News-Ticker zur Corona-Pandemie

Zahlen steigen wieder deutlich: Scheitern die Corona-Lockerungen? Lauterbach fordert Schulstopp bis Ostern

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof kippt Testpflicht für Pflegeheim-Mitarbeiter
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München/Oberbayern - Das Coronavirus sorgt in der Region, in Bayern, in Deutschland und der Welt nach wie vor für Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Entwicklungen am Sonntag, 14. März, im News-Ticker:

Das Wichtigste in Kürze:

  • 7-Tage-Inzidenz: Stadt Rosenheim 174,7, Landkreis Rosenheim 77,7, Landkreis Traunstein 109,8, Landkreis Berchtesgadener Land 107,6, Landkreis Mühldorf 104,4, Landkreis Altötting 104,0 (Quelle/Stand: RKI, 14. März, 0 Uhr)
  • Bislang infizierte Personen: Stadt Rosenheim 3055, Landkreis Rosenheim 11.090, Traunstein 7803, Berchtesgadener Land 4579, Mühldorf 4861, Altötting 4203 (Quelle/Stand: RKI, 14. März, 0 Uhr)
  • Todesfälle: Stadt Rosenheim 53, Landkreis Rosenheim 424, Traunstein 194, Berchtesgadener Land 96, Mühldorf 127, Altötting 181 (Quelle/Stand: RKI, 14. März, 0 Uhr)
  • Mindestens 73.371 Todesfälle in Deutschland (12.818 in Bayern)
  • Corona-Warn-App: www.corona-warn-app.de

Die Fallzahlen im Überblick:

Update, 19.08 Uhr -  Städte- und Gemeindebund warnt vor Scheitern der Corona-Lockerungen

Vor dem Hintergrund von stetig ansteigenden Corona-Zahlen warnt der Städte- und Gemeindebund vor dem Scheitern der Öffnungsstrategie. “Wenn wir nicht mehr Mut beweisen und Dinge schnell und praxisorientiert lösen, gefährden wir die Öffnungsperspektiven”, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es müsse alles dafür getan werden, schnellstmöglich so viele Menschen wie möglich zu impfen. “Aus der Krise kommen wir nicht mit Diskussionen, was warum nicht geht, sondern nur mit schnellen, lösungsorientierten Ansätzen. Nach einem Jahr Pandemie sollten wir diese Erkenntnis nun endlich beherzigen.” In Richtung Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte Landsberg, Hausarztpraxen so rasch wie möglich in die Impfungen einzubeziehen. “Nur dann können wir schnell und unbürokratisch einen deutlichen Impffortschritt erzielen.”

Zudem müssten die anstehenden Öffnungsschritte von einer umfassenden Teststrategie begleitet werden. Dazu gehört laut Landsberg neben ausreichend Selbsttests für Schulen und Kitas auch eine intelligente Kontaktnachverfolgung. Hierbei könnten Apps, wie die Corona-Warn-App des Bundes oder die Kontaktverfolgungs-App Luca, hilfreich sein.

Jedoch sagte Landsberg: “Wir brauchen keinen Wildwuchs mit einem Dutzend unterschiedlicher Apps, sondern eine durchgehend digitale Struktur.”

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben am Sonntag dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 10 790 Corona-Neuinfektionen gemeldet - 2687 mehr als noch vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 79 (Vortag: 76,1). Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 70 weitere Todesfälle verzeichnet.

Am vorigen Sonntag hatte das RKI binnen eines Tages 8103 Neuinfektionen und 96 Todesfälle registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 66,1. Nach einem deutlichen Rückgang im Januar und Februar setzt sich die seit einigen Tagen festgestellte Zunahme der Neuinfektionen damit fort.

Update, 17.20 Uhr - Lauterbach fordert Schulstopp bis Ostern

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, hat einen Schulstopp bis Ostern gefordert. „Ich appelliere an die Länder, alle Schulen bis Ostern wieder zu schließen, auch die Grundschulen“, sagte Lauterbach der Rheinischen Post (Montag). Als Grund für seine Forderung nannte Lauterbach die Virusmutationen, die sich „insbesondere bei den Jüngeren rasant ausbreiten“.

Die erneute Schließung von Schulen könne nur abgewendet werden, wenn Schüler zweimal pro Woche mit Schnelltests auf das Coronavirus getestet würden. Schulen, die dies noch nicht vorbereitet haben, sollten wieder geschlossen werden, sagte Lauterbach. „Es war ein Fehler, die Schulen ohne flächendeckend funktionierende Testabläufe zu öffnen. Bis Ostern sollten Lehrer und anderes Schulpersonal darin trainiert werden, die Schüler an allen Schulen an den Schnelltests anzuleiten.“

Neben den Schulschließungen forderte Lauterbach zudem zwei weitere Maßnahmen, „um die Lage beherrschbar zu halten und die Krankenhäuser nicht zu überfordern“. Der Gesundheitsexperte forderte die Länderchefs auf, die bei der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossene Notbremse konsequent zu ziehen, wenn in Regionen die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 steige. „Es darf keine lokalen Ausnahmen bei der Notbremse geben“, sagte Lauterbach. Außerdem müsse man mit dem Impfen konsequent und zügig voranschreiten.

