Corona-Monitoring lokal

Corona-Studie in Bad Feilnbach: "Werden noch eine ganze Weile mit dem Virus leben müssen"

  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
    schließen

Wie breitet sich das Coronavirus aus? Wie hoch ist die Dunkelziffer? Mehr als 2000 Menschen haben in Bad Feilnbach bei einer Studie des Robert-Koch-Instituts mitgemacht, um solche Fragen zu klären. Am Dienstag (25. August) werden die Ergebnisse vorgestellt. Wir berichten ab 11 Uhr live.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Verlauf der Studie des RKI wurden vom 23. Juni bis zum 4. Juli über 2.100 Bad Feilnbacher freiwillig und per Zufallsverfahren auf der Coronavirus und Antikörper getestet
  • Es wurden dabei keine akuten Infektionen festgestellt
  • Rund 14 Prozent der Menschen mit Antikörper-Nachweis waren ohne typische Krankheitssymptome, 85 Prozent hatten mindestens ein Symptom 
  • Durch die Studie wurden 2,6 Mal mehr Infektionen nachgewiesen als bislang in Bad Feilnbach bekannt
  • Bei 40 Prozent der Menschen, die angaben, positiv getestet worden zu sein, konnten keine Antikörper nachgewiesen werden 

Update 11.43 Uhr

Das war der Liveticker aus Bad Feilnbach. Wir werden am Tag noch weiter von den Erkenntnissen aus Bad Feilnbach berichten.

Update 11.40 Uhr

Kann man sich mehrfach mit dem Coronavirus anstecken?

Das RKI möchte möglicherweise an ein oder zwei Studienorte zurückkehren und die positiv Getesteten noch einmal testen. Dr. Osamah Hamouda, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim RKI, geht damit auf den Fall eines Chinesen ein, der sich zweimal infiziert haben soll. Es gebe Hinweise, dass es sich bei dem Fall um eine Infektion mit einem leicht veränderten Virus-Stamm aus Europa gehandelt haben könnte. 

Allgemein geht der RKI-Vertreter davon aus, dass es nicht die eine große Pandemie gibt – "und dann ist die Sache vorbei". Er rechnet vielmehr damit, dass das Coronavirus die Welt dauerhaft im Alltag begleiten wird. Auf Reisen, auf Partys. "Wir werden uns an den Gedanken gewöhnen müssen, dass wir noch eine ganze Weile mit diesem Virus leben müssen." Auch eine Impfung sei möglicherweise nicht das Allheilmittel. "Wir wissen nicht, wie gut sie wirkt, wie lange sie anhält."

+++

Update 11.36 Uhr

Gibt es aktuell mehr Fälle, weil mehr getestet wird?

Nein, sagt Dr. Osamah Hamouda, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim RKI. Es werde zwar mehr getestet, was das Potenzial erhöhe, auch mehr Infektionen zu finden. Aber man stelle gleichzeitig fest, dass die Zusammensetzung der Gruppe der Erkrankten sich verändere. Es gebe sehr viele Reiserückkehrer, die sich infiziert hätten. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Fallzahlen in der Bevölkerung tatsächlich ansteigen – und nicht nur, weil mehr getestet werde.

+++

Update 11.30 Uhr

Gibt es außergewöhnliche Ergebnisse der Studie in Bad Feilnbach?

Die Studie habe ergeben, dass viele Menschen Symptome zeigten, die auf eine Coronavirus-Infektion hinweisen. "Symptombezogene Testungen sind also sinnvoll", sagt Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener.

+++

Update 11.28

Was bringt der Antikörpertest?

Was bringt der Antikörpertest, wenn inzwischen bekannt ist, dass der menschliche Körper nicht nur über diese Zellen Immunität gegen eine Krankheit aufbaut? Dr. Osamah Hamouda, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim RKI, erklärt: "Klassischerweise sinken die Antikörper nach einer Infektion mit der Zeit wieder ab." Es gebe aber andere Immunmechanismen, "die infizierte Zellen im Körper erfassen können".

+++

Update 11.24 Uhr

Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener betont, dass die Werte zu fehlenden Antikörpern bereits aus anderen Studien bekannt seien. Die gleiche Studie wurde bereits in Kupferzell (Baden-Württemberg) durchgeführt. Dort lag die Dunkelziffer bei 8 Prozent. Feilnbach liegt 2 Prozentpunkte niedriger. Dazu gibt es bislang nur theoretische Erklärungen.

+++

Update 11.20 Uhr

2,6 mal mehr Infektionen als bislang bekannt

Bei der Studie in Bad Feilnbach wurde bei sämtlichen PCR-Tests keine akute Infektion nachgewiesen. In Bad Feilnbach wurden 2,6 mal mehr Infektionen nachgewiesen als bislang bekannt. Bei knapp 40 Prozent der Menschen mit positiven vorhergehenden Coronatest wurden keine Antikörper nachgewiesen. Die Studienmacher vom RKI betonen allerdings, dass dies nicht zwangsläufig eine fehlende Immunität bedeutete.

