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Wie gefährlich sind die Corona-Impfungen wirklich?

Eine Impfskeptikerin fragt – Experten antworten

Frankfurter Virologe Martin Stürmer
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Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer ist einer der Experten, der auf die Fragen zur Corona-Impfung antwortet.

Viele Geimpfte kennen jemanden, der sich nicht impfen lassen will. Auch unsere Redakteurin Susanne Sasse. Ihre gute Freundin Sabina Sciubba steht der Covid-Impfung sehr skeptisch gegenüber. Zahlreiche harte Debatten haben die beiden geführt, dann die Idee: Stell doch all die Fragen, die dich bewegen – und wir bitten Experten, diese zu beantworten. Hier das Ergebnis.

Sabina Sciubba fragt: Ich teste mich jedes Mal, bevor ich unter Menschen gehe, trage Maske, halte Abstand. Reicht das nicht?

Der Corona-Experte Clemens Wendtner steht vor dem Gebäude der München Klinik Schwabing.

Professor Clemens Wendtner (Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing): Nein. Masken und Antigenschnelltests reichen nicht, um die Verbreitung zu verhindern, denn niemand kann leben wie ein Eremit ohne Kontakt zu anderen. Ich rate dringend zur Impfung. Zum einen wegen des individuellen Schutzes: Das Risiko, in Deutschland ungeimpft an einer Covid-Infektion zu sterben, liegt bei 1 zu 50 – zwei Prozent der Infizierten sterben also. Das Risiko schwerer Nebenwirkungen liegt dagegen bei 1 zu 100.000 bis 1 zu 500.000. Ich sehe die Impfung zudem als moralische Pflicht, um die Mitmenschen zu schützen. Es gibt mehrere 100.000 Menschen, die nur eine schwache Immunantwort auf die Impfung haben: Menschen, die Rheumamedikamente schlucken, die transplantiert sind oder betagt mit einem schwächeren Immunsystem. Von den gut 22.000 Intensivbetten in Deutschland sind inzwischen 20.000 belegt. Covid-Patienten liegen dort zudem viermal so lang wie nach anderen Krankheiten. Die Covid-Pandemie übertrifft in ihrer Dimension alles, was wir bislang in der Neuzeit gesehen haben.

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Prof. Klaus Stöhr (Virologe und Infektiologe, arbeitete 15 Jahre für die WHO): Es kommt darauf an. Falls Sie die Infektion für immer vermeiden möchten, muss ich Sie enttäuschen. Das wird nicht gelingen; man kann die Infektion höchstens nach hinten verschieben. Ihr Mann ist geimpft? (Ja, ist er). Für die Kinder ist altersabhängig gegenwärtig die natürliche Immunisierung die Variante mit dem geringeren Risiko. Wenn also die Angst vor dem Impfstoff größer ist als vor der Infektion: Die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken oder zu sterben, ist in jungen Jahren gering. Rein aus der persönlichen Perspektive hätten Sie durch die Impfung also vermutlich keinen sehr großen Vorteil. Wohl aber die Familie. Und auch die Allgemeinheit, vor allem die Vulnerablen, die Sie treffen oder infizieren. Jeder, der sich impfen lässt, verlangsamt die Infektionskette und trägt zum Schutz der anderen bei. Da die Infektion sowieso nicht verhindert werden kann: lieber impfen.

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Erreicht der Impfstoff mein Erbgut? Wäre nicht ein Totimpfstoff besser als ein mit Gentechnik hergestellter?

Prof. Johannes Hübner (Infektiologe und stellvertretender Direktor am LMU-Kinderspital): Nein – der RNA-Impfstoff wird in wenigen Stunden abgebaut. Eigentlich sind alle im Moment verfügbaren Impfstoffe „Tot-Impfstoffe“, weil sie alle keine vermehrungsfähigen Viruspartikel enthalten. Typische Tot-Impfstoffe sind der chinesische Sinovac- und Sinopharm- Impfstoff, die aus abgetöteten Corona-Viren bestehen, ähnlich wie die Influenza-Impfung. Diese Covid-Impfstoffe sind von der WHO, aber nicht von der europäischen Arzneimittelzulassungsbehörde EMA oder dem US-amerikanischen Pendant FDA zugelassen und haben eine Wirksamkeit von 51 Prozent – eindeutig eine schlechtere Wahl.

