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Auch Regierung will Paketlösung für Öffnungen

„ControlCovid“: RKI will uns mit diesem 4-Stufen-Plan aus dem Lockdown führen

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Das Robert Koch-Institut hat ein eigenes Strategiepapier mit Stufen für verschiedene Maßnahmen in der Corona-Pandemie vorgelegt: Es unterbreitet Vorschläge für Szenarien zu vorsichtigen Lockerungen oder auch Verschärfungen. Die Bundesregierung bezeichnete es am Mittwoch als wichtigen Hinweis.

Das Papier mit dem Titel „ControlCovid“ (Covid kontrollieren) wurde bereits vergangene Woche auf der Webseite veröffentlicht, war aber zunächst von der Öffentlichkeit unbemerkt geblieben. In dem Papier ist unter anderem die Rede von der „Notwendigkeit einer klaren Zielstellung und transparenten Perspektive für die nächsten Monate“. Das RKI schreibt, das Papier solle als „Hilfestellung“ verstanden werden.

Lockerungen: Nicht nur 7-Tage-Inzidenz ausschlaggebend

Als Ziel führen die Autoren an, die Zahl schwerer Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfälle zu minimieren und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Empfohlen wird, verschiedene Kennzahlen wie die Sieben-Tage-Inzidenz (Fallzahlen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche) auf Landkreis-Ebene, aber auch andere zu beachten und Lockerungen erst zu beschließen, „wenn ein überwiegender Anteil der Landkreise Indikatoren mit Werten aufweist, die dies erlauben“. Lockerungen sollen demnach vorsichtig und langsam vorgenommen werden.

Toolbox zum Stufenkonzept

RKI mit 4-Stufen-Konzept

In einem komplexen vierstufigen Konzept weist das RKI exemplarische Maßnahmen für verschiedene Lebensbereiche je nach Corona-Lage aus: für eine Basisstufe (Inzidenz unter 10) sowie für niedriges Infektionsgeschehen (zwischen 10 und 35), mittleres (zwischen 35 und 50) und hohes (mehr als 50).

Neben der Sieben-Tage-Inzidenz koppelt das RKI die Stufen allerdings noch an den Anteil der Covid-19-Fälle an der Kapazität der Intensivstationen, an die Krankenhausfälle bei Über-60-Jährigen und die Möglichkeiten beim Nachverfolgen von Kontaktpersonen. Ein Blick auf einzelne Indikatoren sei nicht ausreichend, bekräftigt das RKI.

Stufe 3: 7-Tage-Inzidenz über 50

  • Treffen in geschlossenen Räumen: Nur innerhalb der Familie
  • Zusammenkünfte im Freien: Verbot erwägen
  • Kitas und Schulen: Offen mit Schutzkonzepten; kleine, feste Gruppen
  • Weiterführende Schulen/ Universitäten: Distanzunterricht; Schließung erwägen
  • Friseur, Kultur, Hotels. Kino, Einzelhandel: Schließung erwägen
  • Gastronomie: Nur Abholung
  • Bars/ Clubs: Schließung erwägen

Stufe 2: 7-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 35

  • Treffen in geschlossenen Räumen: Weniger als zehn Laute mit Schutzkonzept
  • Zusammenkünfte im Freien: Weniger als 100 Leute mit Schutzkonzept
  • Kitas und Schulen: Offen mit Schutzkonzept
  • Weiterführende Schulen/ Universitäten: Offen mit Schutzkonzept; reduzierte Personenzahl
  • Friseur, Kultur, Hotels. Kino: mit Schutzkonzept offen
  • Einzelhandel: Offen mit einer Person pro 20 Quadratmeter
  • Gastronomie: Nur Abholung
  • Bars/ Clubs: Schließung erwägen

