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Ansteckender, aber milder Verlauf

Was man jetzt über Omikron wissen muss

Viren-Fahnder: Mit PCR-Tests können Labors  die neue Omikron-Variante mit großer Sicherheit nachweisen. Foto: dpa
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Delta oder Omikron? Mit PCR-Tests können Labors die Variante mit großer Sicherheit nachweisen.
  • Wolfgang Hauskrecht
    VonWolfgang Hauskrecht
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Eine neue Virusvariante verheißt oft nichts Gutes. Gilt das auch für Omikron? Wie gut helfen Impfungen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Omikron.

München – Nach Delta und Omikron nun Deltakron? Die Meldung der Universität Zypern von einer neuen Variante platzte mitten hinein in die laufende Omikron-Welle. Aber die Entwarnung kam fast eben so schnell. Der Universität war offenbar ein technischer Fehler beim Sequenzieren unterlaufen – die vermeintliche neue Mischvariante aus Delta und Omikron war also das Ergebnis einer Verunreinigung von Proben im Labor. So bleibt es vorerst bei Omikron – und das reicht. Denn die Variante hat es nun auch in Deutschland eilig. Sie verbreitet sich immer stärker und schneller. Letzte Woche war der Omikron-Anteil an den positiven Testungen laut Robert-Koch-Institut in Bayern auf 43 Prozent gestiegen, in Bremen beträgt er bereits über 85 Prozent.

Wie ansteckend ist die Omikron-Variante?

„Bisherige Studiendaten weisen darauf hin, dass Omikron zwei bis drei Mal infektiöser ist als Delta“, sagt Dr. Christoph Spinner, Infektiologe und Pandemiebeauftragter des Münchner Universitätsklinikums rechts der Isar. Der Epidemiologe Timo Ulrichs erklärt in einem ntv-Podcast, warum das so ist: „Durch die Mutationen auf dem Spike-Protein ist die Bindungsfähigkeit an die Wirtszellen im menschlichen Körper noch besser. Das heißt, es reichen viel weniger Viren aus, um eine Infektion auszulösen.“

Inkubationszeit und Symptome

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen, ist vermutlich kürzer, belastbare Daten fehlen noch. „Im Falle einer Infektion treten offenbar bereits drei Tage nach Kontakt zu Infizierten erste Symptome auf“, sagt Spinner. Ansteckend kann man schon vor den ersten Symptomen sein. Ob die Dauer der Infektiosität kürzer ist als bei anderen Varianten, sei noch unklar, erklärt Spinner.

Die Symptome sind laut Robert-Koch-Institut vor allem Schnupfen, Husten und Halsschmerzen, mitunter Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Schweißausbrüche – jedoch nicht wie bei Delta ein Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns. Omikron befällt auch weniger die Lunge, sondern eher Nase und Rachen.

Bei Ungeimpften treten die Symptome oft früher auf, weil das Immunsystem langsamer reagiert. Das bedeutet auch, dass bei Geimpften Schnelltests wegen der geringeren Virenlast trotz einer Infektion ein negatives Ergebnis zeigen können.

Wie gut wirkt Impfen gegen Omikron?

Schon die Grundimpfung schützt gut vor schweren Verläufen – aber nicht vor einer Infektion. Der Virologe Christian Drosten verweist auf eine Preprint-Studie aus Dänemark. Demnach ist das Infektionsrisiko bei Omikron für Ungeimpfte und doppelt Geimpfte ähnlich hoch – bei Geboosterten sinkt das Risiko stark um 54 Prozent. „Die Impfstoffe tun, was sie sollen. Sie schützen vor schweren Verläufen“, so Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Vor allem Menschen ab 65: Einer britischen Analyse zufolge liegt der Schutz vor Einlieferung in eine Klinik drei Monate nach der Drittimpfung bei rund 90 Prozent.

Warum wirken die Impfstoffe schlechter?

„Die Impfstoffe wurden auf eine bestimmte Sequenz des Spike-Proteins entwickelt, das sich auf der Virusoberfläche befindet. Mittlerweile gibt es jedoch Varianten, die haben das Spike-Protein an entscheidenden Stellen verändert“, erklärt Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut. Dadurch werde diese neue Variante vom Immunsystem nicht mehr so gut erkannt.

Wie krank wird man durch Omikron?