Prof. Stephan Becker (Uni Marburg, war 2003 einer der Entdecker des Sars-Corona-Virus.): Wir leben in einer Welt, in der wir denken, wir könnten Risiken ausschalten. Aber man kann Risiken nur minimieren. Bei Covid-19 gilt: Wer nicht immun ist, wird mittelfristig krank werden. Ein mRNA-Impfstoff dringt nicht in die Erbinformation ein. In den Körperzellen ist mRNA sehr häufig, sie dient dazu, Eiweiße herzustellen, und wird danach schnell abgebaut. Die große Angst davor, dass etwas in die Erbinformation eindringt, rührt daher, dass viele an die HI-Viren denken, die Aids verursachen. Diese haben spezielle Enzyme, mit denen sie sich in der Erbinformation festsetzen. Das kann weder das Corona-Virus noch der RNA-Impfstoff.

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Kann ich meine Kinder bedenkenlos impfen lassen?

Prof. Johannes Hübner: Wenn die Zulassung durch die entsprechenden Arzneimittelbehörden erfolgt ist, kann man Kinder bedenkenlos impfen lassen. Inzwischen sind vor allem in den USA und Israel Millionen von Kindern geimpft worden. Die Nebenwirkungen sind im Prinzip die gleichen wie bei Erwachsenen und verschwinden nach zwei bis drei Tagen. Eine Besonderheit bei Kindern sind vereinzelte Fälle von Herzmuskelentzündungen, aber auch diese seltene Nebenwirkung heilt in allen Fällen bisher folgenlos aus. Zudem gilt: Jede Infektion führt zu einer gewissen Verzögerung der Entwicklung – Impfungen führen generell zu keiner Entwicklungsverzögerung. Zudem kann eine Infektion schwerwiegende Spätfolgen haben – Post-Covid gibt es auch bei Jüngeren.

Was unterscheidet den Kinderimpfstoff von dem der Erwachsenen?

Prof. Johannes Hübner: Die Impfung der 12- bis 15-Jährigen ist identisch mit der Erwachsenenimpfung, die in Europa bisher noch nicht zugelassene Impfung für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren enthält nur ein Drittel der Impfstoffmenge.

Können Impffolgen wie Fieber, Kopfschmerzen und ähnliches gefährlich werden?

Dr. Hedwig Roggendorf (Leiterin der Impfambulanz im Klinikum rechts der Isar, München): Nein, diese milden Impfreaktionen treten häufig nach Impfungen auf und verschwinden nach zwei bis drei Tagen. Man muss voranstellen: Impfungen sind der größte Segen, den die Medizin je brachte. Durch die Impfungen gegen Polio, Pocken, Masern und so weiter wurde millionenfacher Tod verhindert. Die Diskussion über Nebenwirkungen ist eine Luxusdiskussion, die bei uns nur geführt wird, weil wir hier keine schlimmen Infektionskrankheiten mehr erleben. Ich habe in meiner Kindheit in Miesbach immer wieder erlebt, wie es Masern-Epidemien gab. Dann wurden die Schulen geschlossen, Mitschüler mussten nach einer Hirnhautentzündung auf die Sonderschule. Es ist unsäglich, dass es so viele Impfskeptiker gibt und deshalb zum Beispiel Masern in Europa noch ein Thema sind, aber in Ghana und Südamerika quasi eliminiert. Dort tragen Eltern ihre Kinder 40 Kilometer weit für eine Impfung, weil sie erlebt haben, wie schlimm die Krankheit ist.

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Sind Spätfolgen denkbar?