Update, 16.15 Uhr - Wieder Lieferprobleme bei Astrazeneca - Bayern hält an Hausärzte-Impfungen fest

Nach Bekanntwerden drastischer Lieferprobleme des Corona-Impfstoffs Astrazeneca will Bayern dennoch wie geplant am 1. April mit dem Impfen durch die Hausärzte vor allem in den Grenzregionen starten. „Wichtig ist, dass der Impfstoff, der für Anfang April angekündigt ist, kommt und auf allen Ebenen schnell ausgeliefert wird“, sagte der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) der Bildzeitung.

Holetschek kritisierte die Reduzierung der Impfstofflieferungen durch den Hersteller Astrazeneca scharf. Sie sei „absolut inakzeptabel“ und zerstöre massiv Vertrauen, sagte der CSU-Politiker. Astrazeneca hatte am Freitag angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern.

Der britisch-schwedische Pharmakonzern hatte die Lieferengpässe unter anderem mit den Exportbeschränkungen anderer Länder begründet. „Es kann doch nicht sein, dass Exportbeschränkungen zu Lasten der Menschen gehen. Es reicht langsam“, sagte Holetschek.

Holetschek hatte erst Freitag bekanntgegeben, dass die bayerischen Hausärzte schon am 1. April und damit früher als anderswo in Deutschland mit dem Impfen starten sollen. Er meldete außerdem einen Rekord bei Corona-Impfungen in Bayern. Wie sein Ministerium am Samstag mitteilte, wurden am vergangenen Donnerstag knapp 47 000 Menschen geimpft - so viele wie noch nie zuvor an einem Tag. „Wir haben einen neuen Impfrekord. Am Donnerstag haben wir 46 813 Impfungen im Freistaat verabreicht“, betonte Holetschek.

In gut zweieinhalb Monaten wurde demnach in Bayern bislang (Stand 12. März) 1 504 039 Mal geimpft. 1 026 999 davon waren Erst- und 477 040 Zweitimpfungen. Im Verhältnis zur Bevölkerung liege Bayern damit im Vergleich der Bundesländer auf Platz drei, sagte Holetschek.

Weniger gut als in der Impf-Rangliste schneidet Bayern bei der Corona-Inzidenz ab. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag im Freistaat auch am Sonntag deutlich über dem Bundesschnitt. Das Robert Koch-Institut gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Samstag mit 86,0 im Landesdurchschnitt an. Vor etwa einem Monat lag der Wert in Bayern noch bei knapp über 50.

Insgesamt wurden nun binnen 24 Stunden 1828 Neuinfektionen in Bayern gezählt, acht registrierte Todesfälle kamen hinzu. In zahlreichen Städten und Landkreisen in Bayern herrschen inzwischen wieder nächtliche Ausgangsbeschränkungen, weil sie die Sieben-Tage-Inzidenz-Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner geknackt haben.

Update, 14.24 Uhr - Corona-Zahlen in der Region hoch - Nur Landkreis Rosenheim noch unter „100er“-Grenze

Auch in der Region stiegen die Werte der 7-Tage-Inzidenz größtenteils an. Lediglich im Landkreis Altötting (105,8 und 104,0) und im Landkreis Mühldorf (113,1 auf 104,4) sanken die Zahlen im Vergleich zum Samstag.

Entwicklung der 7-Tage-Inzidenzen in der Region (Stand 14. März).

Am stärksten kletterte der Inzidenzwert in der Stadt Rosenheim (149,5 auf 174,4). Die Landkreise Traunstein (98,1 auf 109,4) und Berchtesgadener Land (82,1 auf 107,6) stiegen jeweils über die „100er“-Grenze. Der einzige Landkreis in der Region, der nun noch unter dem Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen liegt, ist der Kreis Rosenheim. Hier stieg die 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Samstag nur leicht an (75,4 auf 77,7).

Update, 12.27 Uhr - 10.790 Corona-Neuinfektion und 70 Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 10.790 Corona-Neuinfektionen gemeldet - 2687 mehr als noch vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - kletterte auf 79 (Vortag: 76,1), wie das RKI am Sonntag mitteilte. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 70 weitere Todesfälle verzeichnet.

Am vorigen Sonntag hatte das RKI binnen eines Tages 8103 Neuinfektionen und 96 Todesfälle registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 66,1. Nach einem deutlichen Rückgang im Januar und Februar setzt sich die seit einigen Tagen festgestellte Zunahme der Neuinfektionen damit fort. Für diesen Trend ist dem RKI zufolge unter anderem die Ausbreitung der Coronavirus-Variante B.1.1.7 verantwortlich. Laut einer Prognose des Instituts könnte die Zahl der Neuinfektionen um Ostern herum höher liegen als an Weihnachten.

