Söder warnt vor zweitem Lockdown

Bayern bekommt neue Corona-Warnstufe: Folgen vor allem für Kultur-Veranstaltungen

Bekommt Bayern bald eine neue Corona-Warnstufe? Automatische weitere Beschränkungen ab einem Inzidenzwert von 100 brachte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch (21. Oktober) bei seiner Regierungserklärung im Landtag ins Spiel.

München (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat für Regionen mit drastisch erhöhten Corona-Zahlen eine Beschränkung von Veranstaltungen auf maximal 50 Teilnehmer und eine Sperrstunde ab 21 Uhr angekündigt. Dies soll dann greifen, wenn die Zahl von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird. Das sagte Söder am Mittwoch in einer Regierungserklärung zur Corona-Krise im Landtag in München. Ausnahmen soll es laut Söder etwa für Gottesdienste und Demonstrationen geben.

Betroffen von der Beschränkung auf 50 Teilnehmer sind nach Worten Söders ansonsten Veranstaltungen aller Art. Dazu zählen dann insbesondere Kulturveranstaltungen aller Art, etwa Theater und Kinos, aber auch Vereinsversammlungen. Bislang gilt in Bayern eine Beschränkung auf 100 Zuschauer in Innenräumen und 200 im Freien, bei zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen ist es sogar jeweils das Doppelte.

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Die bisherige bayerische Corona-Ampel hatte lediglich zwei Stufen: Ab einem Wert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen Tagen zeigt sie Gelb - dann greifen in den betroffenen Regionen automatisch eine verschärfte Maskenpflicht, striktere Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde in der Gastronomie ab 23 Uhr. Bei einem Wert von 50 schaltet die Ampel auf Rot, dann gelten regional noch einmal schärfere Kontaktbeschränkungen und Restaurants müssen noch früher schließen, um 22 Uhr. Bei der neuen - dunkelroten - Stufe ab dem Wert 100 sollen Restaurants schon um 21 Uhr schließen müssen.

Zuletzt hatten immer mehr Regionen in Bayern und auch in Deutschland den 50er-Wert teils deutlich überschritten. Acht Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern überschritten nach Worten Söders inzwischen sogar die 100er-Marke. Spitzenreiter war - Stand Dienstag - nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) der Kreis Berchtesgadener Land, dahinter folgten unter anderem der Kreis Rottal-Inn und die Stadt Augsburg.

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Die Erstmeldung von 14 Uhr

München (dpa/lby) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat in einem flehentlichen Appell zu Ernsthaftigkeit und Seriosität im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. «Vorsicht und Umsicht sind der beste Maßstab», sagte Söder am Mittwoch bei seiner Regierungserklärung im Bayerischen Landtag. «Es ist in Deutschland zu früh und viel zu hoch von den Zahlen», sagte Söder. Der Winter, mit einem erhöhten Infektionsgeschehen, komme erst noch.

Söder: Einem zweiten Lockdown näher, als viele glauben

In vielen Nachbarländern seien die Verhältnisse schlimmer als in Deutschland und in Bayern, aber auch hierzulande verschlimmere sich die Situation schnell. «Corona ist wieder voll zurück, die zweite Welle ist da, sie rollt über ganz Europa», sagte der Ministerpräsident. Einem zweiten Lockdown sei man näher als viele glaubten, zumindest einem Teil-Lockdown.

Söder warnte in eindringlichen Worten davor, Corona auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Virus sei gefährlich, und man könne nicht sagen, welche Langzeitfolgen Infektionen haben könnten. Und auch wenn die Krankenhaus-Zahlen glücklicherweise in Bayern noch nicht so hoch seien: Die Zahl der schwer Erkrankten in den Krankenhäusern nehme spürbar zu. In den vergangenen Wochen habe es einen deutlichen Anstieg bei der Belegung der Intensiv- und Beatmungsbetten gegeben. Es solle sich keiner täuschen: «Es kann ganz, ganz schnell gehen.»

Söder kündigt neue automatische Beschränkungen an

Söder sagte, man habe in Deutschland noch kein exponentielles Wachstum bei den Neuinfektionen. «Aber wir sind kurz davor, den Sprungpunkt zu erreichen.»

Söder hat für Regionen mit drastisch erhöhten Corona-Zahlen eine Beschränkung von Veranstaltungen auf maximal 50 Teilnehmer und eine Sperrstunde ab 21 Uhr angekündigt. Dies soll dann greifen, wenn die Zahl von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird. Das sagte Söder am Mittwoch in einer Regierungserklärung zur Corona-Krise im Landtag in München.

Offenbar Morddrohungen gegen Markus Söder

Söder will sich in seiner Anti-Corona-Politik nicht von Drohungen und Hassnachrichten einschüchtern lassen. «Das schreckt mich nicht ab», sagte Söder in seiner Regierungserklärung. Er berichtete erneut von massiven Anfeindungen und Morddrohungen, die ihn regelmäßig erreichten.

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Markus Söder (CSU) erklärte vor dem bayerischen Landtag seine Corona-Strategie.

Er zitierte - wie schon auf dem virtuellen CSU-Parteitag Ende September - auch aus Kommentaren, in denen ihm und auch anderen Parlamentsmitgliedern teils mit dem Tod gedroht wurde. In seiner Entschlossenheit im Kampf gegen die Corona-Pandemie lasse er sich aber nicht einschränken, betonte Söder. An den Landtag appellierte er ebenfalls, sich nicht einschüchtern zu lassen.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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