Stufe 3: 7-Tage-Inzidenz zwischen 35 und 10

  • Treffen in geschlossenen Räumen: Weniger als 50 Laute mit Schutzkonzept
  • Zusammenkünfte im Freien: Weniger als 500 Leute mit Schutzkonzept
  • Kitas und Schulen: Offen mit Schutzkonzept
  • Weiterführende Schulen/ Universitäten: Offen mit Schutzkonzept
  • Friseur, Kultur, Hotels. Kino: Mit Schutzkonzept offen
  • Einzelhandel: Mit Schutzkonzept offen
  • Gastronomie: Mit Schutzkonzept offen
  • Bars/ Clubs: Mit Schutzkonzept offen

Basisstufe: 7-Tage-Inzidenz unter 10

  • Treffen in geschlossenen Räumen: Weniger als 100 Laute mit Schutzkonzept
  • Zusammenkünfte im Freien: Weniger als 1000 Leute mit Schutzkonzept
Intensitäts-Stufenkonzept des RKI

RKI für Regierung ein wichtiger Hinweisgeber

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch auf eine entsprechende Frage, in die Beratungen von Bund Ländern flössen von allen Seiten Ideen und Vorschläge ein. Das RKI sei „natürlich immer“ ein wichtiger Hinweisgeber. Ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, das Strategiepapier sei ein Anhaltspunkt für regionale Lockerungen und könne in die laufende Debatte einbezogen werden. Spahn bewerte das Papier als wichtigen Hinweis für die Diskussion, die jetzt anstehe. Bund und Länder wollen am 3. März über den weiteren Kurs beraten. Eine Arbeitsgruppe berät über mögliche Öffnungsschritte.

Merkel will Paketlösung für Öffnungen

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) selbst sieht eine dritte Coronawelle durch Deutschland rollen und will deshalb nur behutsam aus dem Lockdown. Es gebe drei Stränge, bei denen man Schritt für Schritt öffnen wolle, sagte Merkel am Dienstag nach Angaben von Teilnehmern in einer Online-Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Zugleich soll die Impfreihenfolge geändert werden, um die teilweise Öffnung von Kitas und Schulen besser abzusichern: Beschäftigte in Kitas, Kindertagespflege sowie Grund- und Förderschulen sollen bereits von diesem Mittwoch eine Impfung erhalten können.

Merkel nannte als Öffnungsstränge die persönlichen Kontaktbeschränkungen sowie Bildung und Wirtschaft. Die Schritte sollten klug mit den erweiterten Testmöglichkeiten zusammengebracht werden. CDU-Chef Armin Laschet sagte in der Fraktionssitzung, nachdem sich die britische Variante ausbreite, sei Vorsicht das Richtige. Trotzdem werde eine Öffnungsstrategie erwartet - Testen sei deshalb wichtig.

Arbeitsgruppe zum Thema Öffnungen

In diesen Tagen soll nach den Informationen aus dem CDU-Präsidium eine Arbeitsgruppe mit Kanzleramtschef Braun und den Chefs der Länder-Staatskanzleien zum Thema Öffnungen tagen. Sie soll die nächsten Bund-Länder-Beratungen am 3. März vorbereiten. Nach bisherigen Plänen könnten Geschäfte am 7. März wieder öffnen - aber nur in Regionen, wo es drei Tage in Folge nicht mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen gibt.

Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), sagte „Stuttgarter Zeitung“ : „Auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein.“ Kultur und Gastronomie sollen teils öffnen können, wenn Bundesländer „stabil über mehrere Wochen“ unter den Sieben-Tage-Inzidenzwerten 35 oder 50 blieben.

Merkel sagte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, die Tatsache, dass es eine dritte Corona-Welle gebe, könne nicht wegdefiniert werden. Man müsse mit der Mutation des Virus leben. Der Anteil der ansteckenderen britischen Virusmutation ist nach Angaben des Verbands Akkreditierter Labore in der Medizin auf rund 30 Prozent gewachsen, wie der Verband auf Basis von Stichproben mitteilte.

dpa/mz

Rubriklistenbild: © Screenshot RKI

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