Ein Tragen ist sogar besonders gefährlich

Corona-Studie von Münchner Professor zeigt: Darum bieten Klarsichtmasken keinen Schutz

Sie sehen chic aus, sind bequem und lassen die Mimik gut erkennen. Klarsichtmasken werden immer beliebter. Für viele ist der durchsichtige Plastikmundschutz eine Alternative zu Stoff- oder OP-Masken. Die Hochschule München hat die Klarsichtmasken nun unter die Lupe genommen und festgestellt: Die Masken taugen nichts.

VON LAURA FORSTER

„Man sieht den durchsichtigen Mundschutz zurzeit überall, in der Kita, in der Schule oder beim Einkaufen“, sagt Professor Christian Schwarzbauer, wissenschaftlicher Leiter der Studie. Vor allem bei der Arbeit in Behinderteneinrichtungen oder mit kleinen Kindern seien die Masken durchaus praktisch. Was die wenigsten Träger jedoch wissen: „Diese Masken haben keinen Eigen- oder Fremdschutz“, sagt Schwarzbauer.

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Aerosol-Experimente in Alltagssituationen

Der Professor für Medizintechnik und Medizininiformatik an der Hochschule München hat am vergangenen Wochenende mit drei Kollegen mehrere Experimente durchgeführt. Das Ergebnis: Die Masken bieten keinen wirksamen Schutz vor Infektionen. Unter verschiedenen Bedingungen testeten die Forscher im BioMedLab der Hochschule München die Klarsichtmaske. „Wir haben Alltagssituationen berücksichtigt, wie man sie in Schulen, Büros oder in öffentlichen Verkehrsmitteln vorfindet“, erklärt Schwarzbauer.

Aerosolausbreitung beim Ausatmen durch die Nase. Die Versuchsperson atmet dabei gleichmäßig durch die Nase aus, ohne sich zu bewegen oder zu sprechen

Zuerst saß die Versuchsperson mit der Maske auf einem Stuhl und atmete durch die Nase aus. Die Aerosole strömte entlang des Körpers, bis sie sich im gesamten Raum verteilten (siehe Bild oben). Ein Effekt, den Mund-Nase-Bedeckungen unbedingt vermeiden sollen.

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Ist keine der Klarsichtmasken auf dem Markt sinnvoll?

Für das Experiment entschied Schwarzbauer sich für eine Klarsichtmaske eines Herstellers aus Süddeutschland. „Aus rechtlichen Gründen darf ich den Namen nicht verraten“, sagt er. Doch die verschiedenen Modelle sehen sich alle sehr ähnlich – die Ergebnisse wären somit vergleichbar. Bei jeder durchsichtigen Maske befindet sich auf der unteren Seite ein Spalt von einem bis zu mehreren Zentimetern zwischen Gesicht und Maske, der für den Austritt der Aerosole sorgt.

Aerosolausbreitung beim Husten. Die Versuchsperson geht durch den Raum und hustet dabei mehrmals

„Ohne Zweifel sind diese Masken angenehm zu tragen, einen Schutz vor Infektionen bieten sie allerdings nicht“, lautet Schwarzbauers Ergebnis der Studie. Er rät dringend davon ab, die Klarsichtmasken weiterhin zu verwenden. Noch ist die Mund-Nase-Bedeckung jedoch in Bayern erlaubt. „Über ein Verbot muss die bayerische Landesregierung entscheiden“, sagt Schwarzbauer.

Seiner Meinung nach ist das Tragen der Maske besonders gefährlich, „da viele denken, sie seien geschützt. Die Realität sieht aber anders aus.“ 

Rubriklistenbild: © Christian Schwarzbauer

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