Der Höchststand bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember erreicht worden - er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle erreichte am 14. Januar mit 1244 einen Höchstwert.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.569.245 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 73.371.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Samstagabend bei 1,19 (Vortag 1,11). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 119 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Update, 11.35 Uhr - Masken-Affäre: Gesundheitsministerium will auf Abgeordnete zugehen

Das Gesundheitsministerium will in der Maskenaffäre der Union auf Bundestagsabgeordnete zugehen, die konkrete Verträge zwischen Maskenherstellern und der Bundesregierung vermittelt haben. Das geht aus einem Schreiben von Staatssekretär Thomas Steffen an den Direktor des Bundestages, Lorenz Müller, hervor, das der „Bild am Sonntag“ vorliegt. Das Gesundheitsministerium bestätigte den Inhalt des Schreibens der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Konkret will das Ministerium laut Zeitung auf jene Abgeordneten zugehen, die „im Kontext tatsächlich abgeschlossener Verträge über Schutzausrüstung mit dem BMG kommuniziert haben“. Darüber solle Bundestagsdirektor Müller bis zum 16. März entscheiden.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, die Namen aller Abgeordneten öffentlich machen zu wollen, die an der Vermittlung von Maskengeschäften beteiligt waren. Die Bundestagsverwaltung hatte ihn daraufhin vergangene Woche darauf aufmerksam gemacht, dass Abgeordnete nach einschlägiger Rechtsprechung ein berechtigtes Interesse an der Vertraulichkeit personenbezogener Daten hätten, die von der Freiheit des Mandats geschützt seien. „Solche Daten dürfen daher nur in eng begrenzten Ausnahmefällen herausgegeben werden“, teilte ein Sprecher mit. Rechtlich unbedenklich erscheine die Herausgabe, wenn dem Ministerium eine Einwilligung der Betroffenen vorliege.

Weiterhin liegen seitens des RKI für den heutigen Sonntag noch keine aktuellen Corona-Zahlen vor. Sobald das entsprechende Dashboard auf der Homepage des Robert Koch-Instituts aufgerufen wird, erscheint der Hinweis „Die Daten werden derzeit aktualisiert. Bitte schauen Sie später wieder vorbei.“

Update, 9.57 Uhr - Maskenskandal: SPD fordert eidesstattliche Versicherung von Union

Die Landtags-SPD fordert im Maskenskandal eidesstattliche Versicherungen von Unions- und Freie-Wähler-Abgeordneten. „Wenn es Union und Freie Wähler mit Aufklärung und Transparenz wirklich ernst meinen, dann müssen sie jetzt Nägel mit Köpfen machen. Das heißt konkret: eidesstaatliche Versicherungen, die bei Notariaten hinterlegt werden“, sagte der Fraktionsvorsitzende Horst Arnold am Samstag in München.

Dabei müsse auch berücksichtigt werden, ob Abgeordnete durch gesellschaftliche Beteiligungen Vermögensvorteile erzielt hätten – nicht nur in Bezug auf die Beschaffung von Masken, sondern auch im Rahmen des gesamten Pandemiemanagements und der entsprechenden staatlichen Ankäufe.

Die Geschäfte einzelner Unionspolitiker mit Corona-Schutzmasken machten Schlagzeilen und zogen Rücktritte nach sich. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Nikolaus Löbel hat eingeräumt, dass seine Firma Provisionen von rund 250.000 Euro für das Vermitteln von Kaufverträgen für Corona-Schutzmasken erhalten hat. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob ein hinreichender Anfangsverdacht zum Einleiten eines Ermittlungsverfahrens gegeben ist. Gegen den Ex-CSU-Politiker Georg Nüßlein wird bereits wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit ermittelt.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gaben inzwischen eine Art Ehrenerklärung ab, mit der sie bestätigten, aus dem Kauf oder Verkauf von Medizinprodukten während der Corona-Pandemie keine finanziellen Vorteile erzielt zu haben - weder direkt noch über Gesellschaften.

„Solche „Ehrenerklärungen“ sind nichts weiter als eine Alibi-Aktion, sie sind faktisch wertlos“, kritisierte Arnold.

Holetschek: Lieferreduzierung durch Astrazeneca zerstört Vertrauen - Aktuelle RKI-Zahlen verspätet

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat die Reduzierung der Impfstofflieferungen durch den Hersteller Astrazeneca scharf kritisiert. Sie sei „absolut inakzeptabel“ und zerstöre massiv Vertrauen, sagte der CSU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Der britisch-schwedische Pharmakonzern begründete die Lieferengpässe unter anderem mit den Exportbeschränkungen anderer Länder. „Es kann doch nicht sein, dass Exportbeschränkungen zu Lasten der Menschen gehen. Es reicht langsam“, sagte Holetschek weiter.

Bayern will trotzdem am 1. April mit dem Impfen durch die Hausärzte vor allem in den Grenzregionen starten. „Wichtig ist, dass der Impfstoff, der für Anfang April angekündigt ist, kommt und auf allen Ebenen schnell ausgeliefert wird“, so der CSU-Politiker.

Astrazeneca hatte am Freitag angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern.

Unterdessen verzögert sich die Übermittlung der tagesaktuellen Corona-Zahlen durch das Robert Koch-Institut (RKI). Am frühen Sonntagmorgen konnten die aktuellen Werte noch nicht über das RKI-Dashboard abgerufen werden.

aic/dpa

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