Dr. Hedwig Roggendorf: Spätfolgen, die erst nach mehreren Monaten oder Jahren auftreten, sind bei kaum einer der derzeit zugelassenen Impfungen aufgetreten. Die Impfstoffe gegen Covid-19 haben unterm Strich nicht mehr Nebenwirkungen als andere Impfstoffe. Man muss wissen: Pro Jahr werden in Deutschland 50 Millionen Dosen an Impfstoffen verimpft. Die Zahl der festgestellten schweren Langzeitschäden, aber keine Todesfälle, beläuft sich auf circa 34. Die allermeisten Impfkomplikationen der Covid-19-Impfstoffe, etwa die Sinusvenenthrombose nach Astrazeneca oder die Herzmuskelentzündungen nach Biontech, zeigen sich spätestens nach wenigen Wochen. Gängige Medikamente wie etwa Schmerzmittel haben weit mehr Nebenwirkungen. Zudem gilt: Vorbeugung ist immer besser als Therapie. Sogar Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, war ein Verfechter der Pockenimpfung. Obwohl diese Impfung damals tatsächlich heftige Nebenwirkungen und Langzeitschäden hatte. Die Impfstoffe von heute sind geprüft, hochgereinigt, sicher und quasi frei von schweren Langzeitschäden.

Wer haftet, wenn Spätfolgen auftreten?

Dr. Hedwig Roggendorf: Ist eine Impfung öffentlich empfohlen, dann haftet der Staat für ursächlich verursachte Langzeitschäden.

Stellen die Impfdurchbrüche nicht das ganze Impfkonzept in Frage?

Prof. Johannes Hübner: Nein – es ist ganz klar, dass die Impfung vor Erkrankung, vor allem aber vor schweren Verläufen, Intensivstation und vor Todesfällen schützt.

Greift der Impfstoff in die Fruchtbarkeit und den Hormonhaushalt von Mann und Frau ein?

Prof. Stephan Becker: Es gibt Untersuchungen zu diesen Thematiken: Zum einen Studien an Paaren, die eine künstliche Befruchtung versuchten. Hier wurden geimpfte Paare und ungeimpfte Paare verglichen – die Erfolgsquote war gleich. Somit gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Impfung die Fruchtbarkeit vermindert.

Prof. Johannes Hübner: Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff die Fruchtbarkeit und den Hormonhaushalt beeinflusst – und diese Thematik, die ja immer wieder erwähnt wird – ist sehr gründlich untersucht worden. Ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass die Impfung Wechseljahresbeschwerden verstärkt.

Was unterscheidet Covid-19 denn von anderen Erkältungskrankheiten?

Dr. Martin Stürmer (Virologe, Privatdozent und Leiter eines Labors in Frankfurt am Main): Ich war selbst erkrankt nach einem Skiurlaub in Tirol. Angefangen hat es wohl über unseren Sohn, der mit einem Mal starken Durchfall bekam. Nach der Heimreise war auch ich infiziert, ich hatte starke Rückenschmerzen in der Nierengegend, die sich in Richtung Körpermitte ausgebreitet haben, damit verbunden das Gefühl von Atemproblemen. Die Symptome waren beängstigend und nicht mit denen einer Erkältung zu vergleichen – auch den Geschmacks- und Geruchsinn hatte ich verloren, und er ist bis heute nicht ganz zurück.

Prof. Johannes Hübner: Vieles ist ähnlich wie bei anderen Atemwegserkrankungen – Husten, Fieber, die Beteiligung der Lungen. Aber die Schwere der Erkrankung, die häufig besondere Ansteckungsfähigkeit, die häufig langwierigen Verläufe und die starke Entzündungsreaktion mit Beteiligung von anderen Organsystemen machen Covid-19 zu einer der schwer verlaufenden Infektionskrankheiten.

Wie würde der Verlauf der Epidemie sein, wenn es keine Impfstoffe gäbe?

Prof. Klaus Stöhr: Das wissen wir aus der Vergangenheit: Alle Pandemien enden erst mit der kompletten Durchseuchung der Bevölkerung. Pro Jahrhundert gab es im Durchschnitt etwa vier davon. Alle endeten immer und wurden erst zur Endemie, wenn alle sich infiziert hatten. Diesmal ist es das erste Mal, dass ein Impfstoff einigermaßen rechtzeitig einen Teil der Menschen vor der Infektion schützen kann. Das ist so besonders – aber viele wissen es nicht zu schätzen. So etwas gab es noch nie in der Menschheitsgeschichte. In früheren Pandemien dienten Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Hygiene und Quarantäne dazu, die Geschwindigkeit der Durchseuchung zu bremsen. Andere Möglichkeiten hatte man nicht – man konnte nur versuchen, die galoppierende Durchseuchung zu verlangsamen, damit die Krankenhäuser und Beerdigungsinstitute einigermaßen hinterherkamen.

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