Corona: Heuer keine Großveranstaltungen mehr? Söder schwört Bayern auf langen Kampf ein

Coronavirus - Bayern
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Bayerns Ministerpräsident umrahmt von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Gesundheitsministerin Melanie Huml: Nach der Kabinettssitzung am Dienstag (7. April) informierten sie über die Corona-Lage in Bayern.
  • Moritz Kircher
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Ministerpräsident Markus Söder stellt die Menschen offenbar auf einen langen Kampf gegen das Coronavirus ein. Bis ein Impfstoff da sei, müsse man mit Einschränkungen des öffentlichen Lebens rechnen. Das kann Monate dauern. Besonders schlimm könnte es für Gastronomen und Veranstalter aussehen.

München – "Wir sind noch lange nicht über den Berg", sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag, 7. April, zur Corona-Lage in Bayern. Für einige Maßnahmen stellt er für die Zeit nach Ostern zwar erste Lockerungen in Aussicht. Grundsätzlich würden die Menschen aber noch so lange mit einigen Einschränkungen leben müssen, bis es einen Corona-Impfstoff gebe.

Söder: "Menschenleben gehen vor Shoppingtouren"

Und das dauert nach Einschätzungen von Experten noch Monate. Man geht davon aus, dass es einen Coronavirus-Impfstoff vielleicht erst im kommenden Jahr geben wird – möglicherweise aber auch schneller. Das Robert-Koch-Institut stellt zur Frage, wann es einen Impfstoff geben könnte, nur fest: Wann ein Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 verfügbar sein wird, ist derzeit noch nicht zu sagen.

Söder sagte dazu auf einer Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung am Dienstag (7. April): „Solange es keinen Impfstoff gibt, bleibt Corona eine Herausforderung - wohl für das ganze Jahr.“

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Keine Lockerungen soll es bis auf Weiteres dort geben, wo die Menschen keinen Abstand zueinander halten können. Also in der Gastronomie, in Diskotheken und bei Veranstaltungen. Auch große Kaufhäuser und Shopping-Malls sollen weiterhin geschlossen bleiben. Der Ministerpräsident dazu plakativ: „Menschenleben gehen vor Shoppingtouren.“

Mehr Mittel für das Gesundheitssystem im Kampf gegen Corona

Es werde keinen Alleingang Bayerns im Kampf gegen das Coronavirus geben. Nach Ostern, so Söder, wollen die Bundesländer ein gemeinsames Vorgehen erarbeiten, wie man mittelfristig mit der Coronakrise umgehen wolle. Das Gesundheitssystem solle derweil weiter massiv ausgebaut werden.

Das heißt: Mehr Kapazitäten in den Kliniken, um Corona-Patienten versorgen zu können und mehr Mitarbeiten in den Behörden, um Infektionsketten zu verfolgen und zu unterbrechen. 1000 der 3000 neuen Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern Bayerns hätten die Arbeit bereits aufgenommen.

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Die Infektionszahlen in Bayern stabilisierten sich – dank der getroffenen Maßnahmen, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. Aber das sei "kein Anlass zur Entwarnung". Die Ministerin appellierte an die Menschen in Bayern, auch über die Osterfeiertage soziale Kontakte auf ein Mindesmaß zu beschränken und die Vorgaben der Ausgangsbeschränkungen einzuhalten. Söder: „Halten Sie Abstand und bleiben Sie möglichst zu Hause.

Bayern will eigene Produktionsstätten aufbauen

Aktuell habe man die Corona-Lage im Griff, so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Nun solle die Versorgung von Einrichtungen und der Bevölkerung mit Hygiene- und Schutzausrüstung verbessert werden. Dazu wolle Bayern teils eigene Produktionsstätten aufbauen.

uch die Fertigung von Beatmungsgeräten solle im Land möglich werden. Außerdem wolle Bayern eine eigene Fertigung für Corona-Schnelltests. Huml sagte: „Nur mit dieser Infrastruktur im Rücken können wir überhaupt über Lockerungen nachdenken.“

Sehen Sie hier die ganze Pressekonferenz

Unternehmen und Selbstständige, die durch die Coronakrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, versprach Aiwanger schnelle Hilfe. Anträge auf Unterstützung und Hilfskredite würden derzeit wohlwollend und schnell geprüft. Aiwanger warnte jedoch, dass nach Ende der Krise gewährte Hilfen noch einmal kontrolliert würden, um etwaige Betrüger ausfindig zu machen. Der Minister sagte: „Wir pumpen Milliarden an Steuergeld ins System, damit der Patient Wirtschaft am Leben bleibt.“

Ministerpräsident für mehr Desinfektion im öffentlichen Bereich

Ministerpräsident Söder dachte laut darüber nach, für Läden in Deutschland nach österreichischem Modell eine Maskenpflicht einzuführen. Noch wollte er sich aber nicht festlegen. Er betonte jedoch, dass auch im Geschäftsbereich "mehr Desinfektion" notwendig sei.

Die aktuell geltenden Maßnahmen in Bayern zum Kampf gegen Corona sollen bis auf Weiteres aufrecht erhalten bleiben. Söder sagte: „Jede Form der Erleichterung muss verbunden werden mit einer entsprechenden Auflage.“ Experten gehen davon aus, dass jeder Corona-Kranke im Schnitt drei andere Menschen ansteckt, wenn keine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus unternommen werden.

Damit die Zahlen der Covid-19-Kranken zurückgehen, muss dieser Wert unter die Zahl von eins gedrückt werden. Dann geht die Zahl der Neu-Infektionen langfristig zurück.

Ein baldiges absehbares Ende der Einschränkungen im öffentlichen Leben stellte er nicht in Aussicht. „Solange es keinen Impfstoff gibt, müssen wir versuchen, mit dieser Herausforderung zu leben", sagte Söder.

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