+++

Update 11.15 Uhr

Dr. Claudia Santos-Hövener, RKI-Projektleiterin der Studie in Bad Feilnbach, stellt jetzt die konkreten Ergebnisse der Studie vor. 6% der Menschen in Bad Feilnbach haben Antikörper gegen das Coronavirus. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist in etwa gleich.

+++

Update 11.13 Uhr

Die RKI-Vertreter erläutern noch einmal die Hintergründe der Studie. Das Institut bereite zur Zeit weitere Studien vor, die auf Bundesebene durchgeführt wird. Die Studie "Corona-Monitoring lokal" ist nur ein Teil der Untersuchungen. Diese Studien seien notwendig, erklärt Dr. Osamah Hamouda. Alle diese Studien würden wie ein Mosaik zusammengeführt, um ein Bild von der Pandemie zu bekommen.

+++

Update 11.10 Uhr

Dr. Osamah Hamouda, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim RKI, mahnt zunächst: "Jeder einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, dass die Verbreitung des Virus eingedämmt wird." Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmasken tragen. Wenn es kälter wird, sollte man in geschlossenen Räumen regelmäßig für frische Luft sorgen. Und: "Menschenansammlungen, besonders in Innenräumen, sollte man meiden." Feiern sollte man auf den engsten Kreis beschränken.

+++

Update 11.07 Uhr

Dr. Osamah Hamouda, Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie beim RKI, stellt jetzt die Ergebnisse der Studie vor. Er lobt zunächst die große Teilnahmebereitschaft der Feilnbacher. "Solche Studien sind wichtig, um das Coronavirus besser zu verstehen", sagt er.

Weltweit gebe es steigende Fallzahlen. Auch in Europa, insbesondere in Frankreich und Spanien, stiegen die Zahlen wieder an. "Und das macht uns große Sorge."

+++

Update 11 Uhr:

Die Pressekonferenz hat pünktlich begonnen. Bürgermeister Anton Wallner spricht über die Ausgangslage in Bad Feilnbach, die zur Studie geführt hat. 2.000 Tests waren vorgesehen. 2.153 Menschen haben in Bad Feilnbach mitgemacht.

+++

Meldung 24. August: 

Mehr als 2000 Bad Feilnbacher haben mitgemacht

Bad Feilnbach – Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie war immer vom "neuartigen" Coronavirus die Rede. So neu ist der Krankheitserreger Sars-Cov-2 mittlerweile gar nicht mehr. Seit Monaten bestimmt er das Leben der Menschen im Land.

Für die Wissenschaft ist das Coronavirus allerdings durchaus noch neu und vergleichsweise wenig erforscht. Überall auf der Welt befassen sich deshalb Forscher mit dem Virus. Es wird nicht nur fieberhaft an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet. Auch die Frage, wie sich das Coronavirus ausbreitet, ist von zentraler Bedeutung beim Kampf gegen die Pandemie.

Lesen Sie auch:

Warum gab es so viele Corona-Fälle in Bad Feilnbach? RKI startet Studie

Und genau hier setzt die Studie "Corona-Monitoring lokal" an, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in 4 Orten in Deutschland durchgeführt hat. Einer der Orte ist Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim. Mehr als 2000 Menschen haben bei der Studie mitgewirkt, haben sich auf das Coronavirus testen lassen und viele Fragen der RKI-Wissenschaftler beantwortet.

Mehr als 2000 Menschen wurden in Bad Feilnbach für die RKI-Studie "Corona-Monitoring lokal" auf das Coronavirus untersucht.

Die Ergebnisse der Studie in Bad Feilnbach stellt das RKI am Dienstag, 25. August, vor Ort vor. Ab 11 Uhr soll es eine Pressekonferenz geben. Wir berichten an dieser Stelle in einem Liveticker.

Auf diese Fragen suchen die Forscher Antworten:

  • Wie häufig sind Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2?
  • Wie hoch ist der Anteil von Infektionen, die ohne Krankheitssymptome verlaufen?
  • Bei wie vielen Menschen lassen sich Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen bzw. wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht?
  • Welche Menschen sind häufiger von einer Infektion mit SARS-CoV-2 betroffen?
  • Wie oft verläuft die Atemwegserkrankung COVID-19 so schwer, dass Menschen im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen?
  • Wie sind bisherige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu bewerten?

Einen ersten Anhaltspunkt hat vor einigen Tagen die Präsentation der RKI-Studie in Kupferzell (Baden-Württemberg) gegeben. Dort kam heraus, dass knapp 8 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Coronavirus haben. Und viele der positiv getesteten wussten nichts von einer Infektion.

Bad Feilnbach ist nun der zweite von vier Orten, bei dem die Ergebnisse von "Corona-Monitoring lokal" vorgestellt werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

Kommentare