Behörderleiter hat Schutzmaßnahmen kritisiert

Corona-Kritiker aus Bayern wird strafversetzt

27.03.2020, Bayern, Aichach: Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamtes, demonstriert an der Coronastation das richtige Ablegen einer Atemschutzmaske. Hierbei sollte man jeden Kontakt mit der Frontseite der Maske vermeiden. Auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule wurde eine Teststation eingerichtet, in der ab dem 28.03.2020 Angehörige systemrelevanter Berufe auf Ladung des Gesundheitsamtes getestet werden.
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27.03.2020, Bayern, Aichach: Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamtes, demonstriert an der Coronastation das richtige Ablegen einer Atemschutzmaske.
  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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Der umstrittene Leiter des Gesundheitsamtes Aichach-Friedberg, Dr. Friedrich Pürner, wird versetzt. Er werde ab kommenden Montag beim Landesinstitut für Gesundheit in Oberschleißheim beschäftigt, teilte die Regierung von Schwaben mit.

München - Friedrich Pürner hat mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten. Erst gegenüber dem BR, dann gegenüber unserer Zeitung, dann in weiteren Medien hat er die bayerische Strategie gegen die Corona-Pandemie stark in Zweifel gezogen. Er mahnte, zwischen Corona-Infektionen und tatsächlich Erkrankten zu unterscheiden; er äußerte Zweifel daran, die Anti-Corona-Strategie allein nach den Inzidenzen 35 und 50 auszurichten; und er erklärte, dass er von der Maskenpflicht an Schulen und Kitas „fachlich nichts“ halte. Die Schutzwirkung von Community-Masken sei schließlich „nicht nachgewiesen“, es sei „nicht mehr als ein Symbol der Solidarität“. Weil es so schnell keine Impfung geben werde, habe er nur einen Rat: „Wir müssen mit Corona leben.“ So erklärte er es im Interview mit unserer Zeitung am 19. Oktober.

Nach Corona-Kritik zum Chef zitiert

Die Reaktion auf solche Äußerungen ließ nicht lange auf sich warten: Eine Woche nach seinem Interview musste sich Pürner in einem „fachlichen Gespräch“ rechtfertigen. Damals tat die Regierung von Schwaben noch so, als sei es damit getan. Aber weit gefehlt: Mit einer Pressemitteilung wurde die Öffentlichkeit gestern über die Versetzung Pürners unterrichtet. Pürner werde an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit abgeordnet – und hier speziell an das Landesinstitut für Gesundheit. Dort wird, wie Pressesprecher Karl-Heinz Meyer erläuterte, ein neues Sachgebiet für den öffentlichen Gesundheitsdienst aufgebaut. „Ziel ist, die Prozessqualität und die Digitalisierung an den Gesundheitsämtern in Bayern voranzubringen.“ Und weiter: „Für diese anspruchsvolle Aufgabe wird ein Arzt mit langjähriger Erfahrung an einem Gesundheitsamt gebraucht.

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Corona-Kritiker will nicht kleinbeigeben

Es sieht nicht so aus, als könne sich Pürner mit seiner neuen Aufgabe klaglos anfreunden. „Ich weiß nicht, was man gegen mich in der Hand hat“, sagte er gestern den OVB-Heimatzeitungen. „Man hat nicht mit mir darüber gesprochen.“ Das Gespräch kürzlich im Gesundheitsministerium sei seiner Meinung nach nur pro forma gewesen. „Meine Versetzung war längst vorbereitet.“ Noch dazu sei es „erstaunlich, während der Hoch-Corona-Pandemie einen Gesundheitsamtsleiter zu versetzen“. Das, so sagt Pürner, bringe doch nur noch mehr „Unsicherheit und Unruhe rein“. Aber er sei mit sich im Reinen: „Mir geht es gut, ich weiß, was ich tue und was mich meine Karriere kosten kann.“ Nur: „Es kann nicht sein, dass ich meine Meinung nicht äußern darf.“

Für das Landratsamt Aichach-Friedberg kommt der Wechsel Pürners überraschend. Das sagte ein Sprecher dem BR. Über einen Nachfolger wird die Regierung von Schwaben schnell entscheiden. Die Stelle werde „unverzüglich“ nachbesetzt.

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