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Zu Weihnachten gibt es kurzzeitig Lockerungen

Weniger Besucher in Heimen: Corona-Testpflicht macht Senioren einsam

Coronavirus - Prävention im Seniorenheim
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Aufgrund der Testpflicht kommen weniger Besucher in Pflegeheime. (Symbolfoto)
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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In Pflegeheimen gilt nach wie vor eine Testpflicht. Das führt dazu, dass einige Bewohner weniger Besuch bekommen. Denn es gibt nur noch wenige Testzentren. Zumindest für die Feiertage gibt es nun eine Lockerung.

München – Die Angst vor der Einsamkeit ist von der Pandemie übrig geblieben. Sabine Maier spürt sie oft in den Gesprächen mit den Bewohnern des BRK-Seniorenzentrums Altötting. Sie leitet das Heim – und beobachtet seit einiger Zeit, dass weniger Besucher kommen. Schuld daran ist die Testpflicht. Weil es nicht mehr viele Testzentren gibt, bietet das Heim Tests vor Ort an. Allerdings nur bis 17 Uhr. Viele Berufstätige würden gerne nach der Arbeit noch einen Bewohner besuchen, berichtet sie. „Einige verzichten aber darauf, weil es so schwierig geworden ist, einen Test zu bekommen.“

Pflegeheime in Bayern können Tests oft nicht selbst anbieten

Das Unverständnis für die strenge Regel ist groß, das spürt Maier in vielen Gesprächen mit Angehörigen. Auch sie hofft, dass die Regelung bald wegfällt. „Corona ist inzwischen wirklich wie eine Grippe“, sagt sie. Die Heime hätten das im Griff.

Dass Senioren weniger Besuch bekommen, beobachten auch andere Heimleiter in Bayern. Die Bundesregierung habe die Testkapazitäten bewusst runtergefahren, betont BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Viele Einrichtungen können die Tests nicht mehr vor Ort anbieten. Dafür fehlt schlichtweg das Personal.

Testpflicht in Pflegeheimen - über Weihnachten kommen Lockerungen

Anfang der Woche hat das Gesundheitsministerium ein Schreiben an die Wohlfahrtsverbände verschickt. Für wenige Tage, vom 23. Dezember bis 9. Januar, sind Lockerungen vorgesehen: Tests, die in einem Pflegeheim oder einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gemacht werden, können am selben Tag auch für Besuche in anderen Einrichtungen genutzt werden. Außerdem sind auch Selbsttests vor Ort unter Aufsicht möglich. Sollte das wegen personeller Engpässe nicht möglich sein, können Besucher die Selbsttests auch ohne Aufsicht durchführen. Sie müssen dann beim Betreten des Heims den negativen Test oder eine Eigenerklärung vorlegen.

Dieses Schreiben belege, wie hoch die Belastung durch die Testpflichten in den Einrichtungen sei, sagt Taheri-Sohi. Der Sinn der Testpflicht werde damit allerdings noch mehr infrage gestellt. „Gerade an den Feiertagen werden viele Besucher erwartet.“ Das Schreiben sei auch eine logische Konsequenz, da die Testpflicht des Bundes nicht praxistauglich und umsetzbar sei. „Es wird zu oft über die Pflege gesprochen und zu wenig mit den Pflegenden, die Folge sind praxisuntaugliche Maßnahmen. Dabei sprechen wir über Menschen, die darin ausgebildet sind, einen bestmöglichen Infektionsschutz sicherzustellen. Es wäre ein wichtiges politisches Signal, der Pflege diese Kompetenz durch eine Rücknahme der politischen Schutzmaßnahmen wieder zuzugestehen.“

Corona-Testpflicht: RK und Caritas fordern mehr Eigenverantwortung für Pflegeheime

Genau das fordern BRK und Caritas. Statt Verordnungen sollen die Einrichtungen ihrer Meinung nach mehr Eigenverantwortung bekommen. Es gebe weder bei den Bewohnern noch bei deren Angehörigen Verständnis dafür, dass noch dieselben Regeln gelten wie in der Hochphase der Pandemie, betont Caritas-Vorständin Gabriele Stark-Angermeier. Die Pandemie-Verläufe seien bei den Senioren in den allermeisten Fällen sehr milde.

Das bestätigt auch Josef Jung, BRK-Kreisgeschäftsführer im Landkreis Altötting. In den sechs BRK-Heimen dort gibt es etwa 36 Corona-Fälle. Einige Bewohner seien symptomfrei, ins Krankenhaus habe kein einziger mehr gemusst, berichtet er. Auch Jung ärgert sich über die strengen Testregeln. Viele Besuche würden dadurch wegbrechen, erzählt er. Vor allem freundschaftliche Kontakte. „Den Aufwand nehmen nur Angehörige auf sich.“ Er hält es für einen Eingriff in die Grundrechte, Heimbewohner noch immer so abzuschotten. „Die durchschnittliche Wohndauer in unseren Heimen beträgt drei Jahre“, betont er. „Einige Bewohner haben ihre komplette Zeit bei uns unter Abschottung gelebt.“

Ein Wegfall der Testpflicht würde nicht bedeuten, dass die Bewohner ungeschützt sind, betont Jung. „Es gibt viele Viruserkrankungen, damit haben wir seit Jahren zu tun, wir sind Profis, wenn es um Hygiene und Desinfektion geht“, sagt er. Er hält auch nichts davon, Angehörigen zu empfehlen, Corona-Tests zu machen. „Empfehlenswert ist es, alte oder kranke Menschen nicht zu besuchen, wenn man sich nicht gesund fühlt. So wie die meisten von uns es auch vor der Pandemie gemacht haben.“

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