„Erste Studiendaten deuten auf weniger schwere Verläufe hin, vor allem bei Geimpften und Genesenen. Möglicherweise liegt das auch daran, dass bei Omikron seltener eine schwere Lungenentzündung auftritt“, erklärt Spinner. Dadurch sinke die Wahrscheinlichkeit einer Behandlung mit Sauerstoff und/oder auf einer Intensivstation. Die Mehrheit der Patienten im Rechts der Isar sei bisher mit der Delta-Variante infiziert. „Wir beobachten aber eine starke Zunahme des Omikron-Anteils bei den Infizierten – um bis zu 90 Prozent.“

Auch Susanne Johna, Chefin des Marburger Bunds, bestätigt, dass Omikron seltener auf die Intensivstation führt. Johna warnt aber: „Es wäre ein Fehler, bei der Omikron-Welle nur auf die Auslastung der Intensivstationen zu schauen. Der Großteil der Fälle muss in den Notaufnahmen und auf den Normalstationen behandelt werden.“ Sie rechnet bald mit vielen Omikron-Fällen in Kliniken, was viel Aufwand bedeute. „Sie müssen isoliert werden, brauchen zum Teil Sauerstoff und das Personal muss Schutzkleidung anziehen“, sagt Johna.

In Bayern waren gestern 1845 Klinikbetten mit Corona-Patienten belegt (12,3 Prozent weniger als in der Vorwoche), zusätzlich 502 Intensivbetten (minus 21,3 Prozent zur Vorwoche). Anfang Dezember mussten noch knapp 1110 Corona-Patienten intensivbehandelt werden, seitdem sinkt die Zahl. In Bayern sank die Hospitalisierungsinzidenz zuletzt auf 2,3. Das heißt: Von 100 000 Bayern mussten in den zurückliegenden sieben Tagen 2,3 ins Krankenhaus. Auf dem Höhepunkt der vierten Welle im November waren es vier Mal so viele.

Schlagen Schnelltests bei Omikron an?

Das Paul-Ehrlich-Institut prüft derzeit die Wirksamkeit von Schnelltests. Ergebnis bisher: Etwa 80 Prozent der Tests sind geeignet, um Omikron zu erkennen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Positivliste für Schnelltests angekündigt, welche die Omikron-Variante gut erkennen.

Wann kommt der modifizierte Impfstoff?

Der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, geht davon aus, dass ein angepasster Impfstoff bis spätestens Juni da ist. Die Hersteller der mRNA-Impfstoffe seien dran, parallel habe der Zulassungsprozess schon begonnen. Allerdings stehe noch nicht ganz fest, ob es eine einfache Anpassung nur auf Omikron wird, oder nicht gleich Impfstoffe gewählt und angepasst werden sollten, „die eine breitere Wirkung erzielen“.

Wird der Booster-Booster nötig?

„Die vielen Antikörper, die man nach dem Booster hat, gehen mit der Zeit wieder verloren“, sagt Immunologe Watzl. Angesichts noch vorhandener Impflücken könnten bei Risikogruppen regelmäßige Booster sinnvoll bleiben. Bei Jüngeren und Gesunden sei vorstellbar, dass keine regelmäßige Auffrischung nötig sei – solange sich das Virus nicht gravierend verändere. Israelische Daten zur vierten Impfung hatten erst kürzlich gezeigt, dass der Effekt relativ schnell wieder verpufft ist.

Sind weitere Varianten wahrscheinlich?

„Dass weitere Varianten auftreten, ist bei anhaltend hohen Infektionszahlen wahrscheinlich“, sagt Spinner. „Denkbar ist, dass diese Varianten infektiöser oder krankmachender sein werden – im ungünstigsten Fall beides zusammen.“ Dennoch werde vor allem die zelluläre Immunität von Geimpften und Genesenen Schutz vor solchen neuen Virusvarianten bieten.

Welche Medikamente darf ich einnehmen?

Bei milden Verläufen seien Medikamente nicht nötig, so Spinner. „Ansonsten können Infizierte je nach Symptomen gängige Mittel gegen Erkältungen wie fiebersenkende oder schmerzstillende Medikamente einnehmen.“ Und man soll viel Wasser trinken. Bei Menschen mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes mellitus oder einem Alter über 60, kann laut Spinner eine Therapie mit Molnupiravir-Kapseln über fünf Tage erwogen werden. Dies sei insbesondere bei Ungeimpften sinnvoll. „In Kürze kann alternativ eine Therapie mit Nirmatrelvir (Paxlovid) oder dem neutralisierenden Antikörper Sotrovimab genutzt werden, wobei beides noch nicht zur Verfügung steht.“

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