel sei eine Mitteilung des Ergebnisses innerhalb von 48 Stunden vereinbart. Wenn aber zum Beispiel mangels Kontaktdaten keine elektronische Übermittlung möglich sei, könne dies auch länger dauern.

BRK sieht Verzögerungs-Grund anders

Das BRK führt die Verzögerungen bei den Corona-Tests in der Anfangsphase auf die kurzfristige Einrichtung der Testzentren zurück. "Man hätte dieser guten Idee etwas mehr Zeit geben müssen", sagte ein BRK-Sprecher am Montag. Von einem auf den anderen Tag seien die Testzentren aus dem Boden gestampft worden. "Scheinbar hatten die behördlichen Strukturen dahinter nicht die Zeit, nachzuziehen", sagte der Sprecher.

Das BRK sei für die Verzögerungen bei der Zustellung der Testergebnisse jedenfalls nicht verantwortlich: "Wir machen nur den Rachenabstrich." Trotzdem würden sich pro Tag 100 bis 150 Anrufer bei der Hilfsorganisation melden, um nach ihren Testergebnissen zu fragen. Das BRK fürchte nun einen "Reputationsschaden".

Keine Aufgabe für Ehrenamtliche?

Es sei ohnehin höchste Zeit, die rund 2.000 Ehrenamtlichen an den Testzentren abzulösen. "Es ist nicht die primäre Aufgabe von Hilfsorganisationen, dieses Angebot für den Freistaat bereitzustellen", sagte der Sprecher.

Laut Absprache mit dem bayerischen Innenministerium sollen die Helfer demnach schrittweise bis Ende der Woche durch Mitarbeiter eines privaten Dienstleisters ersetzt werden. Ursprünglich hätte dies nach Angaben des BRK schon am Freitag geschehen sollen.

Söder: Bereits mehr als 60.000 Tests

Bislang habe es in den Testzentren für Reiserückkehrer an Flughäfen, großen Hauptbahnhöfen und an mehreren grenznahen Rastanlagen in Bayern insgesamt mehr als 60.000 Tests gegeben, sagte Söder am Montag. Das Angebot freiwilliger Tests sei unglaublich in Anspruch genommen worden.

In Bayern können sich alle Reisenden seit dem 25. Juli bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg freiwillig testen lassen, seit dem 30. Juli auch an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord (A8), Inntal-Ost (A93) und Donautal-Ost (A3). Anfang August wurde zudem ein Testzentrum am Flughafen Memmingen eingerichtet. Für Urlauber aus Risikogebieten greift seit Samstag bundesweit eine Testpflicht.

+++


Erstmeldung

„Corona macht keine Ferien, Corona macht keine Pause", warnt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Montagmittag bei einer Pressekonferenz der Staatsregierung. Alle 2 Wochen werde Bayern deshalb seine Strategie auch in der Ferienzeit nachjustieren. „Ob man es zweite Welle nennt oder nicht: Corona ist da, Corona bleibt da", sagte Söder.

Das sind die neuen Corona-Beschlüsse für Bayern

  • Bayern werde seine Tests für Reiserückkehrer nicht nur fortsetzen, sondern ausweiten. Söder kündigt an, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten nicht nur einmal bei der Einreise getestet werden sollen. Ein zweiter Test soll bald 5 Tage nach der Einreise stattfinden. "Auf Dauer werden nur 2 Tests helfen", so Söder.
  • Die Testkapazitäten in Bayern sollen weiter massiv ausgebaut werden. Ende Mai seien 22.000 pro Tag in Bayern möglich gewesen, sagte der Ministerpräsident. Derzeit seien 55.000 Tests pro Tag in Bayern möglich. Ende des Monats August soll sich diese Testkapazität fast vervierfachen – auf 200.000.
  • Coronavirus-Reihentests in Alten- und Pflegeheimen sollen fortgesetzt werden. Auch Erntehelfer sollen künftig routinemäßig stärker getestet werden. Höfe mit mehr als 10 Beschäftigten sollen vor Beschäftigungsbeginn eines Erntehelfers einen negatien Coronatest vorweisen müssen.
  • Schule in Bayern: Aktuell beobachte man die Erfahrungen mit dem Schulbeginn in anderen Bundesländern, sagte Markus Söder. Derzeit sei für Bayern eine Maskenpflicht bis zum Schulsaal geplant. Im Unterricht nicht. Das könne sich jedoch noch ändern, sagte Söder ausdrücklich. Eine Woche vor Ende der Sommerferien soll am 1. September diesbezüglich eine Entscheidung fallen.
  • Der morgendliche Unterrichtsbeginn in Bayern soll nach den Sommerferien weiter entzerrt werden, um Ansteckungsgefahren auf dem Schulweg zu mindern.
  • Fußball-Bundesliga: Markus Söder ist weiter skeptisch, die neue Bundesligasaison in (teilsweise) gefüllten Stadien zu beginnen. „Das hätte auch eine verheerende Signalwirkung in die Öffentlichkeit.“ Zu dem Thema soll es noch eine weitere Ministerpräsidentenkonferenz geben.
  • Ähnlich wie bei vollen Stadien in der Bundesliga ist Söder auch gegen Kultur-Großveranstaltungen mit vielen Zuschauen. Konzerte mit 10.000 oder mehr Menschen wären ebenso ein "katastrophales Signal" an die Gesellschaft.

Lesen Sie auch:

Wenn die zweite Corona-Welle rollt: So ist der Kreis Mühldorf vorbereitet

+++ Die wichtigsten Nachrichten rund um das Coronavirus finden Sie in unserem Ticker. +++

Die Vorausmeldung von Montagmorgen:

Nürnberg (dpa/lby) – Söder und seine Minister wollen über die aktuelle Corona-Situation beraten, insbesondere über die bundesweit wieder gestiegenen Fallzahlen auch durch Reiserückkehrer. Zudem dürfte der Corona-Ausbruch im niederbayerischen Mamming die Ministerrunde weiter beschäftigen. Die Situation in den neuen Testzentren soll ebenso diskutiert werden wie die Frage nach einer möglichen Ausweitung von Corona-Risikogebieten.

+++ Ab 12 Uhr berichten wir an dieser Stelle live von den Ergebnissen der Videokonferenz. +++

Lesen Sie auch:

Rosenheim – Mühldorf – Traunstein: 23 neue Coronafälle in der Region

Wie geht es nach den Ferien in den Schulen weiter?

Und schließlich will das Kabinett auch beraten, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte zuletzt einen Vier-Stufen-Plan vorgelegt, nach dem jedenfalls bis zum Platz im Klassenzimmer eine Maskenpflicht gelten soll, auch in Grundschulen. Bei hohen Infektionszahlen soll es eine Maskenpflicht auch im Unterricht geben.

Lesen Sie auch:

Rosenheims Partnerstadt Lazise fürchtet: Ruhe vor dem zweiten Corona-Sturm?

Fraglich ist aber, ob eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht droht – Nordrhein-Westfalen hat dies für weiterführende Schulen so entschieden. Eltern-, Lehrer- und Schülerverbände in Bayern sind sich in der Frage einer generellen Maskenpflicht auch im Unterricht uneins, mehrere äußerten sich am Wochenende eher skeptisch.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

Kommentare